Switzerland

Jetzt werden die Kondome knapp

Die Nachfrage nach Präservativen steigt seit der Corona-Krise. Der Weltmarktführer warnt vor Engpässen. So sieht die Situation in der Schweiz aus.

Die Produktion stand still: Ein Archivbild aus der Karex-Kondomfabrik in Pontian, südöstlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

Die Produktion stand still: Ein Archivbild aus der Karex-Kondomfabrik in Pontian, südöstlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

Foto: Reuters

Im Fernsehen läuft kein Fussball, raus darf man sowieso nicht: Social Distancing hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Die Distanz in den Betten der Welt scheint dagegen abzunehmen. Viele nutzen die freie Zeit und erzwungene Nähe zum Lebenspartner für körperliche Nähe. Das legen die Bewegungen auf dem Kondom-Markt nahe.

Die Nachfrage steigt, gleichzeitig sinkt das Angebot. Deshalb warnt Marktführer Karex aus Malaysia, der jeden fünften Gummi der Welt herstellt, nun vor einem weltweiten Engpass. Die drei malaysischen Fabriken standen bereits mehr als eine Woche lang still, die Regierung des Landes hatte die Produktion gestoppt, um die Ausbreitung des Coronavirus aufzuhalten.

Starker Produktionsrückgang

Schon jetzt habe das Unternehmen deshalb 100 Millionen Kondome weniger produziert als üblich. Karex stellt mehr als fünf Milliarden Präservative pro Jahr her und exportiert sie in mehr als 140 Länder, wo sie unter Markennamen wie Durex und Carex verkauft werden. Durex ist in der Schweiz eine der beliebtesten Marken. Auch in den anderen beiden grossen Produzentenländern China und Indien stehen viele Fabriken still.

Etliche Länder wie Australien, Frankreich, Deutschland und auch die Schweiz melden derweil, dass die Menschen deutlich mehr Kondome kaufen – wenn es denn welche gibt. Sie zählen sogar mancherorts zu den Hamsterartikeln. Noch sind leere Regale wohl aber nur eine Momentaufnahme. Der Hersteller Ritex aus der deutschen Stadt Bielefeld erlebte in den vergangenen Wochen «extreme Absatzsteigerungen», sagte eine Firmensprecherin. Sie hätten sich zuletzt wieder ein wenig normalisiert. Trotzdem erlebt Ritex gerade den stärksten März-Umsatz in der Geschichte: rund 12,7 Millionen verkaufte Kondome. Im März vergangenen Jahres waren es nur 6,7 Millionen.

«Die Versorgung mit Ceylor-Kondomen in der Schweiz ist sichergestellt.»

Unternehmenssprecher

Der Schweizer Marktführer Ceylor, er gehört zum Basler Unternehmen Doetsch Grether, erwartet jedoch keine Knappheit. «Wir sind mit unseren Lieferanten in Kontakt und bestätigen, dass wir keinerlei Lieferengpässe sehen», sagt ein Sprecher. «Wir erwarten eine grössere Lieferung in den kommenden Tagen. Die Versorgung mit Ceylor-Kondomen in der Schweiz ist sichergestellt.» Es zeige sich ein Corona-Effekt, sagt Ceylor-Markenmanagerin Trang Nguyen. «Die Nachfrage steigt.»

Bei Coop hat sich die Nachfrage nach dieser Produktgruppe vor ein paar Wochen fast verdoppelt. «Aktuell pendelt sich die Nachfrage wieder auf ähnlichem Niveau ein wie sonst auch», sagt eine Sprecherin. Engpässe seien kein Thema.

In anderen Ländern, in denen ungewollte Schwangerschaften ein grösseres Problem sind als hier, hat der drohende Kondom-Engpass weniger heitere Konsequenzen. Karex beliefert unter anderem den Bevölkerungsfonds der UNO, der die Kondome in Entwicklungsländern verteilt.

Kondome für Entwicklungsprogramme fehlen

Wegen dieser besonderen Bedeutung erteilte Malaysias Regierung dem Unternehmen am Freitag eine Genehmigung, die Produktion wieder aufzunehmen, allerdings nur mit der Hälfte der normalen Belegschaft. Doch angesichts der verringerten Kapazität und einer gewissen Anlaufzeit für die Fabriken werde Karex die Nachfrage nicht bedienen können.

«Wir werden überall auf der Welt einen Mangel an Kondomen erleben, was beängstigend sein wird», sagte Firmenchef Goh Miah Kiat der britischen Zeitung «The Guardian». «Meine Sorge ist, dass für viele humanitäre Programme in Afrika die Knappheit nicht nur zwei Wochen oder einen Monat betragen wird. Dieser Mangel kann sich über Monate hinziehen.»

Mit sinkender Nachfrage rechne Karex in absehbarer Zeit nicht, sagte Goh. «Angesichts der Tatsache, dass die Menschen zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht planen, Kinder zu bekommen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, bei so viel Unsicherheit.»

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