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Switzerland

«Es ist nicht einfach, aber es geht schon»: Patrizia Kummers Papa ist unheilbar krank

BLICK: Patrizia Kummer, Sie starten in Russland in ihre 14. Weltcup-Saison. Warum tun Sie sich das immer noch an?
Patrizia Kummer: Es gibt kein Leben, das ich führen könnte, in dem ich so viel auf dem Schnee bin wie als Snowboard-Profi. Das ist meine Passion. Das war immer mein Antrieb.

Machen Sie sich keine Gedanken über Ihr Karriereende?
Na klar mache ich mir die. Aber im Moment habe ich die Olympischen Spiele in Peking 2022 im Auge. Ich bin noch nicht fertig, sondern spüre eine riesige Vorfreude, dass die Saison dieses Wochenende endlich losgeht.

Seit zwei Jahren ist Ihr Sportlerleben komplizierter geworden Ihr Vater Roland ist schwer krank, leidet an Knochenmarkkrebs. Er ist für Sie eine wichtige Bezugsperson. Was hat das verändert?
Er war früher bei vielen Rennen dabei, das war zuletzt nicht möglich. Das ist schon eine Umstellung. Als ich im Europacup gefahren bin und noch nicht Auto fahren durfte, war es immer er, der mich chauffiert hat. Quer durch Europa. Wir haben auf Reisen sehr viel Zeit zusammen verbracht.

Seine Krankheit gilt als unheilbar – auch wenn man sie eindämmen kann. Wie geht man als Tochter damit um?
Es ist nicht einfach, aber es geht schon. Jeder Mensch hat sein Päckli zu tragen. Ich habe das mit ihm besprochen. Ich habe ihm gesagt: «Ich kann für dich da sein, wenn du etwas brauchst. Du musst es mir sagen. Ich kann dir helfen, aber ich kann es dir nicht abnehmen.» Die Art, wie er mit mir darüber gesprochen hat, hat mir ziemlich schnell gezeigt: «Ok, der überlebt das. Der schafft das.» Das hat mir viel Kraft gegeben. Ich habe den Glauben daran, dass es ihm gut gehen wird. Ich weiss nicht, ob ihm das etwas gebracht hat (lacht). Da müsste man ihn fragen.

Wie beeinflusst ihn die Krankheit?
Durch den Krebs wurden zu viele weisse Blutkörperchen produziert, dadurch wurden die Knochen spröde. An drei Stellen sind bei ihm Rückenwirbel eingebrochen. In seinem Fall kann das nicht operiert werden – das plagt ihn am meisten, weil die Schmerzen bei Ermüdung so gross sind. Er muss sich den Tag gut einteilen, weil er sich immer wieder hinlegen muss, wenn die Schmerzen zu stark sind. Und die Therapie zu Beginn ist heftig, auch im Vergleich zu anderen Krebstherapien, sagen die Ärzte.

Das klingt einschneidend.
Es ist einschneidend. Er war jetzt jahrelang kaum an einem Anlass. Wenn er doch mal irgendwo hin geht, muss er sich vorher überlegen, wie er die Schmerzen managt.

Die Diagnose kam kurz vor Olympia in Pyeongchang, wo Sie als Titelverteidigerin früh ausschieden. Lag es auch daran?
Nein. Das lasse ich nicht gelten. Er hatte eine Lungenentzündung, kurz nach seiner Chemo- und Stammzellentherapie, musste am Tag meines Rennens ins Spital. Ich habe es erst danach herausgefunden – schlecht gefahren bin ich auch so.

Wann sehen wir ihn das nächste Mal bei einem Ihrer Rennen?
Nächstes Wochenende in Italien will er zusammen mit meiner Mutter kommen. Unser Bed & Breakfast im Goms hat gerade Betriebsferien, darum können sie es sich gemeinsam einrichten.

Was für ein Rennen werden Ihre Eltern sehen? Wie erwarten Sie die Konkurrenz zum Saisonstart?
Wir Schweizerinnen sind stark. Aber wir haben die anderen ja noch nicht fahren sehen. Ausser auf Instagram. Und da kommen nur die Sachen drauf, die gut aussehen. Aber noch nie hat jemand auf Instagram ein Rennen gewonnen.

Saisonstart mit Verletzungssorgen

Die Schweizer Hoffnungen ruhen heute allein auf den Snowboarderinnen wie Julie Zogg (Bild).

Die Alpin-Snowboarder starten heute in Bannoje (Russ) mit neuem Cheftrainer in die Saison. David van Wijnkoop trat nach der letzten Saison die Nachfolge von Christian Rufer an. Sechs Olympia- und
15 WM-Medaillen gehen auf Rufers Konto. Die Vorzeichen sind schlecht. Van Wijnkoop, der die letzten Jahre bereits unter Rufer gearbeitet hat, fehlen zwei Teamstützen.

Dario Caviezel, letzte Saison drei Mal auf dem Podest, fehlt wegen eines Knorpelschadens. Nach einer OP wird er erst später in die Saison starten. Olympiasieger Nevin Galmarini leidet an Rückenproblemen. Wie lange er pausieren muss, ist offen. Als einziger Mann tritt heute Kaspar Flütsch an. Er gibt nach eineinhalbjähriger Verletzungspause sein Comeback.

Hoffnung gibts bei den Frauen. Mit Weltmeisterin Julie Zogg, Olympiasiegerin Patrizia Kummer und der WM-Dritten Ladina Jenny sind drei Podestanwärterinnen am Start.

Wird es wieder heissen «Ester Ledecka gegen alle»?
Das glaube ich nicht. Sie wurde im letzten Jahr ein paarmal geschlagen. Das hat allen gut getan: Zu sehen, dass sie nicht unschlagbar ist.

Das war nicht klar?
Natürlich, eigentlich ja schon. Für mich war das ganz lustig zu sehen. Ich habe ja dasselbe durchgemacht: Du wirst immer besser, plötzlich gewinnst du ein Rennen nach dem anderen. Alle haben auf einmal einen Riesen-Respekt vor dir und du denkst dir: «Was haben die? Gehts noch? Es ist für mich doch schwierig, zu gewinnen!»

Für die anderen halt auch.
Vor allem fangen die an, nervös zu werden, wenn sie gegen dich fahren müssen und machen Fehler, die sie sonst nicht machen würden. Bis irgendwann die Jungen kommen, die drauflosfahren, als ob es kein morgen gäbe. Dann schlägt dich jemand. Und alle sind erleichtert, während man sich denkt: «Das war ja immer klar.» Ich habe vorletzte Saison den anderen manchmal zugeschaut und mir gedacht: «Ihr steht euch ganz schön selber im Weg.»

Aber Sie selber konnten Ledecka auch nicht schlagen.
Ich hatte die richtige Einstellung. Aber ich war sportlich nicht auf dem Level, um sie zu schlagen. Die anderen hatten den Speed, aber nicht die mentale Haltung. Letztes Jahr war auch ich in einem direkten Duell mal schneller. Zwar war das im Slalom, doch hoffentlich kommt bei mir diese Saison auch im Riesen wieder alles zusammen.

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