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EU schlägt Alarm: Angst vor nächster Corona-Welle hält Europa in Atem

In Spanien und Osteuropa ist die Lage bedrohlich, aber selbst das einstige Vorbildland Österreich gerät unter Druck. Die Staaten müssten entschieden gegensteuern, um eine Wiederholung des Frühjahrs zu verhindern.

Ehrerweisung an die über 31’400 Opfer der Pandemie in Spanien: Die Fähnchen im Roma-Park in Madrid stehen für die Corona-Toten.

Ehrerweisung an die über 31’400 Opfer der Pandemie in Spanien: Die Fähnchen im Roma-Park in Madrid stehen für die Corona-Toten.

Foto: Getty Images 

Fast überall in Europa breitet sich das Coronavirus unaufhaltsam wieder aus. Wegen der stark ansteigenden Infektionen hat die EU-Kommission in der vergangenen Woche Alarm geschlagen. «In einigen Mitgliedstaaten ist die Lage jetzt sogar schlimmer als im März», liess EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides verlauten. Zwar infizierten sich derzeit vor allem jüngere Menschen, weshalb die Sterblichkeitsrate niedrig bleibe. Allerdings steige die Zahl der Einweisungen in die Intensivstationen. «Alle Staaten müssen sofort Gegenmassnahmen ergreifen.» Kommissarin Kyriakides sprach von einem «entscheidenden Moment»: «Es könnte unsere letzte Chance sein, eine Wiederholung des vergangenen Frühjahrs zu verhindern.»

Die europäische Infektionsschutzbehörde (ECDC) hat inzwischen eine neue Risikoeinschätzung veröffentlicht. Am bedrohlichsten ist demnach die Corona-Lage in Spanien und einigen Ländern Osteuropas, so zum Beispiel in Tschechien. In diesen Staaten gebe es einen hohen Anteil älterer Patienten, schwere Verläufe und stark steigende Todeszahlen. Deren Gesundheitssysteme seien teilweise schon erheblich unter Druck, die Intensivstationen seien stark belegt und das Personal überlastet. «Besorgniserregende Entwicklungen» verzeichnet das ECDC in einem Dutzend weiterer EU-Staaten, darunter Frankreich, Österreich und Grossbritannien. Schliesslich gibt es eine dritte Gruppe von Ländern mit «stabilen Trends», wo die Infektionen zwar zunehmen, jedoch bisher kaum die ältere Bevölkerung betreffen. Dazu gehört etwa Deutschland.

Deutschland bleibt vorsichtig

Während reihum in Europa die Corona-Kurven stark steigen, bleiben die Zahlen der Neuinfektionen in Deutschland vergleichsweise tief: 30 neue Fälle pro 100000 Einwohner wurden zuletzt binnen zwei Wochen gezählt. In Italien, das ähnlich viel testet, liegt diese Inzidenz bei 37, in der Schweiz bei 59, in Österreich bei 110, in Frankreich bei 238 und in Spanien bei 331.

Allerdings sind die Zahlen auch in Deutschland nun auf Werte gestiegen, die zuletzt Ende April erreicht wurden. Im Schnitt wurden letzte Woche täglich 1850 Neuinfektionen gezählt, deutlich mehr als die 1000 Fälle, bei denen nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts die Nachverfolgung der Infektionsketten noch verlässlich funktioniert. Rund 170000 Menschen waren in Quarantäne. Obwohl sich mehrheitlich junge Leute infizieren, kam es zuletzt auch wieder zu deutlich mehr Todesfällen, fast 70 waren es letzte Woche.

Wie schon bei der ersten Welle blieben die regionalen Unterschiede sehr gross. Im Osten und Norden Deutschlands liegen die Inzidenzen zwischen 6 und 20. Mecklenburg-Vorpommern etwa zählt oft kaum mehr als eine Handvoll Fälle pro Tag. Dafür stiegen die Zahlen in den Grossstädten zuletzt fast ungebremst, vor allem in Bremen, Hamburg, München und Berlin.

In den belebten Berliner Innenstadtbezirken wurden in den letzten zwei Wochen fast 90 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner gemeldet. Der Bezirk Mitte überschritt letzte Woche den deutschen 7-Tage-Alarmwert von 50 Infektionen pro 100’000 Einwohner, die Nachbarbezirke stehen kurz davor. Der Bürgermeister von Berlin-Mitte warnte gerade, sein Gesundheitsamt sei bei der Nachverfolgung der Kontakte überfordert. 11 der 12 Berliner Bezirke nehmen nun Hilfe der Bundeswehr an, fast 250 Soldaten sollen Telefondienst leisten.

Überall im Land sind vor allem Partys, Versammlungen und Feiern für die Ausbrüche verantwortlich. Im nordrhein-westfälischen Hamm infizierten sich bei einer Hochzeit 200 Menschen, 2000 mussten danach in Quarantäne. In München wurden am Samstag 111 neue Fälle gemeldet, 88 von ihnen gingen auf 3 private Veranstaltungen zurück.

Die betroffenen Städte reagieren meist mit erneuten Kontaktbeschränkungen. Schulen, Kitas und Geschäfte bleiben hingegen offen. Angela Merkel besprach die Lage am Dienstagnachmittag erneut mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer. Danach warnte die Kanzlerin davor, die Gefahr zu unterschätzen. Ein exponentielles Wachstum müsse unbedingt verhindert werden.

Sie warnt davor, die Corona-Gefahr zu unterschätzen: Kanzlerin Angela Merkel – hier im Bild bei einer Debatte im Bundestag.

Sie warnt davor, die Corona-Gefahr zu unterschätzen: Kanzlerin Angela Merkel hier im Bild bei einer Debatte im Bundestag.

Foto: Keystone

Bund und Bundesländer haben sich deswegen darauf geeinigt, die Teilnehmerzahlen bei privaten Feiern wieder deutlich einzuschränken: Kommt es in einer Region während 7 Tagen zu mehr als 35 Infektionen pro 100’000 Einwohner, dürfen in öffentlichen oder angemieteten Räumen nicht mehr mehr als 50 Menschen zusammenkommen. Für private Räume wird eine Obergrenze von 25 Personen «dringend empfohlen». Bei einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 50 gilt als Obergrenze bzw. Empfehlung 25 Personen in öffentlichen sowie 10 in privaten Räumen. Zudem wird deutschlandweit ein Mindestbussgeld von 50 Euro eingeführt für Gäste, die in Restaurants, Bars oder Clubs falsche Kontaktangaben machen.

Gesundheitsminister Jens Spahn kündigt für Mitte Oktober ein neues Testregime an, das Schnelltests integrieren und sich stärker auf ältere Menschen, Spital-, Schul- und Pflegepersonal ausrichten soll. Für Reiserückkehrer sollen strengere, aber allenfalls verkürzte Quarantäneregeln gelten. Ende der Woche beginnen in den ersten Bundesländern die Herbstferien. Spahn empfiehlt Urlaub in Deutschland. Reisen ins Ausland seien im Moment nicht angezeigt. (Dominique Eigenmann, Berlin)

Grossbritannien an «gefährlichem Wendepunkt»

In Grossbritannien, dem Land mit den meisten Corona-Opfern Europas, steigen die Ansteckungszahlen wieder bedrohlich. Experten drängen auf radikale neue Restriktionen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Briten von ihrer Regierung aufgefordert wurden, brav an ihre Arbeitsplätze zurückzugehen – und ausserhalb der Arbeit möglichst irgendwo einzukehren, zwecks Unterstützung der heimischen Gastronomie.

Neuerdings soll man nun seinen Job eher wieder von zu Hause aus versehen. Mehr als sechs Personen dürfen sich ausserdem nirgendwo mehr an einer Stelle versammeln. Kneipen und Restaurants müssen Punkt 22 Uhr ihre Türen schliessen. Und die für Oktober vorgesehene Öffnung von Sportstätten für Zuschauer ist fürs Erste ausgesetzt. Die Polizei kann Hilfe seitens der Armee in Anspruch nehmen, wenn sie die benötigt. Die Strafen bei Verletzung der Regeln sind erhöht worden auf bis zu 10’000 Pfund (knapp 12’000 Franken).

Läden, Schulen und Universitäten versucht man unterdessen, so weit es geht, offen zu halten. Zahlreiche Corona-Hotspots an den Hochschulen haben in den letzten Tagen zu verzweifelten Quarantäne-Verordnungen und zu einer Rebellion der Studenten geführt. Vermutlich auf sechs Monate hin, also für den ganzen Herbst und Winter, könne die neue Regelung gelten, hat Premierminister Boris Johnson seinen Landsleuten verkündet.

Dabei hat es schon jetzt rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung mit wesentlich härteren Massnahmen als der «Sechser-Regel» und der Sperrstunde um 22 Uhr zu tun. «Lokale Lockdowns», bei denen zum Beispiel keine Zusammenkünfte mit anderen Haushalten mehr erlaubt sind, haben sich längst zu regionalen entwickelt.

Betroffen sind weite Gebiete etwa um Glasgow, Newcastle, Manchester, Leeds und Süd-Wales. Mit solchen Massnahmen reagierte die britische Regierung auf den jüngsten rasanten Anstieg der Ansteckungs- und Erkrankungszahlen. Leider sei «der Moment gekommen, an dem wir handeln müssen», hat Johnson dazu im Parlament erklärt. «Wir haben einen gefährlichen Wendepunkt erreicht.»

Vor kurzem noch hatte Johnson prophezeit, dass zu Weihnachten wieder «weitgehend Normalität» herrschen würde in Grossbritannien. Jetzt räumt er ein, dass «es für unser Land und für unsere Bevölkerung auf Monate hin hart werden wird». Immerhin hält Grossbritannien, mit der Zahl seiner Corona-Opfer, noch immer den traurigen Rekord in Europa. Dem nationalen Statistischen Amt zufolge sind im Vereinigten Königreich bisher bereits mehr als 57’600 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 ums Leben gekommen.

Gegenwärtig, melden der oberste medizinische Regierungsberater Chris Whitty und sein Wissenschaftskollege Sir Patrick Vallance, verdopple sich die Zahl der Ansteckungen und Einlieferungen in die Spitäler alle sieben bis acht Tage. Die R-Zahl liegt offenbar zwischen 1,2 und 1,5. Wenn nicht rasch und radikal durchgegriffen werde, meinen Whitty und Vallance alarmiert, könne es Mitte Oktober statt der zurzeit rund 6000 neuen Fälle am Tag bereits 50’000 geben – mit entsprechend hoher Sterberate wenige Wochen danach.

Sperrstunde ist schon um 22 Uhr: Eine Outdoor-Bar in London.

Sperrstunde ist schon um 22 Uhr: Eine Outdoor-Bar in London.

Foto: Keystone

Verschärft wird die Lage durch die akuten Mängel des Test-and-Tracing-Systems. Gemäss den Krankenpflegeverbänden fehlt es auch immer noch an Schutzkleidung fürs Spital- und Pflegeheimpersonal. Unter diesen Umständen halten viele Experten die bisher getroffenen Massnahmen für völlig unzureichend. Ohne drastischere Restriktionen könne die Situation erneut «ausser Kontrolle geraten» in kürzester Zeit. Finanzminister Rishi Sunak hat sich aber zusammen mit einflussreichen Tory-Hinterbänklern gegen jegliche Aktion gestemmt, die zur Schliessung von Lokalen, Pubs und Unterhaltungsstätten führen könnte. Johnson hat dem nachgegeben – für den Augenblick. (Peter Nonnenmacher, London)

Spanien fast wieder wie im März

Längst werden wieder bange Erinnerungen wach. «Die Intensivstationen», warnt Harvard-Professor Miguel Hernan, «waren unsere letzte Verteidigungslinie.» Spanien stehe unmittelbar vor einer erneuten ernsten medizinischen Notlage, schrieb der Berater der spanischen Regierung auf Twitter. Auch Ärztinnen und Ärzte von 62 Madrider Spitälern wandten sich vor ein paar Tagen an die Öffentlichkeit: Bald könnten sich Szenen wie im März wiederholen.

Kein Land Westeuropas wird derzeit so hart von der zweiten Welle der Pandemie getroffen wie Spanien. Anders als in Italien, wo im Frühjahr ähnlich viele Menschen starben, übersteigen die Fallzahlen in Spanien inzwischen das Niveau von damals. Pro Tag meldet das spanische Gesundheitsministerium etwa 9000 neue Fälle, in den vergangenen sieben Tagen starben mehr als 500 Menschen.

Noch vor kurzem schien man aufatmen zu können. Über den Sommer stieg zwar die Zahl der Infizierten stetig, nicht aber die der Toten, was daran gelegen haben dürfte, dass sich vor allem Jüngere ansteckten, die eher mildere Verläufe zu erwarten haben. Nun allerdings könnte das Virus wieder in ältere und gefährdetere Bevölkerungsgruppen gelangt sein und in der Folge die Zahl der Toten in die Höhe schnellen lassen. Gemäss der Tageszeitung «El País» sind 95 Prozent der Intensivbetten in Madrid mit Covid-19-Patienten belegt, in einigen öffentlichen Spitälern wurden bereits Operationssäle in Intensivstationen umgewandelt.

Die Hauptstadt Spaniens gilt als Treiber der zweiten Welle im Land. Insbesondere in den ärmeren Vierteln im Süden Madrids leben viele Menschen auf engem Raum, die Fallzahlen dort übersteigen längst 1000 Infizierte auf 100’000 Einwohner. Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso musste reagieren: Seit der vergangenen Woche gilt in 37 Gebieten der Hauptstadtregion ein partieller Lockdown.

Die politische Opposition und auch viele Experten aus dem Gesundheitswesen kritisieren das als zu spät und nicht ausreichend. Tatsächlich ist es schwierig, einzelne Viertel unter Restriktionen zu stellen, während die Bewohner der umliegenden Strassenzüge sich weitgehend frei bewegen können. Ausserdem dürfen die rund 850’000 Einwohner der betroffenen Gebiete diese auch weiterhin verlassen, um in den oft überfüllten Bussen oder U-Bahnen zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt zu fahren.

Das Gesundheitssystem ist gefordert: Eine provisorische Spitaleinrichtung in Madrid.

Das Gesundheitssystem ist gefordert: Eine provisorische Spitaleinrichtung in Madrid.

Foto: Keystone

Dennoch will Regionalpräsidentin Ayuso unbedingt ohne einen Lockdown der gesamten Hauptstadt auskommen. Eine komplette Ausgangssperre würde die Wirtschaft zu stark schädigen, glaubt sie. Im Frühjahr hatte sie den landesweiten Lockdown von Ministerpräsident Pedro Sanchez daher harsch kritisiert. Zuletzt allerdings musste Ayuso zähneknirschend einen Schritt auf Sanchez zugehen. Unter dem Druck ihrer eigenen Behörden bat sie um Unterstützung durch Soldaten, Polizisten und Ärzte. (Karin Janker, Madrid)

Rote und rötere Zonen in Frankreich

In Frankreich hatte die Regierung lange auf Optimismus gesetzt. Man müsse «mit dem Virus leben», sagte Präsident Emmanuel Macron in der vorletzten Woche, als er die Tour de France besuchte. Der Präsident machte es vor: Maske auf, Hände desinfizieren und trotzdem Spass haben. Ein Stück weit ist der Spass nun vorbei. Vor ein paar Tagen zeigte Gesundheitsminister Olivier Véran die neue Kartografie des Coronavirus.

Nach Ende der Ausgangssperre im Mai war Frankreich in grüne, orangefarbene und rote Zonen eingeteilt worden. Auf grün und orange kann man jetzt verzichten. Es gibt nur noch rot, röter und am allerrötesten. Die neuesten Zahlen: 13’072 Corona-Infektionen in 24 Stunden. Besonders hart getroffen ist Marseille. Die Infektionsrate übersteigt 250 Fälle pro 100’000 Einwohner. Dort gilt nun die «maximale Alarmstufe», in Paris die hohe Alarmstufe. In Marseille sind Bars und Restaurants inzwischen geschlossen, vorerst für 14 Tage. In Paris und weiteren Grossstädten Frankreichs dürfen sie nur noch bis 22 Uhr in Betrieb sein.

Gegen die Verhängung der Ausgangssperre hatte es im März kaum Protest oder Widerstand gegeben. Doch die neuen Beschränkungen führten nun umgehend zu Streit. Die grüne Bürgermeisterin von Marseille, Michèle Rubirola, twitterte sofort ihre Wut in die Welt. Die Schritte seien nicht mit ihr abgesprochen. Sie forderte einen Aufschub um zehn Tage. Auch die Pariser Bürgermeisterin, die Sozialistin Anne Hidalgo, beklagte fehlende Absprachen mit der Regierung. Die Massnahmen seien «sehr streng» und «schwer nachvollziehbar».

Der ungewöhnlich heftige Streit zwischen der Regierung und den zwei grössten Städten des Landes steht im Widerspruch zu Macrons Versprechen vom Sommer, man wolle den Regionen bei der Pandemiebekämpfung mehr Verantwortung überlassen. Die rasante Zunahme der Infektionen zeigt zudem, dass die Teststrategie der Regierung gescheitert ist. Macron hatte eine Million Corona-Tests pro Woche angekündigt. Diese Zahl wurde zwar erreicht, allerdings dauert es im Schnitt weit mehr als 48 Stunden, oft eine Woche, bis ein Ergebnis vorliegt. Auch die Nachverfolgung der Kontakte eines Infizierten funktioniert kaum. Und die offizielle Corona-App muss man einen Flop nennen: Nur vier Prozent der Bürger haben sie runtergeladen. (Nadia Pantel, Paris)

Rückschlag für Vorbildland Österreich

Der österreichische Gesundheitsminister Rudi Anschober hatte schon vor zwei Wochen im Fernsehen laut darüber nachgedacht. Gleichwohl war die konkrete Ankündigung ein Schock für die Tourismusnation: Skifahren ja, Après-Ski nur noch im Sitzen. Keine wilden Partys, kein Tanz zu lauter Schlagermusik. Es gehe leider, so Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, im Wintertourismus um mehr als Wintersport.

Worum es darüber hinaus geht, das wird den Österreichern mit jedem Tag, an dem mehr als 800 Neuinfizierte gemeldet werden, immer klarer. Viele Stellschrauben müssen gedreht werden, wenn die für das Land so wichtige Tourismusbranche überleben will. Bundesländer im Westen haben die Sperrstunde vorverlegt, auch im Freien darf nur noch im Sitzen gegessen werden, in Skischulen gibt es maximale Gruppengrössen, und in Seilbahnen gilt Maskenpflicht. Die Ballsaison ist abgesagt.

Überall soll laufend getestet werden, um den in Österreichs Medien prognostizierten «Corona-Absturz» des Tourismus zu verhindern. Die Feriengäste bringen 15 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ein. Doch die Panik wächst in Österreich, die schlechten Nachrichten häufen sich. Deutschland und Belgien haben Wien, Vorarlberg und nun auch Tirol zum Risikogebiet erklärt. Selbst auf Österreichs offizieller Corona-Ampel sind die Tiroler Bezirke Landeck und Schwaz neu als Gebiete mit hohem Risiko bewertet worden. Zu Landeck gehört Ischgl. Dort wollen die Tourismusbetriebe nicht nur das Aprés-Ski-Verbot der Regierung umsetzen, sondern Gäste auch mit weiteren Vorsichtsmassnahmen locken. Unter anderem sind Virustests für Mitarbeiter geplant.

In Regierung und Parlament haben längst die gegenseitigen Schuldzuweisungen begonnen. Noch im Frühjahr hatte sich Kanzler Sebastian Kurz europaweit in positiver Berichterstattung gesonnt, seine Koalition habe die erste Corona-Welle gut gemanagt. Jetzt hagelt es überall Kritik: zu früh zu viele Einschränkungen aufgehoben, chaotische Krisenkommunikation, schlampige Gesetze, zu späte Reaktion auf die zweite Welle.

Er selbst habe, sagte Kanzler Kurz vor wenigen Tagen etwas beleidigt, schon früher «Massnahmen verschärfen wollen», aber es sei nicht seine «alleinige Entscheidung» gewesen. Das kam beim grünen Koalitionspartner nicht gut an, und auch unter den konservativen Politikern wächst der Streit. Niederösterreichs Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner sagte erkennbar schlecht gelaunt, wenn es um eine Krise wie diese gehe, verlange sie Geschlossenheit und Klarheit – auch im Bund. Das verlangten die Bürgerinnen und Bürger im Übrigen auch. (Cathrin Kahlweit, Wien)

Tschechien ist nicht mehr «best in Covid»

Noch am 31. August trat der tschechische Premier sehr selbstsicher auf. Im slowenischen Bled sagte Andrej Babis bei einem internationalen Forum: «We are best in Covid.» Knapp vier Wochen später zählt Tschechien zu den Ländern Europas, in denen sich das Coronavirus am schnellsten ausbreitet. Täglich infizieren sich weit mehr als 2000 Menschen in dem Land mit knapp elf Millionen Einwohnern. Neulich waren es sogar mehr als 3000. Aus der Corona-Krise droht nun eine Regierungskrise zu werden.

Letzte Woche trat Gesundheitsminister Adam Vojtech zurück. Ein Bauernopfer, schrieben die Medien. Aus Sicht der Opposition ist es Premier Babis, der Chaos und Verwirrung gestiftet hat. «Er muss jetzt den Gesundheitsminister sprechen lassen und sich zurückhalten», sagte Olga Richterova, Partei-Vize der Piraten. Diese sind die drittstärkste Kraft im tschechischen Parlament und überholen derzeit in Umfragen alle Oppositionsparteien. Sie setzten schliesslich durch, dass der Krisenstab erneut seine Arbeit aufnimmt. «Unser Plan für eine zweite Welle liegt seit Juni vor, aber Babis wollte lieber über andere Themen reden.»

Der neue Gesundheitsminister Roman Prymula brachte Tschechien als oberster Epidemiologe bereits durch den Beginn der Pandemie. Tschechien hatte mit extrem strengen Massnahmen reagiert, rief am 12. März den nationalen Notstand aus, schloss alle Grenzen. Schon sechs Tage später galt eine allgemeine Maskenpflicht – auch im Freien. Als Tschechien Ende Mai die Grenzen wieder öffnete, hatten sich gerade mal 8955 Menschen infiziert. Im Sommer wurden alle Massnahmen aufgehoben, ebenfalls die Maskenpflicht.

Nun ist die Infiziertenzahl auf mehr als 55’000 angestiegen, es gibt mehr Erkrankte als Genesene. «Aus unserem Land gab es in den ersten Monaten der Pandemie kaum Berichte über schwere Verläufe», sagte Piraten-Politikerin Richterova. Vielleicht habe das die Leute sorglos gemacht. Die Anordnungen des neuen Gesundheitsministers fallen indes milde aus: Restaurants und Bars müssen um 22 Uhr schliessen. Doch Veranstaltungen mit bis zu 1000 Menschen in Innenräumen bleiben erlaubt. Tschechien ist inzwischen von Deutschland als Risikogebiet eingestuft worden. Gesundheitsminister Grymula kündigte für die nächsten Tage Einschränkungen der Freizeitaktivitäten an, um die Infektionszahlen zu drücken. (Viktoria Grossmann)

Rasche Ausbreitung des Coronavirus: Anstehen vor einer Teststation in Prag.

Rasche Ausbreitung des Coronavirus: Anstehen vor einer Teststation in Prag.

Foto: Keystone

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