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Eine Karriere wie eine Mondlandung – Argentiniens Fussball-Legende Diego Maradona ist tot

Der «Goldjunge» war einer der grandiosen Fussballer der Geschichte. Er führte ein wildes Leben voller Skandale. Nun ist der Argentinier im Alter von nur 60 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Diego Armando Maradona, aufgenommen 1987.

Diego Armando Maradona, aufgenommen 1987.

Ferdi Hartung / Imago

Der argentinische Zauberfussballer starb kurz nach seinem 60. Geburtstag und einem wilden, tragischen Leben wie ein unaufhörlicher Fortsetzungsroman zwischen Glanz und Selbstzerstörung. Fussball war für den Pibe de oro, den Goldjungen, kindlicher Ernst, er blieb ein ewiges Wunderkind, schlau und trotzig , stolz und verspielt. Er war mit dem Ball der Verführer der Massen und ohne Ball der Verführte durch die Kehrseiten des Ruhms. Das Spiel mit dem Tod, der ihm mehrmals sehr nahe rückte, schien er immer gewinnen zu können mit seiner unerschöpflichen Vitalität. Am Mittwoch war Diego Maradonas Leben in seinem Haus in Tigre am Delta des Rio Parana laut seinen Ärzten wegen der Komplikationen nach einer Hirnoperation medizinisch nicht mehr zu retten.

Schlauheit ist entscheidend

Die unvergesslichen Szenen seiner Karriere entsprachen gewissermassen der Mondlandung des Fussballs. In einer Zeitspanne von knapp fünf Minuten beging Maradona damals im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt im Viertelfinal der Weltmeisterschaft von 1986 gegen die Engländer die kleine Kriegslist (was bedeutete sie schon gegen die Schmach des Abzugs der argentinischen Militärs von den Falklandinseln), ein Tor mit der geballten Hand zu erschleichen, mit der «Faust Gottes», wie er blasphemisch verkündete. «Fussball ist das Spiel der Täuschung», lautet seine Erkenntnis. Schlauheit ist entscheidender als jede Taktik oder Philosophie oder das schlechte Gewissen.

Aber nach dem Betrugsmanöver zeigt Maradona der Welt die andere Seite seines Charakters, Mut und Aufopferung, das Alles-auf-eine-Karte-Setzen, das die Schweizer vielleicht an die Sagengestalt Winkelried erinnert. Er nimmt mit dem Ball am Fuss Anlauf in der eigenen Platzhälfte, rennt wie in Trance an sieben Engländern vorbei und trickst auch noch den bedauerlichen Torhüter Peter Shilton aus, in dem noch die Wut über das Handsgoal kocht. Maradona führt seine Mannschaft schliesslich zum Titel mit dem 3:2-Finalsieg gegen die Deutschen Franz Beckenbauers.

Für Maradona ist es unter Trainer Carlos Bilardo, einem Kinderarzt, die Kompensation für die kindliche Kränkung, die ihm 1978 der damalige Nationalcoach Luis Cesar Menotti vor der WM im eigenen Land zugefügt hatte, indem er den 16-jährigen Dieguito im letzten Moment aus dem Kader gestrichen hatte. Das war auch der Grund seiner eifersüchtigen Feindschaft mit Pelé, dem andern, dem brasilianischen Weltstar, dessen Stern mit 17 Jahren an der WM 1958 in Schweden aufgegangen war – eine Rivalität auf Lebenszeit, obschon die beiden zwanzig Jahre Altersunterschied trennt und sie nie gegeneinander spielten.

Eine rührende Geste blieb ausserhalb Argentiniens fast unbemerkt: Maradona hatte darauf bestanden, dass sein Jugendidol Ricardo Bochini, ein Veteran mit Glatze und Gewichtsproblemen, zur WM mitgenommen wurde, und im Halbfinal gegen Belgien führten die beiden mit dem Ball während der Schlussminuten ein kleines Tänzchen auf. Seine Mannschaften gingen für ihn durchs Feuer.

In Teufels Küche in Barcelona

Während Pelé seine Karriere in Brasilien verbracht hatte, kam Maradona mit 22 Jahren nach einem Fiasko an der WM 1982 unter Menotti nach Barcelona und geriet in Teufels Küche, zuerst mit einer schweren Hepatitis, später zertrat ihm der «baskische Schlächter» Andoni Goikoetxea das Fussgelenk. Während der monatelangen Heilungszeit in der fremden Stadt wurde Maradona offenbar vom Arzt mit aufmunternden Kokaindosen versorgt, und seither galt er als drogenabhängig. Sein privater Starkult verschlang Unsummen, aber in Argentinien besass er bereits drei Wohnblöcke, drei Sportwagen, vierzig Paar italienische Schuhe und 50 Masshemden. Sein Abschied verlief traumatisch: Unter den Augen von König Juan Carlos zettelte er im spanischen Cup-Final gegen seinen Peiniger eine Privatrache an.

Barcelonas Präsident Josep Lluis Nuñez erhielt für Maradona eine einzige Offerte, 10,5 Millionen Dollar, aber es war ein Rekordbetrag, und er kam aus Neapel. Dass er danach in der Metropole am Vesuv überlebte, war eines der Wunder seines Lebens. Die Einwohner feierten ihn wie einen Erlöser, er war Held und Opfer seiner Einmaligkeit. Maradona ist Neapel, Neapel ist Maradona, obwohl er aus Villa Fiorita herkommt, einer Villa Miseria im Aussengürtel des Molochs Buenos Aires, wo der Himmel nie ganz hell wird wegen der brennenden Abfalldeponien. Sein Vater hat indianische Vorfahren und arbeitet in einer Knochenmühle. Diego erhält als Dreijähriger von einem Onkel einen richtigen, riesengrossen Fussball geschenkt, mit dem er nachts auf dem Boden schläft und tagsüber spielt wie mit einem Hund.

Im wunderbaren, rasanten und melancholischen Dokumentarfilm des britischen Regisseurs Asif Kapadia, der letztes Jahr in den Kinos lief, einem wahren Höllenritt mit Abstürzen und Skandalen, hat Maradona mit bisweilen versagender Stimme sein Leben in Bildern kommentiert. Wie er mit elf die Pausenattraktion der Argentinos Juniors wird. Die Geschichte mit seinem Jugendfreund Jorge Cyterszpiler, dem er das Studium finanziert und der sein erster Manager wird – und wie die Nummer für sie zu gross wird (Cyterszpiler beging vor zwei Jahren Selbstmord). Mit 15 spielt er in der ersten Mannschaft, bald holen ihn die Boca Juniors, dann dringt sein junger Ruhm nach Spanien.

Neapel als Schicksal

Aber sein Schicksal ist Neapel. Napoli kann mit Maradona die Vorherrschaft der Grossklubs Juventus, Milan und Internazionale brechen, gewinnt 1987 und 1990 die Meisterschaft, und Maradonas Dopingproben verschwinden irgendwo oder werden von den Mitspielern ausgetauscht. Diese Komplizenschaft ist auch Motivation. Maradona ist nachts unterwegs, die junge Generation der Camorra, der lokalen Mafia, schmückt sich mit dem Liebling der Götter. Am späten Nachmittag trainiert er oft allein mit dem Privattrainer in der Tiefgarage. An der WM 1990 in Italien ist er plötzlich der Fremde und der Feind, Argentinien wirft Italien im Halbfinal aus dem Turnier. Amore finita. Der Koksskandal. Über Nacht flüchtet er 1991 nach Buenos Aires, landet im Gefängnis.

Er rappelt sich auf, an der WM 1994 scheint ein grosses Comeback bevorzustehen, doch er bleibt in der Dopingkontrolle hängen, ausgerechnet wegen einer Abmagerungspille. Ein Jahr danach, als er Spielertrainer von Racing ist, retten ihn die Ärzte unter das Sauerstoffzelt, als er gegen eine Überdosis Kokain kämpft. Maradona spielt noch Fussball, bis er 36 ist. Die italienischen Steuerbehörden fordern von ihm Millionenbeträge ein, denn in Neapel haben sie ihn über alle die Jahre mit einem Brutto-statt-netto-Vertrag hereingelegt.

Er anerkennt einen ausserehelichen Sohn. Er nimmt masslos an Gewicht zu, quält sich durch Hunger- und Entziehungskuren in Havanna, wo ihn Fidel Castro, der in seiner Jugend Baseballprofi werden wollte, fasziniert zu nächtlichen Gesprächen empfängt. In Buenos Aires schiesst er auf die Reporter, vor zwanzig Jahren erleidet er seinen ersten Herzinfarkt.

Krankheiten häufen sich, sein Gesundbrunnen ist der Fussball, er wird Nationalcoach, erkennt die Grösse des kleinen Messi, den er bewundert, und Messi scheitert vielleicht an Maradona, dem erfolglosen Trainer, der später noch in den Emiraten und Weissrussland Geld damit verdient, dass er Maradona ist.

Aber Maradonas Magie entfernt sich vom Fussball ins Transzendentale. Argentinien ist ein junges Land mit einer kurzen Geschichte mit tragischen Helden, die noch nicht lange tot sind. Seine nationalen Identifikationsfiguren werden an der Tragik ihrer Biografie gemessen, an der rasch verbrannten Vita. Es sind Überlebensfiguren wie der Tangosänger Carlos Gardel, der 1935 in Caracas in den Tod flog und von einer Million Menschen erwartet wurde. Wie die schöne Evita Peron, die mit 33 an Krebs starb, wie der Revolutionär und Mediziner Che Guevara aus Rosario.

Makabrer Totenkult

Dieser makabre Totenkult aus Todessehnsucht und Selbstzerstörung macht aus dem wunderbaren begnadeten Fussballer Diego Armando Maradona den Nationalhelden, den das Land betrauert und die ganze Welt bedauert. Adios, Diego.

Als Maradona in der Schweiz spielte:

Sein Match im Letzigrund gegen kecke Wettinger

(sda) Im Herbst 1989 gab Diego Armando Maradona ein Gastspiel in der Schweiz. Er war damals der Schlüsselspieler und grösste Star der SSC Napoli. Für die 2. Runde im damaligen Uefa-Cup bekamen die Italiener den Underdog FC Wettingen zugelost. Für das Hinspiel musste der FCW von der alten Altenburg in den Letzigrund nach Zürich ausweichen.

Die Wettinger trotzten dem hohen Favoriten um den Dreizack Maradona/Careca/Carnevale ein 0:0 ab. Noch erstaunlicher war die Darbietung der Aargauer im Rückspiel. Maradona fehlte im Kader. Er habe aus disziplinarischen Gründen intern gesperrt werden müssen, hiess es – was immer dies bei der schillernden Figur bedeutet haben mochte. Es stand 1:1, als der italienischstämmige maltesische Schiedsrichter Azzopardi nach 75 Minuten einen Foulpenalty für Napoli «erfand». Mit dem 2:1 kam Napoli weiter. Das 1:1 hätte die Sensation bedeutet.

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