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Switzerland

Im Skilager gilt Nulltoleranz für Leiter

Keine Zürcher Gemeinde ist auf das Thema Missbrauch so sensibilisiert wie Embrach. Hier unterrichtete einst der pädophile Sonderpädagoge Jürg Jegge, dessen Treiben vor zwei Jahren durch seine heute erwachsenen Opfer publik gemacht wurde. Und vor einem Jahr berichtete der «Blick» erneut von einem Embracher Fall. Unwissentlich war ein pädophiler Lehrer in Embrach eingestellt worden.

Um einen dritten Fall zu verhindern, hat die Schulpflege nun Massnahmen ergriffen, besonders für die Skilager, die demnächst wieder stattfinden. «Bei uns gilt nun Nulltoleranz in allen Bereichen, die die Schule betreffen», sagt der parteilose Schulpräsident Philipp Baumgartner.

So verlangt Embrach erstmals auch von den Skilagerleitern einen Sonderprivatauszug. Dieser muss beim Bundesamt für Justiz kostenpflichtig bestellt werden. Es ist so etwas wie ein Strafregisterauszug, der sich aber auf Sexualstraftatten wie Kindsmissbrauch oder Kinderpornographie beschränkt. Einer Person mit Einträgen im Sonderprivatauszug sind Tätigkeiten mit Minderjährigen oder anderen Schutzbefohlenen verboten. Baumgartner: «Wir wollen alles Menschenmögliche tun, um unsere Kinder vor solchen Straftätern zu schützen.»

«Übers Ziel hinausgeschossen»

Diese restriktive Praxis ist für Leiter in freiwilligen Skilagern der Zürcher Schulen aussergewöhnlich, wenn nicht einzigartig. Dies bestätigt die Schulleiterin von Zell, Irene Pozzy. Sie bezeichnet die neue Nulltoleranz-Regelung von Embrach zwar als konsequent. Immerhin verlangt das kantonale Volksschulamt bei jeder Anstellung von Lehrpersonen einen Sonderprivatauszug und für kommunal Angestellte wie Schulassistenzen empfiehlt es, einen solchen einzuholen. «Es ist folgerichtig, dies auch von Skilagerleitern zu verlangen», sagt Pozzy.

Gleichwohl schiesst Embrach in ihren Augen etwas übers Ziel hinaus. Eine Lagerleitung, die aus Lehrpersonen bestehe, habe sowieso die Pflicht die Mitleiter für das Thema Nähe und Distanz zu sensibilisieren und sie im Lager falls nötig auch anzusprechen.

Ähnlich sieht dies Christian Kobi. Er ist Präsident von Schneezüri und in dieser Funktion hauptverantwortlich für die 13 offiziellen Stadtzürcher Skilager. Für ihn bietet der Sonderprivatauszug keine Garantie, dass eine Person in einem Skilager nicht übergriffig wird. «Dieser Auszug zeigt nur die wirklich schweren Dinge, die vor Gericht landen», sagt Kobi. Problematisches, distanzloses Verhalten oder unangemessene Berührungen würden dadurch nicht erfasst.

Aus diesem Grund arbeitet Schneezüri mit dem Verein VERSA (Vereinigung zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen im Sport) zusammen. Dieser hat einen Verhaltenskodex entworfen, den in Zürich jeder Trainer oder Skilagerleiter unterschreiben muss.

Verhaltenskodex unterschreiben

In neun Punkten werden darin die Verhaltensregeln umschrieben. Unter anderem heisst es: «Ich enthalte mich jeglicher Ausbeutung in materieller, sexueller und emotionaler Hinsicht.» Auch Gewaltanwendung wird angesprochen, Machtgefälle, Abhängigkeitsverhältnis zwischen Skilagerleiter und -teilnehmer. Zudem wird der Verein ermächtigt bei Referenzanfragen Auskunft zu erteilen.

Kobi hat mit diesem Vorgehen bisher gute Erfahrungen gemacht. Noch nie sei es in einem Schneezüri-Skilager zu Fehlverhalten eines Leiters gekommen, das hätte sanktioniert werden müssen.

In Embrach müssen im übrigen nicht nur Skilagerleiter einen Sonderprivatauszug einreichen, sondern auch das Hauswart-Personal, Assistenten, Zivildienstler und auch der Lotsendienst. Die vom Volk gewählten Schulpflegerinnen und Schulpfleger haben sich verpflichtet, ebenfalls einen Sonderprivatauszug abgegeben.

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