Switzerland

«Es ist leider vorbei»: Das Restaurant Weisser Wind muss schliessen

Gross war die Freude vor knapp zwei Jahren, als im März 2018 der Neubau des «Weissen Wind» und mit ihm gleich auch das gleichnamige Restaurant in Freienwil eröffnet wurden. Wirt Stefan Frankenstein und seinem Team gelang es schnell, das Restaurant mit neuem Leben zu füllen und sich einen Ruf über Freienwil hinaus zu erarbeiten.

Doch offensichtlich hat das nicht gereicht. Denn was im Dorf bereits die Runde machte, ist jetzt Gewissheit: Das Restaurant schliesst Ende Januar nach nicht einmal zwei Jahren in Betrieb. «Ja, es ist leider vorbei», bestätigt Stefan Frankenstein. In seiner Stimme schwingt unüberhörbar Enttäuschung mit. Kein Wunder, hat der 52-Jährige doch alles in sein Herzensprojekt gesteckt und hierfür sogar sein Cateringunternehmen aufgegeben. Letztlich hätten viele Faktoren dazu geführt, dass er jetzt schweren Herzens die Reissleine ziehen müsse.

Er bleibt der Gastronomie erhalten

«Am Anfang hatten wir zu viel Personal, doch das haben wir relativ schnell in den Griff gekriegt.» Obwohl er sich zwar einen guten Ruf habe erarbeiten können und die Rückmeldungen durchweg positiv ausgefallen seien, sei es finanziell einfach nicht aufgegangen. «Die finanziellen Ressourcen sind aufgebraucht. Ich habe wohl zu wenig unternehmerisch gedacht und gehandelt und stattdessen voll auf Leidenschaft und Herzblut gesetzt. Doch von Spass alleine kann man leider nicht leben.»

Seiner Gesundheit und auch seiner Familie zuliebe habe er jetzt einen Schlussstrich ziehen müssen. Gleichwohl glaubt Frankenstein an das Potenzial einer Landbeiz in Freienwil. «Mit der Genossenschaft hat man sehr viel Support im Rücken. Und wenn sich hier zum Beispiel ein junger, talentierter Koch findet, der sich verwirklichen will, ohne die Sterne vom Himmel zu kochen, dann findet er hier im ‹Weissen Wind› die idealen Bedingungen vor», ist Frankenstein überzeugt.

Er selber bleibe der Gastronomie zwar erhalten, aber vorerst nicht mehr als Selbstständiger. «Ich bereue nicht, es hier in Freienwil probiert zu haben, habe aber sicher meine Lehren aus dem Projekt gezogen» so Frankenstein.

Wer bekocht in Zukunft den Freienwiler Mittagstisch?

Gemeinderat Urs Rey, während sechs Jahren Präsident der Genossenschaft Weisser Wind, bedauert die Schliessung: «Stefan Frankenstein und seinem Team ist es in diesen knapp zwei Jahren gelungen, sich einen guten Ruf über die Gemeindegrenzen hinaus zu erarbeiten.» So bedauerlich das Ende jetzt auch sei, so glaubt Rey doch, dass eine Landbeiz in Freienwil funktionieren könne. «Stefan hat gezeigt, dass es an diesem Ort funktionieren kann.

Am Ende ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis für ihn offenbar nicht aufgegangen, aber aus seinen Erfahrungen werden die Nachfolger und auch die Genossenschaft lernen.» Urs Rey ist deshalb zuversichtlich, dass es für das Restaurant eine Nachfolgelösung gibt. «Die Beiz wurde wieder zum beliebten Begegnungsort, der dem Dorf enorm fehlen würde.»

Was bedeutet die Restaurantschliessung für die Tagesstrukturen und insbesondere den Mittagstisch, der vom «Weisser Wind»-Team bekocht wurde? Laut Urs Rey werden zwei Varianten geprüft: selber kochen oder das Essen liefern lassen. «Und klar, sobald wieder ein Restaurantbetrieb einzieht, möchten wir das Essen wieder von ihm zubereiten lassen.»

Genossenschaft auf der Suche nach einem neuen Pächter

Das Aus des Restaurants ist nicht zuletzt auch für die Genossenschaft Weisser Wind ein harter Schlag. Zur Erinnerung: Vor rund acht Jahren hätte das im Jahr 1826 erstellte Wirtshaus im Dorfzentrum abgerissen und durch neue Wohnungen ersetzt werden sollen. Doch dagegen formierte sich Widerstand und es wurde eine Genossenschaft gegründet, welche die Liegenschaft kaufte.

Diese wurde in der Folge umgebaut und saniert. Rund 2,4 Millionen Franken wurden hierfür aufgewendet. Noch vor der Eröffnung des neuen Restaurants erlangte der «Weisse Wind» im Sommer 2015 nationale Berühmtheit, als er Schauplatz in der SRF-Serie «Der Bestatter» war. Heute befinden sich im Gebäude nebst dem Restaurant die Tagesstrukturen, im Obergeschoss der Festsaal, wo regelmässig kulturelle Veranstaltungen über die Bühne gehen und zwei Wohnungen.

«Auch wir bedauern die Schliessung, zumal uns das gastronomische Konzept überzeugt hat», sagt Reto Wäger, Präsident der Genossenschaft. Es sei beachtlich, wie es Stefan Frankenstein gelungen sei, das Restaurant nach so vielen Jahren quasi von null zu neuem Leben zu erwecken. «Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass unser Konzept mit Restaurant, Kultursaal und Kinderbetreuungsstätte richtig ist», so Wäger.

Deshalb sei es das Ziel, so schnell wie möglich wieder einen Pächter für die Beiz zu finden. «Wir haben bereits erste Gespräche geführt», verrät Wäger. Nicht tangiert von der Restaurantschliessung ist der Kulturbetrieb im Kultursaal. So tritt diesen Freitag um 19.30 Uhr die Fusion-Folk-Band Arbazar im «Weissen Wind» auf.