Switzerland

In Deutschland rollt die zweite Infektionswelle

In Deutschland gibt es mittlerweile knapp 60 Fälle von bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus. Mehr als 1000 Kontaktpersonen sind in Quarantäne.

Die deutschen Behörden zeigen sich trotz steigender Fallzahlen in Deutschland derzeit unaufgeregt. Im Bild die Infektionsstation der Uniklinik in Düsseldorf.

Die deutschen Behörden zeigen sich trotz steigender Fallzahlen in Deutschland derzeit unaufgeregt. Im Bild die Infektionsstation der Uniklinik in Düsseldorf. 

Stringer / EPA

37 Neuinfizierte in sechs Bundesländern in den letzten Tagen – in Deutschland ist es nun zu einer zweiten Welle an Coronavirus-Infektionen gekommen. Meist brachten die Betroffenen das Virus von ihren Italienferien mit, andere haben sich in Iran infiziert – oder man weiss es noch nicht. Mehr als 1000 Kontaktpersonen der Infizierten werden derzeit auf das neuartige Coronavirus getestet, fast alle befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Hotspot ist der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen (NRW), hier sind rund 20 Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 bestätigt. Ausser einem mittlerweile schwer erkrankten Mann zeigen alle Infizierten bisher nur milde Symptome, sowohl in NRW als auch in den anderen Bundesländern. Daher befinden sich die meisten derzeit nicht in Spitälern, weil ihr Zustand keine klinischen Behandlungen erfordert.

Sorge bereiten nun auch zwei infizierte Ärzte, darunter ein Kinderarzt in Hamburg. Er arbeitete nach seiner Rückkehr aus den Ferien im Trentino im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) anderthalb Tage auf der dortigen Kinderabteilung, bis er dann Dienstagmittag mit Symptomen nach Hause ging. Am Donnerstagabend wurde er dann positiv auf Sars-CoV2 getestet. Er hatte mit rund 50 Patienten, Eltern und Kollegen im Spital Kontakt. 16 Säuglinge und Kleinkinder sind daher mit je einer Begleitperson auf der für andere bis auf weiteres geschlossenen Station isoliert, 20 Ärzte, Pfleger und Labormitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Risiko gering bis mässig

Zwar zeigt sich im bisherigen Verlauf, dass Kinder Sars-CoV2 bekommen können, aber in der Regel gar keine oder nur sehr milde Symptome entwickeln. Doch die nun unter Beobachtung stehenden Kinder haben ja alle gewisse Vorerkrankungen, derentwegen sie ins Spital kamen. Und Vorerkrankte gelten als Risikopatienten für Sars-CoV2. Die Ärzte bereiten sich nun darauf vor, den Kleinkindern ebenso wie zuvor Erwachsenen wenn nötig auch gewisse antivirale Medikamente zu geben, die in ersten Therapieversuchen in China sowie anderen Ländern eine gewisse Effektivität gegen Sars-CoV2 gezeigt haben.

Die Behörden blieben am Freitag weiterhin gelassen und unaufgeregt. Das Risiko für die Bevölkerung sei nach wie vor gering bis mässig, betonte der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lars Schaade am Freitagmorgen.

Dies gilt für ihn auch trotz – oder wegen – der von vielen Experten immer wieder aufgeführten sogenannten Meldelücke. Auch das RKI hält es für realistisch, dass eventuell nur zehn Prozent aller Infizierten wirklich entdeckt werden. Das würde bedeuten, dass es derzeit weltweit rund eine Million Infizierte gibt, und in Deutschland einige hundert. Dies relativiere allerdings die Sterberate von derzeit ein bis zwei Prozent erheblich, so Schaade. Trotzdem berichteten die grossen Supermarktketten am Freitag von Hamsterkäufen in mehreren Filialen, vor allem Nudeln, Konserven oder Toilettenpapier waren teilweise ausverkauft.

Tourismus-Börse abgesagt

Wegen des Virus ist die weltgrösste Reisemesse ITB in Berlin abgesagt worden. Das bestätigte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci gegenüber Medien. Die Messe hätte vom 4. bis 8. März in der Hauptstadt stattfinden sollen. Die Bundesregierung empfiehlt im Kampf gegen das neue Coronavirus, Grossveranstaltungen von bestimmten Bedingungen abhängig zu machen. Aus Sicht des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Krisenstabs sollten «unmittelbar bevorstehende internationale Grossveranstaltungen wie die ITB abgesagt werden».