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Erdgas im Mittelmeer: Das Potenzial ist gross, doch die Nutzung ist schwierig

Die Suche nach Erdgas hat die Türkei und Griechenland an den Rand einer militärischen Konfrontation gebracht. Doch wie wahrscheinlich ist es, in den umstrittenen Gebieten Gasfelder zu finden? Und wäre ihre Ausbeutung wirtschaftlich sinnvoll?

Der Fund grosser Gasfelder vor Israel, Zypern und Ägypten hat Hoffnungen geweckt, auch vor der türkischen Küste Gas zu finden.

Der Fund grosser Gasfelder vor Israel, Zypern und Ägypten hat Hoffnungen geweckt, auch vor der türkischen Küste Gas zu finden.

Amir Cohen / Reuters

Im Streit mit Griechenland und Zypern um die Ausbeutung möglicher Gasvorkommen hat die Türkei jüngst die Tonlage gesenkt. In der Sache bleibt die Regierung von Recep Tayyip Erdogan jedoch hart: Aus ihrer Sicht sind die Ansprüche von Athen und Nikosia im östlichen Mittelmeer illegitim, und die Türkei hat jedes Recht, in den Gewässern vor ihrer Südküste nach Erdgas zu suchen. Sollte Erdogan demnächst wieder ein Bohrschiff in das Seegebiet vor Kastellorizo, Kreta und Rhodos schicken, ist der nächste Konflikt mit Griechenland programmiert.

Doch wie wahrscheinlich ist es, in den umstrittenen Gebieten tatsächlich grössere Vorkommen zu finden? Und wäre eine Ausbeutung der Felder wirtschaftlich rentabel? Eine Antwort auf diese Fragen ist nicht einfach. Professor Gerhard Bohrmann vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen sieht grundsätzlich ein grosses Potenzial in den strittigen Gebieten vor der türkischen Südküste und verweist auf die Funde vor der Mündung des Nils.

Hoffnung auf neue Superfelder

«Durch die Funde der vergangenen zehn Jahre vor Israel, Zypern und Ägypten ist das östliche Mittelmeer sehr interessant geworden», sagt der Geologe. Insbesondere der Fund des Zohr-Feldes vor Ägypten hat die Energiekonzerne elektrisiert. Das 2015 vom italienischen Eni-Konzern in 1500 Meter Wassertiefe entdeckte Feld ist mit einem geschätzten Gasvolumen von 850 Milliarden Kubikmetern ein echter Gigant und der bisher grösste Gasfund im Mittelmeer.

Erdgasstreit im östlichen Mittelmeer

Erdgasstreit im östlichen Mittelmeer

Bohrmann ist nach eigenen Erkundungen des Meeresgrunds vor der Türkei überzeugt, dass es dort ebenfalls Gasfelder gibt. Der Professor hatte bei einer Forschungsmission am Anaximander-Gebirge vor Kas mit Kollegen Schlammvulkane gefunden, die Hinweise auf die Präsenz von Kohlenwasserstoffen unter dem Meeresboden gaben. Im Oktober will er mit einem deutschen Forschungsschiff aufbrechen, um den Meeresboden südlich von Kreta zu erforschen.

Auch wenn die strittigen Gebiete vor der Türkei weit vom Nildelta entfernt lägen, sei nicht ausgeschlossen, dass sich auch dort organisches Material aus dem Strom abgelagert habe, sagt Bohrmann. Aus geologischer Sicht sei es für die Türkei und Griechenland daher sinnvoll, die umstrittenen Gebiete näher zu erkunden. Politische Motive will er bei dem Streit aber auch nicht ausschliessen.

Eine Förderung wäre teuer und kompliziert

Auch der Energieexperte Robert Morris findet die Erforschung der Gebiete erst einmal sinnvoll. «Es gibt fraglos Potenzial, doch das Gebiet ist wenig erkundet, entsprechend hoch ist das Risiko», sagt der Analyst der Beratungsfirma Wood Mackenzie. Grosse Gebiete lägen unter einer dicken Salzschicht, die es schwierig mache, zu erkennen, was sich darunter befinde. Auch sei unklar, ob die Türkei mögliche Funde wirtschaftlich nutzen könne – zumal angesichts des derzeit niedrigen Gaspreises.

Das Meer ist in dem Gebiet bis zu 3000 Meter tief. Zwar verweist Bohrmann darauf, dass der technologische Fortschritt heute auch die Nutzung fossiler Ressourcen in grösserer Wassertiefe erlaube. Doch werde die Türkei ausländische Spezialfirmen engagieren müssen, um die Funde zu fördern, meint Morris. «Es gibt nicht viele solcher Firmen, und in solch einem heiklen Gebiet könnte es schwierig für die Türkei sein, sie ins Boot zu holen», sagt der Analyst.

Die türkische Ölgesellschaft TPAO unterhalte zwar im Gegensatz zu den allermeisten Ölkonzernen eigene Bohrschiffe und sei damit bei den Bohrungen unabhängig von den Diensten anderer Firmen. Auch habe sie jüngst mit dem Gasfund im Schwarzen Meer ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt, sagt Morris. Doch bei der Ausbeutung von Gasfunden in grosser Tiefe fehle TPAO die Erfahrung, so dass sie auf die Hilfe ausländischer Unternehmen angewiesen sei.

Politisch gewollt, kommerziell fragwürdig

Erdogan hatte im August verkündet, dass die Türkei im Schwarzen Meer «das grösste Gasfeld in der Geschichte der Türkei» gefunden habe. Das Ende Juli vom Bohrschiff «Fatih» rund 100 Seemeilen nördlich der türkischen Küste entdeckte Feld soll 320 Milliarden Kubikmeter umfassen. Gelingt es der Türkei, das Feld zu entwickeln, kann sie ihre Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten reduzieren, die das Land im vergangenen Jahr 41,2 Milliarden Dollar gekostet haben.

Aus rein kommerzieller Sicht, meint Morris, sei es sinnvoll, wenn sich die Türkei auf das Schwarze Meer konzentriere, wo es keinen Streit um Grenzen gebe. «Auch wenn es ebenfalls Tiefwasser ist, sind die kommerziellen Anreize im Schwarzen Meer stärker, während die geopolitischen Risiken weit geringer sind als im Mittelmeer», meint der Analyst. «Die Strategie der Türkei im östlichen Mittelmeer scheint mehr ein machtpolitisches als ein kommerzielles Spiel zu sein.»

Tatsächlich können die kommerziellen Interessen allein den hohen Einsatz der Türkei im «Gasstreit» kaum erklären. Vielmehr geht es Erdogan dabei auch darum, die Türkei als Seemacht zu etablieren. Hinzu kommt, dass der Konflikt ihm erlaubt, von der heimischen Wirtschaftskrise abzulenken und seine nationalistische Wählerbasis bei der Stange zu halten. Eine Einigung zur Aufteilung etwaiger Gasfunde wird daher kaum genügen, um diesen Konflikt zu lösen.

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