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«Es war das Schlimmste, was passieren konnte»: FCSG-Gonzalez ist der grösste Pechvogel der Liga

BLICK: Lorenzo Gonzalez, wie gehts Ihnen heute, fünf Wochen nach dem Unfall?
Lorenzo Gonzalez: Viel besser, danke. Nach meiner Operation vor einem Monat hatte ich zwar noch starke Schmerzen, die waren aber nicht von langer Dauer, zum Glück. So konnte ich zwei Wochen später bereits aufs Velo und mittlerweile trainiere ich auch schon auf dem Laufband.

Wie läuft die Reha?
Sehr gut. Meine Mannschaftskollegen nennen mich gar eine «Maschine», weil ich mich so gut erhole. Es ist jetzt aber auch wichtig, nichts zu überstürzen. Ich fühle mich gut und bin auf dem richtigen Weg.

Was war an diesem 15. Mai genau passiert?
Es war ein normaler Zweikampf. Und dann, plötzlich, passierte es. Ich hörte sogar noch dieses «Knacken» im Knie – da wusste ich, das heisst nichts Gutes. Ich hatte so starke Schmerzen wie noch nie in meinem Leben.

Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf?
Es war das Schlimmste, was hatte passieren können. Ich bin im Januar aus Malaga gekommen. Und da ich dort gegen Ende kaum mehr spielen durfte, musste ich meine Fitness hier wieder aufbauen. Trainer Peter Zeidler hat mich immer ermutigt und gesagt, dass ich es gut mache und geduldig bleiben solle. Ich wusste, dass meine Möglichkeit bald kommen wird. Vor der Corona-Pause war ich so in Form, dass ich im Testspiel gegen Wil spielen und sogar auch einmal treffen konnte. Und auch nach der Zwangspause habe ich mich zurück im Training topfit gefühlt. Dann kam der Unfall. Ich war so wütend, auch auf mich selbst. Wieso musste das passieren? Aber am Schluss musst du es einfach akzeptieren, vorwärts schauen und positiv bleiben. Alles passiert aus einem gewissen Grund.

Sie haben ihre Chance verpasst. Schwingt jetzt auch eine Angst unterbewusst mit?
Ja, diese Chance habe ich verpasst. Ich hätte in den kommenden Spielen sicher Spielzeit sammeln können. Aber ich bin sicher, nach meiner Reha, wenn ich wieder zurück sein werde, bekomme ich wieder eine Chance. Und dann liegt es an mir, diese zu nutzen.

Nur drei Monate vor Ihnen reisst sich Boris Babic das Kreuzband. Ist er eine Motivationsspritze für Sie? Er macht ja auch enorm gute Fortschritte.
Ja klar. Wir sprechen viel zusammen. Aber auch das Comeback von Nuhu beim letzten Testspiel zu sehen, als alle klatschten, hat mich sehr motiviert.

In einem Ihrer Instagram-Posts schrieben sie nach dem Kreuzbandriss, «this is just another bump on the raod» (das ist nur ein weiteres Hindernis auf dem Weg).
In einer Fussballkarriere gibts viele Auf und Abs. Ich habe das schon früh gelernt. Zum ersten Mal mit zirka 15 Jahren, als ich noch bei Servette spielte.

Das ging ja nicht so schön auseinander ...
Ja genau. Als ich für die U15-Nati angefangen habe zu spielen, löste das bei vielen europäischen Klubs Interesse aus. Und mein Traum war es immer, für einen der grössten Klubs in Europa zu spielen. Und als dann Manchester City an mir interessiert war – ich meine, das ist verrückt – freute ich mich natürlich riesig. Aber was ist dann passiert? Servette wollte ihre besten Spieler behalten, was ich auch verstehe. Aber sie wurden wütend. Sie sollten doch stolz sein. Ich durfte dann bis zu meinem Wechsel nach ManCity (sechs Monate d. Red.) nicht mehr mit der Mannschaft trainieren. Trotzdem bin ich Servette für vieles dankbar.

Wie war es für Sie mit 15 zu wissen, zu den besten zu gehören?
Ich komme aus einer bescheidenen Familie. Als erstes kam immer die Schule. Aber natürlich ist das schön, vor allem auch für meine Eltern. Es macht sie richtig stolz. Aber wir müssen vorsichtig sein, denn vieles kann sich sofort ändern. Darum müssen wir bescheiden und vor allem am Boden bleiben. Ich muss mich ja nach wie vor auf dem professionellen Level beweisen. Bin ja trotzdem erst 20 und habe noch eine ganze Karriere vor mir.

Aber auch schon viel erlebt. Mit 15 beim grossen Manchester City.
Das war unglaublich. Die beste Erfahrung meines Lebens. Im ersten Jahr haben wir gar die Meisterschaft gewonnen. In meinem Team waren Jadon Sancho (Dortmund), Phil Foden (ManCity), Brahim Diaz (Real Madrid) – das war verrückt. Die wahrscheinlich besten Spieler meines Jahrgangs.

Später durften Sie auch teilweise unter Pep Guardiola trainieren.
Das war Wahnsinn. Stellen Sie sich vor, Sie gehen als normaler Junge aus Genf, der jeden Tag zur Schule geht, Hausaufgaben macht, nach Manchester City und trainieren unter Pep Guardiola und spielen dazu noch mit David Silva, der übrigens wie ich aus Gran Canaria kommt – das war wie ein Traum.

In die 1. Mannschaft hats aber nicht gereicht.
Ich habe zwar jede Woche mit ihnen trainiert, hatte aber keine Chance. Deshalb bin ich dann nach Malaga. Das war rückblickend nicht die beste Entscheidung, aber du lernst daraus.

Auch Malaga gehört zu den sogenannten «bumps» auf Ihrem Weg.
Ich bin angekommen ... bei meinem ersten Spiel habe ich 30 Minuten gespielt, beim zweiten 20, beim dritten 60. Und dann, was passiert? Die Schweizer Nationalmannschaft wollte mich holen, aber Malaga wollte mich nicht gehen lassen. Ich war hin und her gerissen, da ich es beiden Seiten recht machen wollte. Aber hey, wenn die Nationalmannschaft anruft, dann muss ich doch gehen. Das hat Priorität.

Und haben Sie sie gehen lassen?
Ja, nur spielte ich nach meiner Rückkehr nach Malaga kaum mehr. Aber das ist Politik. Das wissen alle. Ich glaube, nach diesen Erfahrungen brauchte ich einfach einen familiären Klub, der jeden gut behandelt und vor allem einen, der mich auch will. Und das habe ich jetzt.

Wie leben Sie denn jetzt hier in St. Gallen?
Ich lebe allein in meiner Wohnung und koche sogar selber. Am liebsten chille ich zuhause, höre ein bisschen Latino Bachata, kennen Sie das?

Noch nicht ...
Jedenfalls hatten meine Nachbarn zu Beginn nicht so Freude an mir. Ich war knapp eine Woche hier, hörte jeden Abend laut Musik und plötzlich lag ein Brief vor meiner Tür: Ich sollte doch bitte nach 22h die Musik leiser stellen. Ich dachte mir nur: Welcome to Switzerland.

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