Switzerland

Einführung der digitalen Unterschrift und Englisch als Verwaltungssprache – das wünschen sich die Unternehmen vom E-Government

Grossunternehmen warnen davor, dass E-Government zu einer «Scheindigitalisierung» führen könnte. Die Abläufe sollten vereinheitlicht und nicht durch IT-Sonderlösungen verkompliziert werden.

Bis jetzt müssen die meisten Lehrverträge von Hand unterschrieben und mit der Post versendet werden, was zu Verzögerungen führt.

Bis jetzt müssen die meisten Lehrverträge von Hand unterschrieben und mit der Post versendet werden, was zu Verzögerungen führt.

Martin Ruetschi / Keystone

Was vor Corona undenkbar schien, war nach dem Ausbruch der Pandemie plötzlich möglich: Tausende Amtsstuben von Bund, Kantonen und Gemeinden blieben verwaist. Die Schweiz wurde praktisch von einem Tag auf den anderen aus dem Home-Office verwaltet. Und es hat funktioniert.

Ungenutztes Potenzial

Die Corona-Krise könnte jedoch noch besser gemeistert werden, wenn die Verwaltung stärker digitalisiert wäre. Man denke nur an die unsäglichen Faxmeldungen von Covid-19-Fällen ans Bundesamt für Gesundheit. Während des Lockdowns wären zudem viele Bürger und Unternehmer froh gewesen, wenn sie wichtige Dokumente digital hätten unterschreiben und Daten elektronisch an die Behörden hätten übermitteln können.

Obwohl die Schweiz im internationalen Vergleich über eine gute Infrastruktur verfügt, bestehen beim E-Government immer noch Defizite. Wo das grösste Potenzial aus Sicht der Wirtschaft liegt, zeigt eine Studie des Instituts für Verwaltungsmanagement an der ZHAW Winterthur und des Beratungsunternehmens KPMG. «Bisher fehlten die Stimme der Wirtschaft – insbesondere jene der Grossunternehmen – und die Antwort auf die Frage, wie eine stärker digitalisierte Verwaltung die Kosten für die Unternehmen senken kann. Denn klar ist: Digitale Verwaltungsdienstleistungen senken die Kosten nachhaltig und erhöhen die Standortattraktivität», erklärt Marc-André Giger, Leiter Public Sector bei KPMG.

Noch vor Ausbruch der Corona-Krise befragten die Studienautoren Vertreter von IBM Schweiz, Migros, Nestlé, Novartis, SBB, Swisscom, Swiss Life und Zurich Insurance. Die Aussagen der Interviewten bilden nicht die Haltung der ganzen Schweizer Wirtschaft ab, sie geben jedoch interessante Hinweise darauf, wo konkrete Verbesserungspotenziale bestehen.

Alle Interviewten sind sich einig, dass eine Digitalisierung per se keinen Mehrwert für die Wirtschaft bringe. Im Gegenteil könne das Zusammenwirken zwischen Behörden und Firmen komplexer und mühevoller werden, wenn Kantone und allenfalls sogar Städte und Gemeinden Einzellösungen für ihre E-Government-Angebote wählten, befürchten die Befragten. Eine «Scheindigitalisierung», bei der einfach analoge in digitale Prozesse umgewandelt würden, werde den Bearbeitungsaufwand nicht verringern, sondern allenfalls sogar komplexer machen.

Lebensmittelalarm direkt zur Behörde

Parallel zur Digitalisierung müssten die Regulierungen harmonisiert, die Bearbeitungsprozesse standardisiert, die Benutzerfreundlichkeit verbessert werden und eine technische Synchronisierung erfolgen. Erst dann würde der Austausch zwischen den Unternehmen und den Behörden verbessert. Sollte dies gelingen, könnten bei Unternehmen Kosten unmittelbar gesenkt, die Standortattraktivität der Schweiz mittelbar erhöht und gleichzeitig Effizienz- und Effektivitätssteigerungen in der Verwaltung erzielt werden.

Wünschenswert aus Sicht der teilweise global tätigen Konzerne wäre zudem eine gewisse Internationalisierung. Grosses Optimierungspotenzial sehen die befragten Firmenverantwortlichen darin, die generelle Kommunikation mit der Verwaltung in englischer Sprache führen zu können.

In der Studie werden auch konkrete Beispiele genannt, wie die bürokratischen Prozesse einfacher und effizienter gemacht werden sollen. So braucht es für den Abschluss eines Lehrvertrags zurzeit drei bis vier handschriftliche Unterschriften: jene des Lernenden, jene des Ausbildungsunternehmens, jene der kantonalen Behörde und in vielen Fällen auch jene des gesetzlichen Vertreters.

So würde es beispielsweise die SBB begrüssen, wenn per digitale Verwaltung die durchgängig elektronische Bearbeitung der Lehrverträge möglich gemacht würde. Gleichzeitig sind die befragten Firmenvertreter der Meinung, dass auch der «analoge» Weg offengehalten werden soll. Jenen jungen Menschen, die keine digitale Post empfangen können, zu Hause keinen Zugang zu einem Computer mit genügender Internetverbindung oder praktische Schwierigkeiten im Umgang mit der digitalen Signatur haben, soll der Zugang zu einem Ausbildungsplatz nicht verwehrt werden.

Von der Migros kommt ein innovativer Vorschlag im Bereich Sicherheit von Nahrungsmitteln. Um die Hygiene der Lebensmittel rund um die Uhr sicherzustellen, hat der Grossverteiler zur Qualitätssicherung unternehmensintern ein Alarmsystem eingeführt. Dieses erfasst nicht nur sämtliche Filialen, sondern auch die Herstellerbetriebe. Die Migros regt an, auch die Verwaltung in dieses Alarmsystem einzubinden. So könnten die zuständigen Behörden in Zukunft schneller reagieren, wenn bei einer Kontrolle etwa mit krankheitserregenden Listerien befallener Käse entdeckt werde.

Für Novartis wäre die Einführung einer E-ID, verbunden mit einer elektronischen Signatur, eine grosse Erleichterung. Dies unter anderem im Zusammenhang mit Bauvorhaben. Schweizweit hat das Basler Pharmaunternehmen rund 85 Neu- und Umbauprojekte gleichzeitig am Laufen. In der Regel müssen die Baueingaben schriftlich in Papierform und mit handschriftlicher Unterschrift eingereicht werden. Dies wirkt für das global tätige Unternehmen bremsend, sind doch die wenigen unterschriftsberechtigten Mitarbeitenden häufig auf Reisen und physisch nicht anwesend.

Elektronische Identität als Schlüssel

Wie ein roter Faden zieht sich die Forderung nach einer raschen Etablierung einer elektronischen Identität (E-ID) oder eines digitalen Passes durch die Antworten der Unternehmen. Nach einem langen parlamentarischen Prozess nähert sich dieses Vorhaben der Ziellinie. Allerdings könnte das Projekt noch scheitern. Die Gruppierung Digitale Schweiz hat nämlich erfolgreich das Referendum gegen das Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste ergriffen.

Die Gegner kritisieren, dass dieser digitale Pass künftig durch private Unternehmen ausgestellt werden kann. Im Visier haben sie die SwissSign Group, die bereits heute die Swiss ID herausgibt. Zu diesem privaten Konsortium gehören unter anderen SBB, Post, Swisscom, die Grossbanken sowie zahlreiche grosse Versicherungsgesellschaften. Zur Abstimmung kommt es frühestens im kommenden März. Unterstützt wird das Referendum von SP, Grünen, Piratenpartei, VPOD, Internet Society Switzerland, Verein Public Beta, Grundrechte.ch sowie Seniorenorganisationen.

Bereits bevor der Abstimmungskampf begonnen hat, versucht der Netzaktivist Daniel Graf möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu mobilisieren. Zu diesem Zweck findet gegenwärtig eine Art Online-Vernehmlassung über den Text statt, den die Gegner im Abstimmungsbüchlein veröffentlichen wollen.

Football news:

Barcelona-die erste Mannschaft, für die zwei 17-jährige Spieler Im Champions-League-Spiel erzielten
Die Entwicklung von Atalanta hat einen entscheidenden Punkt erreicht: der Klub wird sich bald entweder zu Napoli oder zu Roma entwickeln. Miranchuk ist ein Symbol für Veränderungen
Sharonov trat in den Trainerstab von Zypern Paphos
Juran führte Chabarowsk SKA
Brügge-Stürmer Dennis über Zenit: ich habe gesagt, dass ich nur Grandas Tore, aber es war ein Witz
PSG-Verteidiger Kimpembe über das 1:2 gegen Manchester United: wir können nur uns selbst die Schuld geben
Lopetegui über das 0:0 gegen Chelsea: Sevilla zeigte ein gutes Teamspiel