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Er verlor seine Tochter, seine Tante, seine Grossmutter: Das dramatische Leben von Ex-St.Gallen-Star Dejan Janjatovic

Es gibt in Corona-Zeiten Leute, die drehen am Rad, weil sie eine Maske tragen müssen. Und dann gibt es Menschen wie Dejan Janjatovic (29). Die behalten eine positive Einstellung, selbst wenn sie mit dramatischen Schicksalsschlägen konfrontiert werden.

Am 18. Juni vor vier Jahren verliert der langjährige Super-League-Profi seine Tochter Una. Drei Monate alt ist die Kleine, Komplikationen am Herzen. «Es ist damals vieles schief gelaufen, Una hatte ingesamt zwölf Operationen», sagt Janjatovic. Dann, an einem Sonntag, hört das kleine Herzchen auf zu schlagen, seither vergeht kein Tag, an dem er nicht an seine Tochter denkt.

Halt gibt ihm seine Frau Sandra. Und sein Sohn Matija (6). «Der Kleine ist clever, wenn er in der Schule gefragt wird, ob er Geschwister habe, sagt er ja. Und dass die Schwester im Himmel wohne», sagt Janjatovic. Kraft gibt ihm der Glaube. «Nur Gott weiss, wieso so etwas passiert. Am Ende ist alles Schicksal.»

Anderer Blick auf die Welt

Seit Unas Tod habe er einen anderen Blick auf die Welt. Und auf die Menschen. «Wenn ich jemanden sehe, der schlecht gelaunt oder zurückhaltend ist, dann verurteile ich ihn nicht. Weil ich nicht weiss, was er privat gerade durchmacht. Stattdessen versuche ich zu helfen.» Genervt ist Janjatovic von jenen Leuten, die wegen Lappalien jammern. «Es gibt Menschen, die kriegen Depressionen, weil sie während Corona nicht ins Restaurant dürfen.»

Er selbst ist positiv gestimmt. Aller Schicksalschläge zum Trotz. Kurz nach dem Tod seiner Tochter wird seine Tante in München auf offener Strasse von ihrem Ehemann mit mehreren Stichen ermordet, kurz darauf stirbt die geliebte Grossmutter. «Ich hatte sie sehr gern, aber ich konnte an der Beerdigung nicht weinen. Nicht nach allem, was ich zuvor erlebt hatte.»

An der Beerdigung seiner Tochter stand er unter Schock. Wichtig, dass ihm mit Goran Karanovic, Moreno Costanzo, Bernt Haas und Dzengis Cavusevic vier langjährige Weggefährten aus St. Galler und Vaduzer Zeiten zur Seite stehen. Karanovic reist extra aus Sochaux an, um seinen Freund zu unterstützen. «Dejan ist ein Herzensmensch, der dir immer hilft. Egal, wann und wo, er ist für dich da. Er ist positiv trotz aller Rückschläge, immer lustig, einfach ein guter Typ», sagt Karanovic. Dass er trotz Saisonvorbereitung bei Sochaux zur Beerdigung gekommen ist, sei selbstverständlich gewesen. «Es gibt Sachen, die sind viel, viel wichtiger als Fussball.»

Er trainierte unter Louis van Gaal

Sieht auch Janjatovic mittlerweile so. Er, der einst als Kind zum grossen FC Bayern kam und mit 15 zum besten Nachwuchsspieler des Vereins gewählt wurde. In der Jugend spielt er mit David Alaba und Emre Can zusammen, teilt in der deutschen U-Nati mit dem späteren Weltmeister Mario Götze das Zimmer, trainiert bei den Bayern mit der ersten Mannschaft unter Louis van Gaal. Sein damaliger Nachwuchstrainer sagte einst: «Einen Spieler mit diesem Potenzial hatte ich seit zehn Jahren nicht mehr. Wenn er bloss nicht so wahnsinnig faul gewesen wäre. Er hat sich zu sehr auf sein Talent verlassen.» Janjatovic muss schmunzeln. «Das stimmt, ich hätte mich vielleicht einen Tick professioneller verhalten, mehr beissen müssen.»

Trotzdem reichts für einen Vertrag bei den Bayern-Amateuren, 4000 Euro im Monat, Janjatovic aber lehnt ab, lässt sich von einem windigen Berater zu einem Wechsel nach Getafe überreden. Nach drei Monaten ist das Abenteuer vorbei. 2012 landet er beim FC St.Gallen, führt den Klub in die Europa-League-Gruppenphase, sorgt gegen Moskau, Valencia, Swansea und Krasnodar für magische Nächte. Der damalige Coach Jeff Saibene nennt Janjatovic «Boban», weil dieser ihn an den langjährigen Milan-Star Zvonimir Boban erinnert. «Er war ein Riesentalent, konnte das Spiel lesen, ist oft am richtigen Ort gestanden, hat eine unglaubliche Spielintelligenz.»

Zutaten, die es braucht, um irgendwann mal ein guter Trainer zu werden. «Das ist mein Ziel», sagt Janjatovic. Er wolle erstmal das Uefa-B-Diplom machen, irgendwann mal eine Juniorenmannschaft übernehmen, vielleicht beim FC St.Gallen – und später dann mal ein Super-League-Team trainieren.

Personal-Trainer in einer Tennis-Akademie

Nebenbei arbeitet Janjatovic als Personal-Trainer für Kinder und Erwachsene, ist bei der Ostschweizer Tennisschule Falkensteig engagiert, gibt Talenten Trainingseinheiten in Koordination und Kondition. Und er kickt – nach unzähligen Knieverletzungen und Meniskusproblemen – mittlerweile beim interregionalen Zweitligisten aus Rorschach-Goldach.

Am Sonntag kehrt der langjährige Super-League-Profi im Cup gegen den FC Basel wieder auf die grosse Bühne zurück. «Ich will dem FCB das Leben schwer machen», sagt Janjatovic. Die Luft reiche sicher für 90 Minuten, vielleicht auch für mehr. In der Runde zuvor schiesst Janjatovic beim 2:1-Sieg gegen Dardania Lausanne in der Verlängerung den Treffer zum Weiterkommen. Und er beschert den Amateuren von Rorschach am Sonntag das grösste Spiel ihres Lebens.

Er selbst hatte schon grössere Spiele. Damals, als der Fussball noch etwas vom Wichtigsten gewesen war. Damals, als verlorene Spiele, vergebene Torchancen noch an ihm nagten. Damals, als das Schicksal ihn noch nicht so hart getroffen hatte.

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