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Ein Psychiater erklärt: Tipps gegen die innere Unruhe in Corona-Zeiten

Das Leben vieler spielt sich derzeit daheim ab, mit regelmässigen Gängen zum Kühlschrank. Woher kommt die permanente Snacklust?

Oft ist Stress die Ursache. Angst vor Ansteckung, Zukunftsängste, Kinder, die betreut werden müssen: Dieser Stress äussert sich auch in körperlicher Anspannung, die durch Stresshormone wie Kortisol vermittelt wird. Ein einfaches Mittel zur Beruhigung ist Essen, vor allem von hochkalorischen Nahrungsmitteln. So werden Wohlfühltransmitter wie Endorphine und Serotonin freigesetzt, die den negativen Gefühlen entgegenwirken.

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Wie gehst du mit der derzeitigen Belastung um?

Wie kann man die Snacklust in den Griff bekommen?
Menschen, die momentan dem Kühlschrank-Inhalt kaum widerstehen können, rate ich, bereits nach dem Aufstehen einen Mahlzeitenplan zu erstellen und sich zu überlegen, was sie kochen möchten. Das hilft auch bei der Tagesstrukturierung und einer ausgewogenen Ernährung. Den Körper in einen wiederkehrenden Rhythmus von Tagesstruktur und Mahlzeiten zu bringen, kann aufkommende Panik beruhigen.

Während die einen zunehmen, nutzen die anderen diese Zeit, um sich selber neue Fitnessziele zu setzen. Schafft das nicht zusätzlichen Druck?
Jeder Mensch hat eigene Methoden, die ihm in der Vergangenheit geholfen haben. Bestehende Routinen sollten so weit wie möglich aufrechterhalten werden. Wer aber merkt, dass sein Bewältigungsverhalten – wie beispielsweise der Sport – zu viel wird und sogar zu noch mehr Ängstlichkeit führt, der sollte sich ganz gezielt die Frage stellen: Wie kann ich gut für mich sorgen?

Wie denn?
Dies kann soziale Unterstützung im Freundes- und Familienkreis sein, zurzeit vor allem auch über elektronische Medien. Aber auch Entspannungsübungen mit Achtsamkeits-Apps.

Laster, um negative Gefühle zu vermeiden


Was sind neben Snacken und Sport andere Verhaltensmuster, die nun ungesund werden können?
Häufig nutzen wir unsere Laster, um negative Gefühle zu vermeiden: Alkohol, Shoppen, Porno. Diese Verhaltenssüchte können sich momentan verstärken, als Lösungsversuch für den vermehrten Stress. Aber auch andere Zustände, die mit Sorgen einhergehen, können zunehmen: Depressionen, Ängste, Süchte bis hin zu Psychosen.

Gibt es Möglichkeiten, negative Gefühle einzudämmen?
Ein Faktor, der unsere Sorgen immer neu befeuert, ist ein ängstliches Kontrollieren der neusten Berichterstattung, oder schlimmer noch: Whatsapp-Gerüchte. Um dem entgegenzuwirken, kann es hilfreich sein, sich den Medienkonsum einzuteilen und beispielsweise nur noch zweimal täglich News zu lesen.

«Ich will etwas Süsses», «Mir ist alles zu viel», «Ich sollte Sport machen»: Was hilft gegen das ständige Gedankenkarussell?
Setze dir konkrete Ziele: Vielleicht nutzt du die auferlegte Isolation, um Tagebuch zu schreiben oder etwas Neues zu lernen? Versuche, dich nachhaltig zu beruhigen, anstatt impulsiv zu handeln. Spaziergänge in der Natur oder auch das Rückbesinnen auf Bücher ohne Bezug zur Coronakrise können jetzt helfen.

Und was, wenn man nicht aus Stress, sondern ganz einfach aus Lust oder Langeweile snackt oder online shoppt?
Behalte die Konsequenzen deines Verhaltens im Auge. Ein gesunder Mensch darf selbstverständlich jeden Tag ein wenig Schokolade essen, genauso wie Leute, die sonst vielleicht nie zum Online-Einkaufen kommen, sich etwas gönnen dürfen. Wer aber eh schon einen hohen Blutdruck hat oder mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat, sollte nicht sagen: «Jetzt ist eh alles egal», sondern sich fragen: «Was tut mir jetzt wirklich gut?»

(gss)

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