Switzerland

Für Sie degustiert: Best of 2020: Das sind die besten Schweizer Weine des Corona-Jahres

Üblicherweise trifft sich die Schweizer Weinszene im Oktober an der Gala des Grand Prix du Vin Suisse, um einen ausgelassenen Abend in Bern zu verbringen und die Jahresbesten zu feiern. Nicht so 2020. Da fand die Würdigung durch Vinea und das Fachmagazin «Vinum» online statt. Mittels einer etwas gar rudimentär anmutenden Vorstellung der Sieger.

Was natürlich nichts daran ändert, dass wir ihnen die Sieger präsentieren und uns zwei Fragen stellen: Warum ist die Cave St-Pierre aus Chamoson VS das Weingut des Jahres? Und wie gut sind die Siegerweine 2020?

Die erste Frage ist schwierig zu beantworten. Denn das Killerkriterium für die Wahl zum Weingut des Jahres ist das Verhältnis von eingereichten zu mit einer Medaille prämierten Weinen. Bei der Cave St-Pierre, ein Betrieb des Waadtländer Schenk-Imperiums, ist es exzellent. Zwölf Weine eingereicht, neun mit Medaillen prämiert, vier mit Gold, fünf mit Silber. Das nächste Kriterium ist das Verhältnis eingereichter zu nominierten sowie zu preisgekrönten Weinen. Da lag der Keller auf den Plätzen drei respektive zwei.

Mathier guckt trotz drei Kategoriensiegen in die Röhre

Und so landet es eben vor Seriensieger Diego Mathier, dessen Cave Nouveau Salquenen aus Salgesch bereits dreimal als Weingut des Jahres ausgezeichnet wurde. Zudem ist es das aktuelle Weingut des Jahrzehnts. Mathier hatte rund 50 Weine eingereicht. 27 davon holten Medaillen. Mit dreien gewann er seine Kategorie. Zwei weitere wurden nominiert, landeten also in den Top 6, ohne es allerdings aufs Podest zu schaffen. 2018 hatte Mathier gar drei Siege eingeheimst und zwei weitere Podestplätze. Ein Rekord für die Ewigkeit, dachte man. Und nun schafft der umtriebige Oberwaliser dieses Kunststück 2020 fast wieder. Er stünde am Zenit seines Schaffens, schreibt «Vinum». Mathier widerspricht: «So weit sind wir ganz sicher noch nicht. Das Streben nach dem perfekten Wein treibt uns unablässig an.»

2018 wurde Mathier Winzer des Jahres. Völlig klar. 2020 nicht. Völlig unklar. Denn bei der Würdigung der besten Weine war die Cave St-Pierre praktisch unsichtbar. Sie holte gerade mal als Dritte in der Kategorie sortenreine Rotweine mit ihrem Syrah ein zartes Podestplätzchen. Mathier nimmt das schwer verständliche Prozedere mit stoischer Gelassenheit hin und sagt bloss: «Ich gratuliere der Cave St-Pierre ganz herzlich. Die machen echt starke Weine.» Dennoch: Das Resultat hinterlässt einen schalen Beigeschmack, auch bei «Vinum»-Chefredaktor Thomas Vaterlaus. Denn etwas, das kaum zu Verklickern ist, tönt nicht nach supertransparent. «Wir werden die Kriterien überdenken», sagt er.

Cave St-Pierre: Jubilar mit starken «Verwalterweinen»

Régis Colombo

Emmanuel Carron, Thierry Ciampi und Line Dorsaz im Weinberg mit Schaf.

2020 konnte man in Chamoson VS und Rolle VD jubeln. 2021 auch. Letztes Jahr wegen des Titels «Weingut des Jahres». Und 2021 steht das 50-Jahr-Jubiläum an. Die Cave St-Pierre wurde 1971 von der Schenk SA aus Rolle gegründet. «Wir wollten eine Palette von Walliser Weinen aus den bekanntesten Rebsorten im Angebot haben», erklärt Schenk-Geschäftsführer André Fuchs. Ein Weingut also, im Auftrag der Waadtländer Chefs kreiert. Weshalb die Toplinie denn auch «Réserve des Administrateurs» heisst. Reserve der Verwalter. Direktor Emmanuel Carron und Önologe Thierry Ciampi verwalten das Erbe der Verwalter, das mittlerweile aus 17 Weinen besteht, denn auch sorgsam. Aber nicht alleine. Denn die Reserve-Weine sind eine Auswahl aus den besten Fässern jeder Sorte. Und die werden von einer Verkostungskommission ausgewählt, die aus den Verwaltungsräten der Schenk sowie einigen ausgewählten Kunden besteht. Diese Art von Kundenbeteiligung, so Carron, sei ein Markenzeichen der Kellerei. Der Schlüssel zum Erfolg seien aber dann doch die Traubenlieferanten: «Unsere langjährigen Traubenlieferanten legen grossen Wert auf die Pflege der Reben und des Weinbergs während des Anbaus und der Ernte.»

Doch hauptsächlich ist es das, weil es einer der vier Walliser Ableger eines Wein-Imperiums ist, das sogar global zu den Big Playern gehört: Der Schenk Holding.

Die Weine der Kellerei St-Pierre (Auswahl)

Alain Kunz

17,25 Punkte gibts für die Cuvée du troisième Millénaire 2018.

  • Heida Réserve des Administrateurs 2019: 16,75/20 (22 Franken)
  • Fendant Réserve des Administrateurs 2019: Floral-mineralisch, Tee, Pfirsich, Schmelz, expressiv, trinkig und lang. Toller Fendant! Score: 17/20 (11.40 Franken)
  • Sunshine Cuvéee Blanche Valais 2019 (Sauvignon Blanc, Viognier, Marsanne Blanche): 16,75/20 (15.50 Franken. flaschenpost.ch)
  • Petite Arvine Réserve des Administrateurs 2019: Agrumen-Nase, viel Fruchtsüsse, ausgewogen, trinkig, elegant, gute Länge. Eine wunderbare Petite Arvine! Score: 17,25/20 (21.30 Franken)
  • Humagne Rouge Réserve des Administrateurs 2019: 16,75/20 (20.70 Franken)
  • Cornalin Réserve des Administrateurs 2019: 16,5/20 (23 Franken)
  • Syrah Réserve des Administrateurs élevée en fûts de chêne 2018: Würzig, erdig, erstaunliche Säure, Tiefe, Power, rotfruchtiges Ende mit Charme. Score: 17/20 (26.80 Franken)
  • Cuvée du troisième Millénaire 2018 (Foto, Merlot, Cabernet Sauvignon und Franc): Delikate, dunkelfruchtige Nase, knackig, reife Tannine, filigran und doch straight, harmonisch, sehr trinkig! Score: 17,25/20 (23.90 Franken. flaschenpost.ch)

(Die Weine der Cave St-Pierre gibt es bei obrist.ch)

Die weiteren Kategoriensieger und Spezialpreisgewinner

ALAIN KUNZ

Der Weisswein des Jahres: Die Petite Arvine von Gilbert Devayes in Leytron VS.

  • Chasselas: Bouton d’Or 2019, AOC Lavaux, Union Vinicole Cully VD: Wachsig, Schwarztee, Flieder, Holunder, Schmelz, samten. Score: 17/20 (13 Franken. uvc.ch)
  • Riesling-Silvaner: Riesling-Silvaner 2019, AOC Schaffhausen, Aagne Familie Gysel, Hallau SH: Floral, Frucht-Potpourri mit Birnen, Quitten, Pfirsich, Äpfel, knackige Säure, erstaunlich viel Struktur für einen RS, süffig. Score: 17,25/20 (15.50 Franken, schubiweine.ch)
  • Andere sortenreine Weissweine (Foto, zugleich bester Weisswein des Wettbewerbs): Petite Arvine 2019, AOC Valais, Cave Gilbert Devayes, Leytron VS: Honig pur, Melone, Pfirsich, Mineralik, Quitten, Flieder, schönes Süsse-/Säurespiel, mächtiger Body, superlang! Score: 18/20 (19.50 Franken. gilbertdevayes.ch)
  • Weisse Assemblagen: Weinbau Mariazell «J» Muscat Sec 2019, AOC Luzern, Weinbau Mariazell, Sursee LU: Aromatisch, floral, Rosen, Veilchen, ein Strauss voll Blumen, gelbe Früchte, Muskatnuss, Power, spannungsreich, recht lang, superb! Score: 17,25/20 (24 Franken. Ausverkauft. weinbau-mariazell.ch)
  • Rosé und Federweisse: Dominelle – Œil de Perdrix 2019, AOC La Côte, Cave des Rossillonnes, Vinzel VD: Blumig, Veilchen, Erdbeeren, Kräuter, Schmelz, dicht, Struktur, Fülle, alles andere als (Rosé)-banal, tolle Länge. Super-Rosé! Score: 17/20 (12.50 Franken. cavedesrossillonnes.ch)
  • Pinot Noir: Les Landions 2018, AOC Neuchâtel, Domaine des Landions, Colombier NE: Knackig, leicht nussig, Zedernholz, Chriesi, Druck, schmelzige Tannine, hohe Pinot-noir-Typizität, Tannennadeln, hoch elegant, zältliges, langes Finale. Gross! Score: 17,75/20 (45 Franken. Ausverkauft. meiervin.ch)
  • Gamay: Gamay 2019, AOC Valais, Cave du Paradou, Nax VS
  • Merlot: Merlot Les Ormoz 2019, AOC Valais, Domaine Mathieu, Chalais VS: Rauchig, dunkel, Zwetschgen, stringent, Tannine, etwas grün, leicht reduktiv, Holzkohle, immer schlank. Score: 17/20 (30 Franken. mathieu-vins.ch)
  • Gamaret, Garanoir, Mara reinsortig: Gamaret 2018, AOC Lavaux, J. & M. Dizerens, Lutry VD:
  • Übrige sortenreine Rotweine (zugleich bester Rotwein des Wettbewerbs): Syrah Diego Mathier 2017, AOC Valais, Adrian & Diego Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch VS: Tief, dunkelfruchtig, leicht erdig, Brombeeren, samtene Textur, enorme Fruchtsüsse, Grüntouch, hallt lange nach! Das Wallis ist eben Syrah-Land… Score: 17,5/20 (31 Franken. mathier.com)
  • Rote Assemblagen: Cuvée Rouge Madame Rosmarie Mathier 2018, AOC Valais, Adrian & Diego Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch VS: Ausladend, zältlig, Parfüm vom Holz, knackige Säure, konzentriert, Brombeere, Cassis, hochgradig trinkig, recht lang. Wohl der schönste Rosmarie aller Zeiten! Score: 17,75/20 (23.80. mathier.com)
  • Süssweine (ab 8 g Restzucker): Gemma Topas 2017, AOC Valais, Adrian & Diego Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch VS: Honig, Melone, Candy, Brioche, Karamell – wow! Wunderbare Struktur, das Süsse-/Säurespiel ist stimmig, der Wein ist mächtig, aber nie überladen, elegant, schlank, langes Finale. Score: 17,75/20 (28 Franken, 37,5 dl. mathier.com)
  • Schaumweine: Brut du Valais millésimé Blanc de blancs 2014, AOC Valais, Jacques Germanier Cave du Tunnel, Conthey VS: Hefe, Zitrus, Brioches, leicht laktisch, viel Schaum, aber alles da. Und der Abgang ist superb. Schlicht: grossartig! Score: 18,5/20 (21.90 Franken. germanier.ch).
  • Bester Bio-Wein (Prix Bio): Johannisberg de Chamoson 2018, AOC Valais, Sélection Comby, Chamoson VS: Marzipan, Schwarztee, Liebstöckel, Schmelz, dicht, Fenchel, spannendes Süsse-/Bitterspiel, schönes Finish. Score: 17,25/20 (17 Franken. vins-comby.com)
  • Entdeckung des Jahres (Prix Elisabeth Pasquier): Pinot Noir Barrique 2018, AOC Valais, Vouilloz Vins SA, Varen VS: Heidelbeeren, Rauch, Thymian, viel Fruchtsüsse, wirkt zältlig und künstlich, parfümiert, ein Disneyland-Wein. Score: 16,5/20 (23 Franken. weinvouilloz.ch)
Etoile du Valais: Fantastische Heida und Petite Arvine

Alain Kunz

Dôle wider alle Klischees: Jene von Albert Mathier aus Salgesch.

Die zweibedeutendste Prämierung von Schweizer Weinen ist jene im mit Abstand grössten Weinbaukanton, dem Wallis. Sie nennt sich Les Etoiles du Valais und geht üblicherweise in einer unprätentiösen Zeremonie im zauberhaften Hotel Innere Enge in Bern über die Bühne. Und zwar im Dezember. Also war auch in diesem Fall klar: 2020 war nix physisch. Weshalb auch der Branchenverband der Walliser Weine seine 15. Preisverleihung virtuell abhalten musste. Nicht virtuell war die Verkostung von einigen der acht Kategoriensieger-Weine. Die Bestnote geht dabei an die fantastische Petite Arvine von Serge Heymoz, dicht gefolgt vom ebenso extraordinären Heida der Cave de la Brunière. Hier die acht Gewinner:

  • Fendant 2019, Cave des Amis-Arlettaz Frères, Fully: Sortentypische Nase mit Schwarzteenoten, floral, Pfirsich, mineralisch, charmant, dezente Säure, dennoch knackig, schlank-elegant, mittlerer Abgang. Score: 16,5/20 (12 Franken. cavedesamis.ch)
  • Johannisberg Siccus 2019, Domaine du Mont d’Or, Sion: Schöne wachsige Nase, Quitte, Änis, Spargel, Kräuter, Schmelz, Birnen, viel Fruchtsüsse, harmonisch, toll! Score: 17,5/20 (17.90 Franken. montdor.ch, flaschenpost.ch)
  • Païen 2019, Cave de la Brunière, Saint-Léonard: Viel Gelbfrucht, Wachs, Aprikose, Pfirsich, Mineralität, Flieder, Butter, Charme, Thymian, toller Body, Äpfel, präzise Säure, lang. Score: 17,75/20 (20 Franken. bruniere.ch)
  • Petite Arvine de Sierre 2019, Cave Les Sentes Serge Heymoz, Sierre: Wahnsinnsnase, alle exotischen Früchte da, aber auch Pfirsich, Apfel, Birne, leicht mineralisch, floral – Wow! Schmelz, Power, dicht, leicht kräuterig, Säure im Hintergrund, selbst ein Hauch Tannine, Mundfülle, Superlänge. Wohl ein Powerwein, aber mit welcher Komplexität! Ein weiteres Beispiel dafür, dass die besten Schweizer Petite Arvine schlicht in der Weltklasse-Liga mitspielen! Und das zu diesem Preis… Score: 18/20 (18.50 Franken. heymozvins.ch)
  • Dôle Salgesch 2019, Albert Mathier & Söhne, Salgesch (Foto): Dunkle, teerige Nase, rauchig, erdig, wirkt naturbelassen, kräftig, ungewöhnliche Power, Konzentration und Dichte für einen Dôle, rotbeeriges rechtes Finish. Score: 16,75/20 (16.50 Franken. mathier.ch)
  • Humagne Rouge Sang du Cerf 2018, Cave du Vieux-Village Monnet Vins, Noës: Holzkohle, rauchig, dunkle Früchte, würzig, samtene Textur, recht streng, erdig, dunkel, knackig, mittleres Finale. Score: 16,25/20 (15 Franken. monnetvin.ch)
  • Syrah 2019, Cave Jean-Marie Pont, Corin-de-la-Crête
  • Cornalin Les Liens 2018, Cave la Cinquième Saison, Martigny, die Notiz zum 19er, da der Jahrgang 2018 ausverkauft ist: Ausladende dunkelbeerige Nase, Holzkohle, Raucharomen, Würze, knackige Säure und Tannine, schlank, frisch, durch die Leichtigkeit sehr süffig, macht bedingungslos Spass, beeriger, mittellanger Abgang. Score: 17,25/20 (19.10 Franken. 5esaison.ch)
Ein Berner Bierbrand ist die beste Spirituose 2020

Alain Kunz

Spirituose des Jahres: Fleur de Bière d’Interlaken von Rugenbräu.

Same procedure for everybody 2020. Auch die dritte Verleihung der Swiss Spirits Awards für die besten Spirituosen fand letztes Jahr ohne die übliche Gala statt. Brenner des Jahres, was auf neudeutsch und offiziell Swiss Spirits Master heisst, ist Urs Hecht, Gunzwiler Destillate. Dem selbstbewussten Luzerner wurde die Ehre zuteil, weil er vier Goldmedaillen und mit 92 den höchsten Punkteschnitt der drei höchstbewerteten Spirituosen erreichte. Das Fazit der Verkostung 2020 von Jurypräsidentin Pascale Deneulin: «Diese Ausgabe zeigte vor allem die Weiterentwicklung der Ginkategorie, die in der Schweiz boomt.» Vorstellen wollen wir an dieser Stelle aber den Best Spirit des Jahres, denn der ist eine Eigentümlichkeit. Es handelt sich nämlich um einen Brand aus speziell für dieses Produkt hergestelltem Starkbier von Rugenbräu in Interlaken: Fleur de Bière d’Interlaken. Sagenhafte 94,8 Punkte gabs im Schnitt von der Fachjury für dieses Produkt. Im Detail: Aus frischem Bergquellwasser, feinstem Malz und erlesenem Hopfen wird ein Bockbier mit 18 Prozent Stammwürzegehalt hergestellt, das in Kupferbrennblasen doppelt destilliert wird. Die Notiz: Schöne Nase nach frischem Meerwasser, wie von einem Fjord, leicht kräuterig, Hefe, Apfel, Salz, knackig, recht viel Alkohol, aber auch Fruchtsüsse, vegetabil, süffig, elegant, floral, schönes Finish. Score: 17,5/20 (35cl, 31 Franken. rugenbraeu.ch)

Wein der Woche: Merlot der Staatskellerei Zürich

Alain Kunz

Erst der zweite Jahrgang und schon absolut top: Ein Merlot vom Rhein.

«Das Beste, was wir mit einem Kilo Merlot-Trauben machen können», schreibt die Staatskellerei Zürich… auf dem Label ihres reinsortigen Merlots. Man spürt es: Die sind in Rheinau am Ufer des Rheins stolz auf ihren Merlot, den sie erst zum zweiten Mal keltern. Bisher waren die Trauben Bestandteil der roten Assemblage EO. Doch die Qualität des Merlots wurde Jahr für Jahr besser, weshalb Geschäftsführer Christoph Schwegler und Kellermeister Fabio Montalbano sich entschlossen, den Merlot reinsortig zu keltern und zwölf Monate in französischen Barriques reifen zu lassen. Eine Top-Entscheidung, denn der Wein ist auf Anhieb mit zum Besten geworden, was die Kellerei, die im Besitz von Mövenpick ist, zu bieten hat. Die Notiz zum Jahrgang 2018: Tolle kirschige Nase, ein Hauch Thymian, Nelken, Espresso, Schmelz, perfekte Struktur, knackig, reif-weiche Tannine, etwas Parfüm vom Holz, hoch elegant, schlank, superlang. Score: 17,75/20 (45 Franken. staatskellerei.ch. moevenpick-wein.com)

Pandemie sei Dank: Weine aus dem Reagenzglas

Alain Kunz

Irgendwie passend zum Jahr 2020: Weine in Reagenzgläsern.

Corona macht erfinderisch! Und deshalb steht als Foto zu diesem Text nicht wie üblich ein Packshot, wie man die Abbildung einer Weinflasche in der Fachwelt bezeichnet, sondern Flüssigkeit in Reagenzgläsern. Es sind dies die mit Spezialpreisen prämierten Weine der renommierten Weinprämierung von Vinea, dem Mondial des Pinots, die 2020 auch nicht physisch stattfinden konnte. Eine Unze von jedem Siegerwein, feinsäuberlich in Reagenzgläser gefüllt, die mit Stickstoff versehen wurden. So sollen sie bis zwei Monate haltbar sein, ohne dass sich das Produkt verändert. Nicht dabei: Der beste Schaumwein, da die Perlage nicht auf diese Weise konserviert werden kann. Spannende Sache! Und was ergab die Verkostung nach rund einem Monat im Glas? Nun, nicht alle Weine haben «überlebt». So zeigte die beste rote Assemblage (mit mindestens 51% Pinot noir), der Terminion der St.-Jodern-Kellerei aus Visperterminen, wie auch die Jahrgangsreihen der Königskategorie Gran Maestro doch deutliche Tertiäraromen, welche die Weine in Normalzustand nicht haben. In der Kategorie Gran Maestro müssen drei Pinot noirs desselben Weins von drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen ins Rennen geschickt werden. Der Gewinner gilt dann als inoffizieller Pinot-Weltmeister. Bei der 23. Austragung war es die Oberwalliser Kellerei Adrian & Diego Mathier Nouveau Salquenen aus Salgesch für den Ambassadeur des Domaines Diego Mathier, Jahrgänge 2018/2017/2016. Anders als die Gran-Maestro-Weine haben die meisten Anderen das Umfüllen in Reagenz unbeschadet überstanden. Hier ein kleines Best of:

  • Bester Rosé aus Pinot oder Blanc de Noirs: Blanc de noir 2019 Domaine Cornulus, Savièse, VS: Superschöne rotbeerige Nase, Himbeeren, leicht mineralisch, Schmelz, frisch, knackig, vif, stringent, wieder viel Frucht, tolle Länge. Super-Rosé! Score: 16,75/20 (19 Franken. cortis.ch)
  • Bester Bio-Pinot: Calvinza Pinot noir Barrique 2018 Walenstadt SG: Erdig, Wachs, Lack, Parfüm, rechte Tannine, frisch, rotbeerig, schlank, harmonisch, Lakritze, fülliges, ätherisches, langes Finale. Score. 17,5/20 (ca. 30 Franken. [email protected])
  • Bester Schweizer Pinot noir: Combaz-Vy Grand Cru Ollon 2018 Domaine Les Afforêts Aigle VD: Frucht zwischen rot und schwarz, auch Kräuter, Power, Schmelz, Zedernholz, rechte Opulenz (das ist im Waadtland mittlerweile auch möglich…), Parfüm, Vanille, Holzkohle, sehr moderner, fülliger, recht langer PN. Score: 17,5/20 (Preis: ? [email protected])
  • Beste rote Assemblage (mindestens 51% PN): Terminion 2018, St.-Jodern-Kellerei, Visperterminen VS: Dezent pilzige Nase, tertiär, Maggi, Bouillon, Power, etwas Frucht, konzentriert, dezente Tannine, langes Finish. Wäre ein Superwein… wenn diese ungewöhnlichen Altersnoten nicht wären. Potenzialwertung: 17,75/20! (25.50 Franken. jodernkellerei.ch)

Die Weinkarte des Jahres kommt aus Andermatt

Das Chedi am Fusse des Gotthards muss mittlerweile nicht mehr gross vorgestellt werden. Das Fünf-Sterne-Deluxe-Hotel zählt zu den interessantesten, spannendsten Häusern der Schweiz. Es ist ein Gesamt-Kunstwerk, dass das Versprechen, Swiss Alpine Chic mit asiatischen Elementen zu vermengen, hundertprozentig einzulösen vermag. 123 elegante Zimmer und Suiten, exzellente Restaurants und Bars, ein einzigartiger Wellnessbereich – das Hotel, welches als erstes im Rahmen des Tourismusprojekts Andermatt Swiss Alps des ägyptischen Multimilliardärs Samih Sawiris realisiert und 2013 eröffnet wurde, lässt auch kulinarisch keine Wünsche offen. Schon gar nicht weintechnisch.

Der Betrieb wurde 2017 zum Hotel des Jahres von GaultMillau gewählt. Und die Weinkarte räumt regemässig Preise ab. Die beiden wichtigsten 2020: Sie gewann den Wine Spectator’s 2020 Award of Excellence. Und das Fachmagazin «Vinum» unter dem Patronat des Schweizer Sommelier-Verbands zeichnete sie mit dem Swiss Wine List Award in der Kategorie Gourmet & Sterne aus, der zum vierten Mal vergeben wurde. Und das nicht zum ersten Mal! Und bereits zum dritten Mal ging der Titel «Sommeliers Best» für die höchste Punktzahl aller Karten ans Chedi. «Vinum» schreibt: «Das Konzept und auch die Struktur einer Weinkarte sind entscheidend, und erneut hatte das Chedi die Nase vorne. Bei der Gestaltung der Karte gibt es keinen Stillstand! Head-Sommelier Moritz Dresing hat die generelle Weinauswahl auf rund 1600 Positionen durchdacht aufgestockt, auch die Schaumweinauswahl. Dennoch wirkt die Karte nicht überladen, sondern sehr stimmig.» Vier Sommeliers stehen den Gästen der Restaurants The Japanese und The Restaurant zur Seite.

Wir verkosteten im exklusiv nutzbaren Wine Cave, in der sich eine lückenlose Sammlung von Mouton-Rothschild ab 1945 befindet. Ebenso stimmungsvoll: Die Wine Library. Von den 1600 Positionen sind 20 offen erhältlich. Die Weine kommen aus 22 Ländern. Aus der Schweiz sind 216 Flaschen vertreten, aus allen Regionen. Nochmals «Vinum»: «Die Gesamtdarstellung und die Zusammenstellung der Karte mit ihrer exquisiten Weinauswahl sucht ihresgleichen und gehört auch ausserhalb der Landesgrenzen zum allerbesten. Eine Glanzleistung von Dresing und F&B-Manager Patrick Radl. Sagenhaft! Selten waren sich die Juroren so einig.» Die teuerste Position auf der Karte ist übrigens ein Romanée-Conti 2014 für 12'500 Franken. Die beiden preisgünstigsten Weine sind der 19er Pinot Grigio aus der Basislinie der Südtiroler Topwinzern Elena Walch aus Tramin sowie der 18er Tai (neue Bezeichnung für die Rebsorte Tokai-Friulaner) von Bellia Vini aus dem Veneto, die beide 70 Franken kosten. Der Durchschnittspreis liegt bei 160 bis 170 Franken.

Der Innerschweizer auf der Chedi-Karte

Alain Kunz

Gehört zur Mémoire des Vins Suisses: Ottigers Pinot Rosenau B.

Andermatt liegt in der Innerschweiz, im Kanton Uri. Die exzellenten Weine vom Weingut zum Rosenberg in Altdorf UR sucht man leider vergebens, obwohl sie einen Auftritt verdienen würden. Immerhin ist die Innerschweiz vertreten, mit dem besten Winzer der Region, Toni Ottiger aus Kastanienbaum LU am Vierwaldstättersee. Auf der Chedi-Karte für 190 Franken Eingang gefunden hat der Pinot Noir B Rosenau 2015, dank dem Ottiger Mitglied in der renommierten Vereinigung Mémoire des Vins Suisses ist, der Schatzkammer des Schweizer Weins. Hier die aktuelle Verkostungsnotiz vom Dezember 2020: Ausladende Nase mit leichtem Port-Touch, aber sehr pinotig, komplex, Mokka, minim alkoholisch, samten, elegant, Schmelz, Tiefe, tolles Finish! Score: 17,75/20 (55 Franken für Jahrgang 2016. gerstl.ch)

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