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Gegen den Corona-Blues: Bestellen Sie Ihre Autorin oder Ihren Lieblingsmusiker nach Hause

Die Pandemie stellt uns vor absurde Fragen wie diese: Was können Künstlerinnen und Künstler, die auf Publikum angewiesen sind, tun, wenn sich das Publikum nicht versammeln darf? Eine Antwort könnte sein: Sie bringen die Kunst zu den Menschen nach Hause. Aber wie? Persönlich? Per Stream? Oder per Post?

Am 18. Dezember ging in ­Basel eine Plattform online, die dem Publikum und den Kulturschaffenden all diese Möglichkeiten bietet. «Salz&Kunst» wurde von Corinna Virchow und Mario Kaiser ins Leben gerufen. Das aus Graubünden stammende Paar lebt seit über 20 Jahren in der Stadt, mittlerweile mit vier Kindern. Die freischaffende Germanistin und der Philosoph geben seit 2015 «Avenue – Das Magazin für Wissenskultur» heraus, um – so ihr Credo – einer «verletzlichen Welt mit Wissen und Sorgfalt zu begegnen».

Das Magazin hat derzeit 2000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die nächste Ausgabe zum Thema «Mütter» steht an. Aber die Krise fordert anderes: «Beim Gespräch mit einer Künstlerin, im November, wurde uns klar, dass Handlungsbedarf besteht», sagt Virchow. Vermittlung sei eh «ihr Ding», die Frage, wie Inhalte zu den Menschen kommen, treibt das Paar mit ihrem Magazin und in anderen Projekten um. Sie entwickeln derzeit beispielsweise eine Wissens-App, mit der sich das Publikum an Expertinnen und Experten wenden kann, mit «Fragen, die nicht einfach Google-bar sind», so Virchow.

Rund 60 Angebote aus allen Sparten

Zur Linderung der Not, in welche die Pandemie die Kunstschaffenden stürzt, gründeten Kaiser und Virchow flugs einen Verein, holten den Software-­Ent­wickler Wenzel Orland, die Medienwissenschaftlerin Julia Früh, die Kulturmanagerin Andrea Schäfer sowie die Dozentin Christine Hock ins Boot und entwickelten im Eiltempo die Plattform «Salz&Kunst».

Auf dieser präsentieren rund 60 Künstlerinnen und Künstler aus allen Sparten ihre Angebote für das Publikum zu Hause. Drei pro Künstler dürfen es sein. Einzige Bedingung: Sie müssen im Rahmen der Corona-Sicherheitsmassnahmen ausgeführt werden können: also im Garten, auf der Strasse, per Stream oder eben per Post. Die Kunden können so Lesungen live oder per Stream, Konzerte, Theaterstücke oder Bilder für sich oder als Geschenk erwerben.

Die Angebote passen in jedes Budget: von der Gutenachtgeschichte für 20 Franken über das Jazzkonzert für 600 bis zum Kunstkauf für 10000. Die Plattform inspiriert die Künstler zu neuartigen Formaten. Die Performancegruppe Mesh etwa bietet für 600 Franken die Nacherzählung eines frei wählbaren Lieblingsfilms an. Die Cartoonistin Sybille Laubscher zeichnet für 150 Franken einen Comic zur persönlichen Situation der Kunden. Der Comedian Sepp Manser bietet seine Dienste als schräger Zoom-Coach an.

Die Palette ist breit, Bekanntes, Überraschendes, High and Low vermischen sich demokratisch. Der Kauf ist einfach: Einmal ­gebucht, vermittelt die Plattform den Künstler an die Kunden oder den gewünschten Geschenkempfänger. Der Rest, so schreiben die Macher, ist Kunst und Magie. Und das Angebot kommt an. Rund 80 Mini-Shows wurden bereits gebucht. Bestseller war bisher die Weihnachtsgeschichte von Tim Krohn, vom Autor über Zoom persönlich vorgetragen.

Der Erfolg lässt die Initianten weitermachen

Genau darin liegt vielleicht die Stärke dieses Angebots. Anders als bei herkömmlichen Streams erlaubt «Salz&Kunst» eine persönliche Begegnung. Im Grunde ein überraschendes Paradox: Ein Online-Format generiert höchstmögliche Nähe zum Künstler, da er oder sie einem live oder online direkt und auf intime Weise begegnet.

Eigentlich war die Plattform nur als Experiment für die Weihnachtstage gedacht. Der Erfolg lässt die Initianten jedoch weitermachen. Geplant ist etwa in Zusammenarbeit mit einer Puppenspielerin ein Angebot für Kinder. Da kommt das Kasperlitheater per Zoom in die gute Stube, inklusive direktem Austausch mit dem Publikum, was der Realisierung eines Kindertraums gleichkommt: Endlich sprechen die Figuren auf dem Bildschirm persönlich zu mir! Virchow und Kaiser denken auch schon an ein Festivalformat im Sommer, bei welchem über die Plattform Anlässe im öffentlichen und privaten Raum ermöglicht werden sollen.

«Vielleicht entsteht so eine neue Salon-Kultur»

Für Virchow hat das Projekt zuvorderst sozialen Nutzen. Künstlerinnen und Künstler können Geld verdienen, der Gratis-Kultur im Netz entfliehen, ihre Kunst nicht alleine, sondern in Gemeinschaft anbieten. Der Aufbau einer Bezahlstruktur bleibt ihnen erspart. Und vor ­allem: Die Plattform ist ein Beitrag dazu, dass ihre Kunst sich weiterentwickelt.

Aber die Wissenschaftlerin sieht das Projekt auch als Studie: ­«Corona ist ein Katalysator für Prozesse, die bereits vor der Pandemie eingesetzt haben. Das Verhältnis von Künstlern und Publikum verändert sich, davon sind wir überzeugt», sagt Virchow. Vielleicht entstehe so eine Art neue Salon-Kultur.
Sie interessiere sich auch für die Frage, wie Kunst – oder im Falle ihres Magazins – Wissen zu den Menschen komme. «Wer braucht welches Wissen jetzt? Wer braucht gerade jetzt welche Art Kultur?» Ausgehend von ­solchen Fragen komme man vielleicht auf neue Formate, welche die Nachfrageseite stärker gewichten. Kunst on demand, sei das Stichwort dazu.

Es kann also gut sein, und das ist das Interessante an dieser Plattform, dass Formate, die während der Krise aus Not entstehen, dem Kulturbetrieb neue Impulse bescheren.

Salz&Kunst
www.salzundkunst.ch

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