Switzerland

Einfachere Medikamentenimporte: Pharmafirmen fürchten sich vor günstiger Konkurrenz

Am Dienstag debattiert die Gesundheitskommission des Ständerats über vereinfachte Importe von Medikamenten. Die Branche sieht Jobs und Versorgungssicherheit in Gefahr.

Können Medikamente bald einfacher in die Schweiz importiert werden? Darüber diskutiert diese Woche die Gesundheitskommission des Ständerats.

Können Medikamente bald einfacher in die Schweiz importiert werden? Darüber diskutiert diese Woche die Gesundheitskommission des Ständerats.

Bild: Keystone

Die steigenden Krankenkassenprämien sind für viele eine grosse Last. Seit Jahren gibt es Pläne, wie die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt werden können. Bisher ohne Erfolg.

Eine Idee dabei: Medikamente sollen einfacher aus dem Ausland importiert werden können. Die Pharmabranche läuft Sturm gegen diesen Vorschlag. Ihre Argumentation: Die Versorgungssicherheit sei in Gefahr, Jobs würden verloren gehen.

Jährlich sollen 500 Millionen Franken gespart werden können

Die Idee aufgebracht hat Philippe Nantermod, FDP-Nationalrat aus dem Kanton Wallis. Sein Plan: Ein im Europäischen Wirtschaftsraum zugelassenes Nachahmerprodukt soll in die Schweiz importiert werden können, ohne spezielle Zulassung der Swissmedic, wie es heute nötig ist.

Das gesamte Einsparpotenzial beträgt laut Nantermod jährlich 500 Millionen Franken. Unterstützt wird seine Idee von Patientenorganisationen, den Krankenkassenverbänden Curafutura und Santésuisse, und auch der Preisüberwacher Stefan Meierhans hat Sympathien für den Vorstoss.

Der Nationalrat folgte einer Motion von Nantermod in der Frühlingssession. Diese Woche ist sie Thema in der zuständigen Kommission im Ständerat.

Tessiner Pharmafirma warnt

Im Hintergrund formiert sich Widerstand der Pharmabranche gegen die Pläne, wie der «SonntagsBlick» berichtete. Dagegen lobbyieren der Branchenverband Intergenerika, der Apothekerverband Pharmasuisse sowie die beiden Pharma-Branchenverbände Interpharma und Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz – die geballte Ladung Pharmalobbying also.

Was die Firmen befürchten, lässt sich am Beispiel der Firma Ibsa aufzeigen. Sie produziert mehrheitlich im Tessin und unterhält eine Fabrik in Italien. Mit rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielt die Firma einen Umsatz von rund 600 Millionen Franken, davon 60 Millionen in der Schweiz.

Das wohl bekannteste Produkt von Ibsa ist Flector EP Tissugel, direkt hinter Voltaren Forte die Nummer zwei auf dem Markt. Ibsa ist kein klassischer Generikahersteller, sondern entwickelt und produziert gestützt auf Wirkstoffen, die nicht mehr patentgeschützt sind, Medikamente. Von diesen bietet sie neue, praktischere Darreichungsformen an.

«In den letzten 15 Jahren wurde auf unserem Buckel gespart. Jetzt geht es ans Lebendige.»

Malesa U. Sidjanski, Ibsa Schweiz

Malesa U. Sidjanski ist Chef des Schweizer Arms der Firma. Er sagt: «In den letzten 15 Jahren wurde auf unserem Buckel gespart. Jetzt geht es ans Lebendige.» Wenn diese Importe ermöglicht werden sollten, würden wiederum die Preise gedrückt. Mit laut Ibsa-Schweiz-Chef absehbaren Folgen: Es würden weniger Medikamente in der Schweiz produziert, darunter auch solche, die die Grundversorgung sicherstellen.

Sidjanski erklärt es am Ibsa-Produkt Tirosint. Das Medikament wird etwa bei einer Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt. Das Präparat wird in Lugano hergestellt. Durch Direktimporte kämen plötzlich Konkurrenzprodukte auf den Markt, «die in Ländern produziert wurden, die viel günstiger produzieren können als wir hier im Tessin».

Das heisst laut Sidjanski: «Wenn wir bei Tirosint die Preise stark senken müssten wegen der Importe, dann müssten wir Leute entlassen, die das Präparat in der Schweiz herstellen, das sind rund fünfzig.»

«Ich bezweifle, dass die Unternehmen in der Schweiz Arbeitsplätze abbauen müssen.»

Philippe Nantermod, FDP-Nationalrat

Für Ibsa bitter: Soeben baut die Firma in Lugano für 120 Millionen Franken Werke mit verschiedenen neuen Produktionslinien. «Die haben wir vor sechs, sieben Jahren angefangen zu planen, unter den damaligen Voraussetzungen», sagt Sidjanski.

«Ändern sich diese nun und es gibt noch mehr Druck auf unsere Preise, haben wir ein Problem: Wir müssen weiter in Lugano produzieren, schliesslich haben wir ja dort viel Geld investiert. Gleichzeitig bricht unsere Marge weg.» FDP-Nationalrat Philippe Nantermod sagt dazu: «Ich bezweifle, dass die Unternehmen in der Schweiz Arbeitsplätze abbauen müssen. Nur wenige Generika werden in der Schweiz hergestellt.»

Auf der anderen Seite sei es für die Firmen möglich, Preise zu verlangen, die sich an denen der Nachbarländer orientieren, um Parallelimporte zu verhindern. Und: Die Einsparungen im Gesundheitswesen führten zu Produktivitätssteigerungen, die wiederum neue Arbeitsplätze schaffen, so Nantermod.

Parallelimporte sollen Versorgungssicherheit erhöhen

Eine andere Auswirkung laut Sidjanski: Importiert würden nur lukrative Darreichungsformen, mit denen am meisten Umsatz gemacht wird. So beim Schleimlöser Solmucol. Ibsa bietet hier unter anderem die Möglichkeit für Ärzte, das Medikament direkt in den Lungen anzuwenden. «Das könnten wir in Zukunft nicht mehr produzieren. Bereits heute querfinanzieren wir das kassenpflichtige Solmucol mit dem freiverkäuflichen Solmucol Erkältungshusten.» Entsprechend würde das Präparat nicht mehr in der Schweiz hergestellt werden.

Das Problem sehe man jetzt in der Pandemie deutlich: Gewisse Grundversorgungsprodukte würden damit unter Umständen knapp, wenn sie nicht mehr in der Schweiz hergestellt würden. Das betreffe nicht nur Produkte von Ibsa, sondern auch von anderen Firmen wie Streuli oder Zeller.

Philippe Nantermod hält dagegen. «Parallelimporte verstärken die Lieferketten und damit die Versorgungssicherheit», sagt er. Die Logik dahinter ist: Können mehr Medikamente einfacher importiert werden, kommt es zu keinem Engpass.

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