Switzerland

Homeoffice im Wohnmobil bei minus 10 Grad – dieses Aargauer Paar zeigt, wie es geht

In klaren Nächten fällt die Temperatur unter minus 10 Grad, die Strassen sind weiss und die Einheimischen fahren Allradantrieb. Das ist Engelberg im Winter. Langlaufen, Schlitteln und Skifahren sind Aktivitäten, die zum Tourismus-Hotspot gehören. Doch an Camping im Schnee denken wohl die Wenigsten. Dabei ist das Bergdorf längst ein Geheimtipp für Leute, bei denen in der Garage ein Satz Winterreifen für ihr Wohnmobil lagert.

Seit 60 Jahren ist der Camping Eienwäldli 365 Tage geöffnet. Also schon bevor Wohnmobile zum nationalen Trend wurden. Zum Vergleich: Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) waren 2019 schweizweit 69'904 Wohnmobile zugelassen. Diese Zahl habe sich seit zehn Jahren verdoppelt. Das merkt man auch in Engelberg. Obwohl es Winter ist, sind viele Gäste auf dem Platz. Vor Ort wird klar: Es sind keine gewöhnlichen Touristen. «Zu kalt, gibt's nicht!», lautet ihr Credo. Die Winter-Camper sind freundlich, offen und halten zusammen.

Das Aargauer Ehepaar Deborah und René Gehrig stellt ihr Wohnmobil von Mitte Dezember bis Mitte März auf den Platz Eienwäldli. Nur ab und zu fahren sie in dieser Zeit heim nach Meisterschwanden. «Ja, dieser Camping ist unser zweites zu Hause», so die beiden. Dass sie auch in der Kälte draussen sitzen, ist normal. Mit dicken Jacken, warmen Stiefeln und auf kuscheligen Lammfellen sieht das ohnehin ganz angenehm aus. Auch ihre beiden Hunde geniessen das Wetter und springen im tiefen Schnee herum.

Consultant Gehrig arbeitet am Laptop auf dem Campingplatz

Doch das Ehepaar macht keinesfalls drei Monate Urlaub. René Gehrig ist Consultant und berät Firmen auf der ganzen Welt. «Ich brauche nur meinen Laptop für die Arbeit», sagt er. Sein Homeoffice hat er deshalb kurzerhand ins Wohnmobil verlegt. Insofern gewinnt er der Pandemie auch gute Seiten ab. «Vor Corona jettete ich jeweils um den ganzen Globus», sagt er. «Nun bin ich schon ein Jahr lang in keinen Flieger mehr gestiegen.» Seine Erkenntnis: «Früher bin ich sicher einmal zu viel geflogen.» Vieles lasse sich online erledigen. Selbst Meetings würden klappen, ohne sich physisch zu treffen.

Die Natur dankt es ihm. Schliesslich kommen er und seine Frau auch wegen der tollen Landschaft nach Engelberg. «Am Morgen stehe ich auf, gehe mit den Hunden spazieren und bin ganz allein», sagt Deborah Gehrig. «Die klirrende Kälte, die Stille und der knirschende Schnee unter den Schuhen: Das ist für mich Luxus pur.» Ihr Ehemann ergänzt:

Luxus auf Rädern: Im Wohnmobil der Gehrigs fehlt es an nichts.

Wer nun denkt, die zwei würden dafür auf warmes Wasser und feines Essen verzichten, täuscht sich. Stolz zeigen sie ihr Wohnmobil, das nichts vermissen lässt. Ledersitze, massig Stauraum, eine Einbauküche und sogar eine Dusche mit heissem Wasser gehören zum Interieur. Kurzum: Eine kleine Wohnung auf Rädern. Es gibt sogar Platz, um Freunde einzuladen. Doch darauf verzichten die beiden aktuell wegen der Pandemie. «Wir nehmen die Massnahmen ernst», sagen sie. Im Gegensatz zu den Vorjahren gehen sie aus Vor- und Rücksicht nicht auf die Skipiste.

Der Campingplatz läuft trotz Pandemie

Wie das Ehepaar Gehrig denken viele auf dem Camping. Ein Schwatz mit dem Nachbarn liegt drin, – aber draussen mit dem nötigen Abstand. So ist auch Christian Brechbühl bemüht, seinen Gästen trotz Pandemie die grösstmögliche Sicherheit zu bieten. Der 38-Jährige ist Geschäftsführer des Eienwäldli, zu dem der Campingplatz für Wohnwagen und -mobile gehört. Er sagt: «Der Camping rettet uns.» Die Frequenzen seien das ganze Jahr über gut gewesen. Der Camping ist für sein Geschäft eine wichtige Einnahmequelle, wenn das Restaurant nur Take-away anbieten darf.

Wenn es schneit, greift Geschäftsführer Christian Brechbühl persönlich zur Schaufel. Er weiss: «Der Camping rettet uns während der Pandemie»

Trotz der Einschränkungen gibt es mehr als genug Arbeit. «Im Winter ist Schneeräumen die grösste Challenge», sagt Brechbühl. Da kommt es vor, dass der Chef persönlich zur Schaufel greift und seinen beiden Servicetechnikern hilft. Und wie es sich für einen Fünf-Sterne-Platz gehört, werden die sanitären Anlagen regelmässig geputzt und desinfiziert. Ein grosser Aufwand: Denn zu seinen Gästen gehören rund 200 Dauer-Camper, und im Winter gibt es zusätzlich 40 bis 50 Stellplätze für Touristen, die vorübergehend bleiben.

Die gute Seele: Cornelia Langenstein kümmert sich um die Winter-Camper.

Der Campingplatz ist das Steckenpferd von Cornelia Langenstein, stellvertretende Geschäftsführerin. Sie schaut zum Rechten, macht die Reservationen und begrüsst Gäste nach Möglichkeit persönlich. Sie weiss:

Mittlerweile hätten alle eine Heizung. Diese läuft mit Gas, Strom oder ganz selten noch mit Öl. Nur Zelte sucht man vergebens. «Aus Sicherheitsgründen», so Langenstein. «In der Nacht kann es wirklich sehr kalt werden. Das wäre zu gefährlich.»

Georg und Ursula Fischer aus Sursee sind den ganzen Winter über in ihrem Wohnwagen. Die Senioren freuen sich auf die Besuche ihrer Enkelkinder.

Von der nächtlichen Kälte spürt Familie Fischer nichts. Ihr Wohnwagen ist mit einer Bodenheizung ausgestattet. Er ist sauber, warm und vor allem gemütlich. Gelbe LED-Leuchten sorgen für heimelige Stimmung. Seit 40 Jahren sind Georg und Ursula Fischer aus Sursee eingefleischte Camper, seit 10 Jahren auch im Winter und dann immer in Engelberg. «Schon nach dem ersten Mal im Schnee waren wir begeistert», sagt er, während sie ergänzt: «Auf diesem Platz gibt es eine perfekte Infrastruktur.» Dazu gehört auch ein Trocknungsraum für nasse Kleider und Skischuhe. Doch damit nicht genug: Die Camping-Freunde dürfen den hoteleigenen Wellness und Spa-Bereich nutzen.

«Wir hatten seit Jahren keine Erkältung»

Camping im Winter sei förderlich fürs Immunsystem, sagt Georg Fischer. «Wir hatten seit Jahren keine Erkältung mehr.» Auch für die Familie Fischer ist die Nähe zur Natur ein Hauptgrund, weshalb sie Engelberg so sehr schätzen. Ihre Leidenschaft haben sie weitervererbt. Sohn und Tochter campieren mit ihren Kindern ebenfalls.

Für Familie Fischer sind Ferien im eigenen Bett ganz normal.

Der zweite Punkt, der für sie die Faszination Camping ausmacht, ist die Nähe zu den Nachbarn.

Man trifft sich, nimmt einen Apéro, macht zusammen Sport oder kümmert sich gemeinsam um den Abwasch. Seit Oktober sind die Fischers nun schon in Engelberg. Bleiben wollen sie bis April. Dass ihre Leidenschaft etwas speziell anmuten mag, wissen die Pensionäre. «Nicht jeder Camper ist ein Winter-Camper.» Was gut sei. Zwar reisen sie auch im Sommer gerne herum. Doch dann werde es immer schwieriger, einen freien Stellplatz zu finden.

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