Switzerland

Globaler Run auf Schweizer Beatmungsgeräte

Der Bündner Hersteller Hamilton Medical wird überrannt, seine Konkurrenten weltweit ebenso. Jetzt wollen Branchenfremde mitproduzieren. Doch Spezialisten fürchten um die Qualität der Geräte.

Maschine mit 1500 Einzelteilen: Eine Mitarbeiterin von Hamilton Medical am Standort Domat/Ems GR testet Beatmungsgeräte.

Maschine mit 1500 Einzelteilen: Eine Mitarbeiterin von Hamilton Medical am Standort Domat/Ems GR testet Beatmungsgeräte.

Fotos: Arnd Wiegmann (Reuters)

Kaum ein Apparat ist derzeit mehr gefragt als das Beatmungsgerät, an das am Coronavirus schwer erkrankte Patienten in den Spitälern angeschlossen werden. Bei den Chefs der vier grössten Herstellerfirmen läuft das Telefon heiss.

Stefan Dräger, der den deutschen Medizinaltechnikhersteller Dräger leitet, gab in deutschen Medien freimütig Auskunft, wen er in den vergangenen Tagen so alles am Hörer hatte: den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, König Willem-Alexander der Niederlande und «unzählige Minister aus allen möglichen Ländern». Und natürlich die deutsche Regierung, die von ihm verlangte, bis zum Jahresende 10’000 zusätzliche Beatmungsgeräte zu produzieren. Noch im Herbst wollte Dräger wegen Flaute im Geschäft Arbeitsstellen streichen.

«Es ist klar: Viele Regierungen suchen auf dem Weltmarkt nach Beatmungsgeräten. Es ist voraussehbar, dass es zu Engpässen kommen wird.»

Jens Hallek, Chef von Hamilton Medical

Der Schweizer Konkurrent Hamilton Medical im bündnerischen Bonaduz gibt sich weitaus diskreter. Man wolle nicht mit der Öffentlichkeit über Kundenanfragen reden, teilt Firmenchef Jens Hallek mit. «Aber es ist klar: Viele Regierungen suchen auf dem Weltmarkt nach Beatmungsgeräten», fügt er an.

Auch Hallek hatte von der Schweizer Regierung einen Anruf erhalten: Der Bund hat 900 Beatmungsgeräte gekauft. Die ersten 50 Geräte sind vor zwei Wochen ausgeliefert worden, ein Teil davon wurde per Helikopter ins Tessin geflogen. Diese Woche gehen 300 weitere Geräte an den Bund über.

Hamilton Medical sucht Arbeitskräfte

Für die Branche, die bis jetzt ein Nischendasein führte, ist das eine gewaltige Herausforderung. Normalerweise werden bei Hamilton wöchentlich 220 Maschinen hergestellt. Mittlerweile ist die Kapazität um 50 Prozent erhöht worden. Bis Ende April soll die Produktion verdoppelt werden. Hamilton beschäftigt 500 Personen. Nun würden neue Mitarbeiter eingestellt, erklärt Hallek.

Der schwedische Hersteller Getinge, der bis jetzt ein Viertel der weltweiten Nachfrage an Beatmungsgeräten abdeckte, will in diesem Jahr 16’000 Apparate auf den Markt bringen, 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der vierte Hersteller schliesslich befindet sich ausgerechnet in dem vom Coronavirus besonders schlimm betroffenen Italien. Die Firma Siare stellte bislang monatlich rund 160 Geräte her. Nun soll der Ausstoss verdreifacht werden – mit Unterstützung der italienischen Armee.

Engpässe werden kommen: Beatmungsgeräte von Hamilton Medical in Donat/Ems.

Engpässe werden kommen: Beatmungsgeräte von Hamilton Medical in Donat/Ems.

Im vergangenen Jahr habe die Branche Kapazitäten zur weltweiten Produktion von 40’000 Geräten gehabt, erklärte ein Vertreter der Firma Getinge. Jetzt orderte allein die deutsche Regierung 10’000 Geräte, der Gouverneur von New York verlangt von der US-Regierung allein für seinen Bundesstaat 30’000 Geräte.

In der Branche zerbricht man sich den Kopf, was die enormen Kapazitätsausweitungen für den Materialnachschub bedeuten. «Es ist voraussehbar, dass es zu Engpässen kommen wird», befürchtet Jens Hallek von Hamilton. Die Beatmungsgeräte sind Hightech-Maschinen, gegen 1500 Teile werden benötigt. Laut Branchenvertretern stammt das Material von rund hundert Zulieferern weltweit.

«Sie können kein Baby in einem Monat bekommen, indem Sie neun Frauen schwängern.»

Stefan Dräger, Chef des Medizinaltechnikherstellers Dräger

Das hat Folgen: Laut Stefan Dräger kann die Produktion gerade deswegen nur begrenzt hochgefahren werden. Er erhalte derzeit viele Angebote zur Unterstützung der Lieferkette. Aber, so dreht es der Chef in ungewohntem Bild: «Sie können kein Baby in einem Monat bekommen, indem Sie neun Frauen schwängern. Das ist eine Mission Impossible», erklärte er in der «Financial Times». Zugleich warnte er: «Diese Lieferketten dürfen unter keinen Umständen unterbrochen werden. Sollte das passieren, hat die ganze Welt ein Problem.»

Nun drängen Branchenfremde ins Geschäft. Da ist das italienische Start-up Isinnova, das im 3-D-Druck zu Hause ist und soeben eine im Sporthandel gängige Tauchermaske in eine Notfallmaske für Beatmungsgeräte umgewandelt hat. Den Tipp dazu gab ein Arzt. An renommierten US-Universitäten haben Studierende, Forscher und Ärzte andere Billigvarianten von Beatmungsgeräten entworfen. Physiker der Philipps-Universität Marburg haben ein längst bekanntes Gerät zur Behandlung von Schlafapnoe, des kurzzeitigen Atemstillstands während des Schlafs, ausgebaut.

Von Autokonzernen bis zu Unis mischen alle mit

Von anderem Kaliber sind die Bemühungen von General Motors, mit einem US-Medizinalgerätehersteller ins Geschäft für Beatmungsgeräte einzusteigen. Auch europäische Autokonzerne wie VW, deren Produktion weitgehend stillgelegt sind, wollen ihre 3-D-Drucker für die Herstellung von Bestandteilen und komplexen Formen umnutzen. Der britische Staubsaugerhersteller Dyson hat laut eigenen Angaben innerhalb von zehn Tagen mit einem auf medizinische Fragen spezialisierten Beratungsunternehmen eine Beatmungsmaschine von Grund auf entworfen. Nun sollen 10’000 Stück davon produziert werden.

Experten sind skeptisch. Die Medizinalgeräteherstellung ist stark reguliert, jeder Produktionsschritt muss dokumentiert und anschliessend zertifiziert werden, jedes fertige Gerät muss getestet werden. Denn: Hat ein Gerät plötzlich eine Macke, könnte das den Tod des Patienten bedeuten.

Und Autokonzerne, die in die Produktion einsteigen wollen, müssen sich erst eine neue Lieferkette aufbauen. Mit Zulieferern wiederum, die möglicherweise ebenfalls erst Kapazitäten aufbauen müssten, und die in Ländern mit Exportkontrollen stehen und wo möglicherweise die Belegschaft wegen der Pandemie zu Hause bleiben muss. Das alles kostet sehr viel Zeit.

Die letzte Hürde schliesslich: Beim 3-D-Druck von Komponenten bei VW oder wo immer müssten die Medizinaltechnikunternehmen ihre Daten freigeben. Und da gibt es offenkundig hohe Hemmschwellen. Schliesslich will kein Unternehmen potenzielle Konkurrenten mit Wissen versorgen. Jens Hallek von Hamilton macht klar: «Die Produktion unserer Geräte an Dritte auszulagern, ist vorerst kein Thema.»

Football news:

Die Spieler der Serie A gegen den Auftakt der Spiele um 16.30 Uhr im Juni und Juli wegen der Hitze
Aliyev über Dynamo Kiew im UEFA-Pokal-2009: Nicht ins Finale wegen eines Fehlers von Semin. Er hat Banguru vom Feld genommen
Barcelona kann Verteidiger Mbuyamba gegen Flügelspieler Juve sene austauschen. Sie sind 18 Jahre alt
Manchester United verweigert eine Verlängerung von igalos Leihgabe bis zum Saisonende. Der Spieler muss nach Shanghai zurückkehren
Levchenko über das Abendessen im Restaurant Amsterdam: Sie stellen die Teller selbst auf ein Tablett, die Entfernung mit dem Kellner beträgt 1,5 M
Ex-Nationalspieler Moskaus Krunic: in Europa sieht alles schön aus, aber das ist nicht ganz so. Es gibt keine Seele, und Russland hat es
Kiknadze sagt, er sei ein Klub. Aber der Verein ist eine Mannschaft, und der Rest ist vergänglich. Boris Ignatiev über den Generaldirektor von Loco