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Handelsabkommen: Was ein Deal mit Trump der Schweiz bringt

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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat am WEF erklärt, dass die Schweiz Interesse an einem Handelsabkommen mit den USA habe. Was bringt das, und was spricht dagegen?

Im Rahmen des World Economic Forum (WEF) hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga den US-Präsidenten Donald Trump getroffen. Ausser dem Klima und dem Iran waren auch die Wirtschaftsbeziehungen ein wichtiges Gesprächsthema. Dabei betonte Sommaruga, dass die Schweiz die Beziehungen mit den USA verbessern möchte. Man habe Interesse an einem Handelsabkommen mit den USA. Doch ist ein Abkommen wichtig für die Schweiz? Wer profitiert davon, und was spricht dagegen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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Ein Freihandelsabkommen mit den USA ist ...


Wie die EU sind die USA ein wichtiger Handelspartner der Schweiz. Fast 20 Prozent aller Schweizer Exporte gehen in die USA. Trotzdem hat das Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten im Moment keine Priorität für die Schweiz, wie Manfred Elsig sagt. Er ist Professor für Internationale Beziehungen am World Trade Institute an der Universität Bern. Ein Grossteil der US-Forderungen habe wenig mit Freihandel zu tun: «Trump will die Exporte fördern und die Importe drosseln und gleichzeitig Investitionen in die USA locken», erklärt Elsig. In diesem Sinn wäre das Handelsabkommen nicht ausgewogen.
Trotz des «Etikettenschwindels» dürfe sich die Schweiz nicht zu stark gegen das Freihandelsabkommen wehren, so Elsig. Schliesslich wolle die Schweiz nicht riskieren, «mit unnötigen Strafzöllen auf Schweizer Exporte in die USA belegt zu werden». Trump schreckt nämlich nicht vor Strafzöllen zurück. Am WEF drohte er der EU damit. Sein Vorwurf: Die Europäische Union exportiere deutlich mehr in die USA als umgekehrt.
Durch ein Handelsabkommen mit den USA würde der Marktzugang vereinfacht. «Die gegenseitige Anerkennung von Test- und Prüfverfahren würde die Kosten senken», sagt Manfred Elsig. Auch würden gewisse Produkte billiger werden, wovon die Schweizer Konsumenten profitieren würden. Viel mehr Arbeitsplätze würden durch ein Freihandelsabkommen aber nicht geschaffen werden, so Elsig.
Simonetta Sommaruga betonte nach dem Gespräch mit Trump, dass auch die USA von einem Abkommen mit der Schweiz profitieren würden. «Wir haben aufgezeigt, wie viel wir in den USA investieren und dass wir da auch Arbeitsplätze schaffen – besonders in der Pharmabranche», so die Bundespräsidentin während der Pressekonferenz. Laut Manfred Elsig ist das Abkommen mit der Schweiz für die USA aber nicht deshalb interessant: «Trump möchte vor allem mehr Waren in die Schweiz exportieren können und Investitionen in die USA locken.»
Über konkrete Verhandlungen zum Freihandelsabkommen hätten Sommaruga und Trump am WEF nicht sprechen können. Jedoch habe man alle wichtigen Punkte gestreift, so Sommaruga nach dem Treffen. Es werde allerdings noch Arbeit brauchen, denn noch befindet sich die Schweiz in Vorgesprächen mit den USA. «Wenn die Verhandlungen beginnen, kann das aber rasch gehen», sagt Elsig. Dann könnte es sich um wenige Monate handeln, bis die Verhandlungen abgeschlossen sind.

(bsc)

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