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Switzerland

Galerie 94-Besitzer gibt nicht auf, obwohl ihm der Ruin droht: «Mein Durchhaltewille ist enorm»

«Bis nächsten Monat muss ich eine Lösung finden, wie es mit meiner Galerie 94 weitergeht», sagt Sascha Laue. Der massige Mann steht – wie immer ganz in Schwarz gekleidet – inmitten der Malereien des Badener Architekten Adrian Meyer, die er bis zum 30. November 2019 der
Öffentlichkeit zeigt.

Laues Blick ist ernst. Vor viereinhalb Jahren hat er den 200 Quadratmeter grossen Raum im ehemaligen Speditionsgebäude des Merker-Areals in Baden gemietet und sich damit wieder den Traum eines eigenen Ausstellungslokals erfüllt.

Kunstschaffende nationalen und internationalen Ranges stellten bei ihm schon ihre Fotografien und Malereien aus. Zum Beispiel die Winterthurerin Chrissy Angliker, die in New York lebt und eine steile Karriere gemacht hat. Zweimal präsentierte sie ihre Werke bei Laue. «Sie waren jedes Mal innerhalb weniger Stunden ausverkauft», bekundet der 48-jährige Galerist mit Stolz in der Stimme. Und fügt hinzu, dass er sich mit dem Kunstbetrieb einen guten Namen geschaffen hat und weit über den Aargau hinaus wahrgenommen wird. Trotzdem ist er finanziell in der Bredouille und schreibt seit einigen Monaten rote Zahlen.

Pläne zur Rettung der Galerie

Wieso die roten Zahlen? «Ich verkaufe zwar regelmässig einige Exponate. Aber die Einnahmen reichen nicht, um meine Fixkosten zu decken.» Für Miete, Treuhänder, Transporte und Werbung rechnet Laue ein Budget von 4000 Franken im Monat vor. Diese Kosten ziehen sich das ganze Jahr durch, auch wenn er nur 30 Wochen Ausstellungsbetrieb hat.

Denn der gelernte Hochbauzeichner ist auch als Architekt bei der Firma Dürig AG in Zürich tätig. In dieser Funktion war er mitbeteiligt an der Planung des Durchgangsbahnhofs von der Löwenstrasse zum Sihlquai. Auch zum modernsten Bettenhaus der Schweiz im Stadtspital Triemli in Zürich trug er beim vorherigen Arbeitgeber wesentlich bei. Doch selbst sein regulärer Lohn reicht nun nicht mehr aus, um die Löcher zu stopfen, welche die Galerie in Baden verursacht.

Wer Laue kennt, weiss, dass er nicht auf grossem Fuss lebt. Eine Singlewohnung im Badener Langhaus ist der einzige Luxus, den er sich leistet.

Bis Ende des Jahres muss eine Lösung her

Seine ganze Leidenschaft investiert er in die Galerie. Dort ist er praktisch in jeder freien Minute aufzufinden. Und er kann sich überhaupt nicht vorstellen, diesen Ort jemals aufzugeben. «Wenn ich kapitulieren müsste, würde mich das in ein riesiges Loch stürzen. Aber es wäre auch ein Verlust für Künstler und Publikum. Die Plattform, die ich im industriellen Ambiente des Merker-Areals für Ausstellungen biete, ist einzigartig.»

Der gebürtige Solothurner gibt sich denn auch noch lange nicht geschlagen und hat verschiedene Pfeile im Köcher, um sein kleines Privatunternehmen doch noch vor dem finanziellen Ruin zu retten. «Ich führe Gespräche mit Interessenten in Bezug auf eine mögliche Co-Leitung», bekundet er.

Konkret ist allerdings noch nichts. Er verhandelt mit Sponsoren und ist zudem im Besitz von 1000 Negativen des 2010 verstorbenen weltberühmten Fotografen Balthasar Burkhard aus Bern. Von den Bildern, die er digitalisiert und bearbeitet hat, gingen bereits Leihgaben ans Museum Folkwang in Essen und die Fotostiftung Schweiz und wurden an der Photo Basel 2018 gezeigt.

«Ich bin im Besitz eines wertvollen Schatzes, den ich im Moment noch nicht kommerziell nutzen kann, weil noch Vertragsverhandlungen mit der Nachlass-Stiftung anstehen», sagt er dazu. Obwohl er an seinem Galerie-Projekt festhält, hat er sich ein Limit gesetzt: «Bis Ende Jahr müssen die Finanzen so weit aufgegleist sein, dass ich konkret weiss, wie es 2020 weitergeht. Sonst höre ich auf.»

Bis zum nächsten Kündigungstermin im Juni nächsten Jahres sind bereits jetzt schon diverse Ausstellungen in der Pipeline. Unter anderem auch eine mit der Schweizer Manor-Kunstpreisgewinnerin El Frauenfelder.

Galerie ist eine Herzensangelegenheit

Auch wenn sich Laue zum Hochbauzeichner ausbilden liess und dank seines Engagements ohne Diplom zum Architekten avancierte, gehörte seine wahre Leidenschaft immer der Fotografie. Dreimal rasselte er durch die Aufnahmeprüfung an verschiedenen Fotofachschulen. 1994 eröffnete er mit einem Fotografen-Kollektiv ein Labor mit Ausstellungsraum in der Limmatau.

Höhepunkt war zum 10-Jahr-Jubiläum die grösste jemals in der Schweiz gezeigte Werkschau des niederländischen Fotografen und Filmregisseurs Anton Corbijn. Doch die Motivation im Team war weg und es zerstreute sich schnell in alle Winde.

Wer den Karren weiterzog, war einmal mehr Sascha Laue. «Am Schluss übernahm ich die Verantwortung und stotterte rund drei Jahre die verbliebenen Kosten ab.» 12 Jahre widmete er sich in der Folge seiner persönlichen Fotokunst und veröffentlichte zwei Fotobücher über New York und Japan. Bis er auf die Räume im Merker-Areal stiess.

Die eigene Galerie ist eine Herzensangelegenheit, für die ihm jetzt zum zweiten Mal der Ruin droht. Ist er stur? «Nein», sagt Laue und zeigt ein verhaltenes Lächeln, «aber wenn ich von etwas Gutem richtig überzeugt bin, boxe ich es durch. Und lasse nicht so schnell locker.»

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