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Es ist immer das Gleiche mit Håkan Nesser

Håkan Nesser wird als einer der «literarischsten Krimiautoren» bezeichnet. Doch wenn man diesen Anspruch mit einer erzählerischer Dichte verbindet, ist das Attribut eher unzutreffend. Wie schon oft bietet Nesser erneut eine gute Krimistory, schafft es aber nicht, die 600 Seiten, die seine Bücher offenbar zwingend haben müssen, damit auszufüllen. Es kommt zu ziemlich viel Leerlauf und Schwadroniererei.

In abwechselnden Zeitebenen erzählt er von einer Handvoll Menschen, die als Jugendliche den «Verein der Linkshänder» gründen. Dies in einer Zeit, als man linkshändige Schüler noch umzuerziehen versuchte. Dann werden sie in eine üble Geschichte verwickelt, die den Tod eines Kindes zur Folge hat. Fast 30 Jahre später werden sie alle zu einem Essen eingeladen. Es kommt zu einem Brand, man findet sie tot, mit einer Ausnahme. Diese verschwundene Person gilt fortan als Mörder, bis nochmals 20 Jahre später auch deren Leiche auftaucht. Aber wer ist dann der Mörder?

Zwei Hauptfiguren ist eine zuviel

Besonders an diesem Krimi ist, dass Nesser seine zwei bekanntesten Ermittler aufeinandertreffen lässt. Kommissar Van Veeteren, längst pensioniert und einst in die Ermittlungen involviert, beginnt eher widerwillig und auf Druck seiner umtriebigen Frau den Fall wieder aufzurollen. Inspektor Barbarotti stösst im zweiten Buchteil über den Umweg eines anderen Mordfalls dazu.

Schon in früheren Krimis Nessers hat das Auftauchen von Barbarotti die Story nicht begünstigt. Das Problem ist stets ähnlich: Nesser erzählt auf tolle Art die komplexe Geschichte. Dann folgt, wie Barbarotti seinen Wissensrückstand gegenüber dem Leser wettmacht. Diesmal passiert die Redundanz sogar doppelt: Denn auch Van Veeteren ermittelt ja. Für sich alleine wäre das okay, da Van Veeteren in seiner Befindlichkeit des Alterns auch als Figur spannend und berührend ist. Aber nochmals Nachforschungen mit dem blassen Barbarotti? Das ist zu viel.

So ist auch diesmal die erste Hälfte des Buches erstklassig: Sie hat Zug, Tiefgang und viel Humor. Der zweite Teil ist dialoglastiger, weil sich nun zwei Fahnder seitenlang mit ihren Partnerinnen über den Fall austauschen, inklusive drögen Liebesneckereien. Natürlich nimmt die Story am Ende Fahrt auf, schliesslich wird ja der wahre Täter überführt. Allerdings erahnt man diesen recht vorzeitig, sodass der finale Überraschungseffekt ausbleibt.

Nessers Krimi hat seine Qualitäten. Vielleicht erwartet man von ihm einfach auch besonders viel. Hätte er die Story auf 400 Seiten komprimiert und Barbarotti weggelassen, wäre sie richtig gut geworden.

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