Switzerland

Gaht’s no? Wenn die Vorschrift mehr zählt als der Verstand, verleiht die FDP dafür einen Preis

Alle Jahre kürt die Zürcher FDP mit dem «Gaht’s-no!-Priis» die absurdesten Fälle von Amtsschimmel. Dieses Jahr ist die NZZ gar mit drei Geschichten vertreten.

Der Seifenblasenkünstler Gunnar Jauch vor dem Bezirksgericht Zürich im Jahr 2016.

Der Seifenblasenkünstler Gunnar Jauch vor dem Bezirksgericht Zürich im Jahr 2016.

Adrian Baer / NZZ

Ein schlechter Witz geht so: «Ich hätte zwei Häuser bauen können. Eins mit normalen Steinen und eins mit den Steinen, die mir Banken und Behörden in den Weg gelegt haben.»

Das, was kommt, wenn man bei Google nach einem schlechte Witz sucht, scheint in der Schweiz bisweilen Realität zu sein.

Deshalb verleiht die Zürcher FDP jedes Jahr den «Gaht’s-no!-Priis». Ein Preis für skurrile Geschichten, die nur die Schweizer Bürokratie schreiben kann. Dieses Jahr haben es folgende Artikel unter die Nominierten geschafft:

1. Wegen Seifenblasen verurteilt

Wann bewegt sich die Benützung des öffentlichen Raums noch im üblichen Rahmen und ab wann ist sie bewilligungspflichtig? Das Bezirksgericht Zürich hat 2019 entschieden: Riesige Seifenblasen an öffentlichen Plätzen zu erzeugen, gehört nicht zum «üblichen Rahmen». Deswegen verurteilte sie den Architekten Gunnar Jauch zu einer Geldbusse von 600 Franken – erneut. Mehrfach hat man ihn bereits gebüsst, weil er mittels einer Angelschnur an öffentlichen Plätzen in Zürich Seifenblasen steigen liess. Zwei Strafbefehle mit insgesamt zwölf Vorfällen sind 2019 bei der Polizei eingegangen. Immer wieder weigerte sich Jauch, das Seifenblasen-Blasen sein zu lassen. Er habe in seinem Leben noch nie etwas gemacht, das mit so einfachen Mitteln derart viel Freude bereite, sagte er. «Deshalb mach ich weiter.»

2. «Spargel-Caspar» hat zu viele Kunden

Caspar Ruetz, auch bekannt als der «Spargel-Caspar», musste im April 2020 seinen Spargelstand schliessen, weil sein Geschäft zu gut lief. Eigentlich hätte der «Spargel-Caspar» bis Mitte Juni seinen temporären Stand, an dem er badische Spargel verkaufte, betreiben dürfen. Ruetz habe zwar die nötigen Bewilligungen gehabt, sagte ein Sprecher der Polizei. Eine Patrouille der Wirtschaftspolizei habe jedoch festgestellt, dass zu manchen Zeiten sehr viele Leute angestanden seien und sich eine lange Schlange auf dem Trottoir gebildet habe. Dass so viel öffentlicher Grund genutzt werde für den Betrieb eines Verkaufsstands auf privatem Boden, könne man nicht tolerieren. Ruetz müsse einen Ort finden, an dem das Schlangestehen anders organisiert werden kann, dann dürfe er wieder öffnen.

3. Velogeschäfte dürfen nicht zu nahe beieinander stehen

Die Wohnsiedlung Kronenwiese gilt in Zürich als die Ökosiedlung schlechthin. Doch gerade dort verbietet die Stadt die Eröffnung eines neuen Velogeschäftes. Der Grund: Es gibt bereits ein Veloatelier in der Nähe. Der Inhaber der bestehenden Geschäfts habe bei der Stadt interveniert und Recht bekommen, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Ein zweiter Veloladen gefährde die «gewerbliche Vielfalt», rechtfertigt sich die Stadt. Die Begründung hat jedoch einen Haken: Eichmann und Hunkeler haben ihre Läden heute bereits in diesem Quartier, 100 Meter vom neuen Standort entfernt.

4. Föderalismus? Nicht beim Autokino

Innerhalb von einem Monat hat der Gymnasiast Mika Steinmann aus Dietlikon ein Autokino in der Zürcher Agglo auf die Beine gestellt. Der Baumarkt Jumbo stellte dem 19-Jährigen dafür sein Grundstück schnell und unbürokratisch zur Verfügung. Auch bei der Polizei stiess Steinmanns Idee auf Zuspruch. «Welche Gemeinde hat schon ein Autokino?», fragte der Dietliker Polizeichef Marcel Lutz im Blick – und erteilte dem Schüler die nötige Ausnahmebewilligung. Doch nach nur zwei Wochen machte der Kanton das Kino dicht. Der Grund: Die Gemeinde hätte die Bewilligung gar nicht erteilen dürfen. Steinmann hätte eine Ausnahmebewilligung vom Kanton gebraucht. Nachdem er sie dort beantragte, konnte er schliesslich seine Filme öffentlich zeigen.

5. «Mediterrane Nächte» waren zu mediterran

Den lauen Sommerabend länger ausklingen lassen, dafür setzte sich eine Mehrheit der Zürcher Gemeinderäte ein. Im Juli und August hätten Gartenbeizen in bestimmten Teilen der Stadt Zürich darum bis 2 Uhr nachts geöffnet haben dürfen. Doch eine Interessengemeinschaft verschiedener Quartiere stellte sich gegen das Pilotprojekt. Die Stadt habe «rücksichtlos» Bewilligungen erteilt, sagte die Interessengemeinschaft an einer Medienkonferenz. Dabei müssten die Bewohner und Bewohnerinnen Zustände erdulden, die nicht einmal mit jenen auf Mallorca vergleichbar seien. Schliesslich haben drei Quartiervereine gegen die Nächte rekurriert. Da die Gerichte aber zuerst in den Ferien waren und die Rekursfrist sowieso erst Ende August auslief, konnten diesen Sommer keine «Mediterranen Nächte» stattfinden.

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