Switzerland

Exportstatistik: Der Kanton steht besser da, als es die Zahlen zeigen

Das Exportvolumen der Schweiz betrug 2019 wertmässig 312 Milliarden Franken, im Aargau waren es 11 Milliarden. Gesamtschweizerisch stieg der Wert um 2,6 Prozent, im Aargau sank er hingegen um 3,9 Prozent (siehe Tabelle). Zum negativen Ergebnis trug ein Minus von 9,2 Prozent bei den Produkten der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie besonders stark bei. Das kontrastiert stark zu positiven Geschäftszahlen von Pharmaunternehmen. Wie also ist ein solches Minus zu erklären?

Eine abschliessende Antwort sei nicht möglich, da verschiedene Entwicklungen auf die Exportstatistik einwirken, sagt Sandra Olar, Sprecherin des Volkswirtschaftsdepartements. Es gebe verzerrende statistische Effekte, Anpassungen im Vertrieb und der internen Verrechnung oder in den Lieferketten der Unternehmen. Wichtiger aus Sicht des Kantons sei, «dass die Pharmabranche im Fricktal sehr vital ist». Das würden die Rückmeldungen und Ausbaupläne der Unternehmen bestätigen, sagt Olar. Auch gemäss den Prognosen von BAK Economics vom April 2019 nehme das Bruttoinlandprodukt zu laufenden Preisen in der Pharma- und Chemiebranche im Kanton Aargau seit 2016 ständig weiter zu.

Statistik zeigt nicht, wie Produkte hin- und hergeschoben werden

Wie geht das zusammen, zumal die Statistik für den Aargau in diesem Exportsektor über mehrere Jahre stark rückläufige Zahlen aufweist? Beim Kanton kennt man diese Thematik schon länger. Die Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung bilde bei der Abgrenzung der Warenimporte und -exporte nach Kantonen die wirtschaftliche Realität nicht immer vollständig ab, sagt Olar. «So werden Halbfertig- oder Fertigprodukte über Kantonsgrenzen hinweg zur Verarbeitung oder Verpackung verschoben, was aus der Statistik nicht ersichtlich ist. Zudem ist der Eingangs- oder Abgangsort von Waren, der von der Statistik erfasst wird, nicht immer identisch mit dem tatsächlichen Produktionsstandort.» Dies treffe im Aargau insbesondere auf den Export der Pharma- und Chemiebranche zu.

Frankenmässig im Minus waren 2019 laut Statistik auch die Exporte von Metallen, nämlich um acht Prozent. Derweil hielten sich Maschinen, Apparate und Elektronik mit einem Plus von einem Prozent gut. Die entsprechenden Branchen seien sehr konjunkturabhängig, sagt Sandra Olar. Die Exportwerte aus dem Aargau hätten sich in den letzten Jahren «mehr oder weniger im Gleichschritt mit jenen der Schweiz entwickelt». In den letzten Jahren hätten Unsicherheiten im Welthandel und die Frankenstärke zu weniger Aufträgen aus dem Ausland geführt. Zur spezifischen Entwicklung im Aargau werde der Jahresbericht der Aargauischen Industrie- und Handelskammer im Frühjahr detailliert Aufschluss geben, sagt sie. Die Prognosen von BAK Economics vom April 2019 seien für diese Branchen für den Aargau «verhalten optimistisch, wenn auch auf etwas tieferem Niveau als für die Schweiz».

Aber wie erklärt man sich im kantonalen Volkswirtschaftsdepartement die insgesamt grosse Differenz zwischen den schweizerischen Zahlen (+ 2,6) und den aargauischen Werten (-3,9)? Wenn man die Exportwerte der weniger konjunkturabhängigen Pharma- und Chemiebranche aus dem Wert des Gesamthandels herausrechne, relativiere sich der Unterschied, sagt Sandra Olar. Dann seien die Warenexporte im Aargau «nur» um 1,6 Prozent rückläufig, während sich für die Schweiz ein Minus von 0,9 Prozent ergeben würde.