Switzerland

Ein Meister des Verstandes, des Geldes und Leonardo Genonis

Leonardo Genoni hat nach Davos und dem SCB auch den EVZ zum Meister gemacht. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Ein Meister des Verstandes, des Geldes und Leonardo Genonis

Der EV Zug ist der verdiente und logische Meister einer Saison ohne Zuschauer. Und Torhüter Leonard Genoni der einflussreichste Einzelspieler dieses Jahrhunderts.

Wer Meister wird, hat alles richtig gemacht. Also verneigen wir uns vor dem EV Zug, dem Meister von 2021.

Zu klären ist nur noch die Frage: Warum Zug? Was steckt hinter diesem Erfolg? Ist es Glück? Ein Wunder oder der logische Ausgang einer durch die Viruskrise durcheinandergebrachten Meisterschaft? Ist es ein Triumph der Herzen und Emotionen oder mehr einer des Verstandes und des Geldes?

Zugs zweiter Titel nach 1998 ist ein Triumph des Verstandes und des Geldes. Verstand und Geld sind die wichtigsten Zutaten zu einem Meister-Menu. Das wird oft unterschätzt. Seit Einführung der Playoffs hat nie ein Aussenseiter triumphiert. Auch nicht Ambri oder Gottéron, die mit so viel Emotionen, unendlicher Leidenschaft und grossen Herzen bis in den Final gekommen und dort gescheitert sind.

Das Geld, reichlich vorhanden in einem der reichsten «Stadtstaaten» der Welt, ist die Voraussetzung für eine perfekte Infrastruktur und die Rekrutierung des richtigen Personals.

EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel hat die Grundlagen für den Meistertitel geschaffen. Bild: keystone

Dass Geld allein aber nicht reicht, zeigen die Beispiele von Lugano (seit 2006 nie mehr Meister) oder Lausanne (noch nie Meister). Es braucht auch den Verstand. Die Weitsicht und die Geduld der Investoren um Präsident Hans-Peter Strebel und den Sachverstand seiner «Bürogeneräle». Ja, das Drehbuch dieses «Making of a Champion» kann als Lehrmittel in jeder Sportmanagement-Hochschule hinterlegt werden.

Die Finalniederlage von 2019 gegen den SC Bern war bitter. Darauf haben die Zuger nicht mit Aktionismus reagiert. Sondern mit Gelassenheit. Die, die 2019 gescheitert sind, haben die Chance erhalten, aus dem Versagen zu lernen. Und sie haben die richtigen Schlüsse gezogen.

Tangnes kriegt die nötige Zeit

Zug hat Dan Tangnes, den Finalverlierer von 2019 die Chance gegeben, ein Champion zu werden – und der charismatische Kommunikator hat sie genutzt. Ein moderner Trainer, der nun nicht mit taktischen Winkelzügen oder einem revolutionären Spielsystem triumphiert hat.

Zug spielt modernes, schnelles Hockey. Mit der Präzision von Landvermessern und jener Entschlossenheit, die es in einem unerbittlichen Wettstreit braucht, der von kräftigen Männern in ritterähnlichen Ausrüstungen, eisenbewehrten Füssen und Stöcken in der Hand ausgetragen wird. Taktik und System sind Grundvoraussetzungen für das Trainerhandwerk.

Dan Tangnes durfte trotz Finalniederlage gegen Bern 2019 in Zug bleiben. Bild: keystone

Die Differenz zwischen einem guten und einem erfolgreichen Trainer ist hier ein «weicher» Faktor: Die Fähigkeit von Dan Tangnes, die Emotionen in der Kabine und auf der Spielerbank zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass im entscheidenden Moment mit Leidenschaft das beste Hockey gespielt wird. Nie war Zug in diesem Jahrhundert geduldiger, schlauer und härter als in diesem Final.

Die Dämonen des Zweifels vertrieben

Aber eine Besonderheit des Eishockeys – wir können auch sagen eine Ungerechtigkeit – ist die Abhängigkeit vom letzten Mann. Vom Torhüter. Ein Transfer ist das letzte Teilchen, das über all die Jahre zu einem Meister-Puzzle gefehlt hat. Die Verpflichtung von HCD- und SCB-Meistergoalie Leonardo Genoni im Sommer 2019.

Nie hat ein Transfer unsere Hockeylandkarte stärker verändert. Mit Leonardo Genonis Abschied ist in Bern eine meisterliche Dynastie (drei Titel in vier Jahren) eingestürzt wie ein Kartenhaus. Und mit Leonardo Genoni ist in Zug eingekehrt, was dieser Organisation seit 1999 gefehlt hat: Die unerschütterliche Gewissheit, gut genug für den Titel zu sein. Leonardo Genoni hat in Zug die Dämonen des Zweifels aus der Arena vertrieben.

Unscheinbar, aber äussert souverän und konstant: Leonardo Genoni. Bild: keystone

Nun können wir einwenden: Halt, Eishockey ist der letzte wahre Mannschaftsport. Noch viel mehr als im Fussball ist ein Hockey-Team wie eine Familie, die am Abend nur zum Schlafen nach Hause geht und am nächsten Tag wieder zusammenfindet. Das ist richtig. Aber alles beginnt und alles endet trotzdem mit dem Torhüter und mit einer Persönlichkeit, die eine unerschütterliche Zuversicht ausstrahlt. Die dann, wenn es zählt, die beste Leistung abruft. Mit einem Leitwolf wie Leonardo Genoni.

Meister-Macher Leonardo Genoni

Mit diesem Transfer hat Sportchef Reto Kläy das Fundament für den Titelgewinn gelegt. Anschliessend waren nur noch ein paar Transfer-Handgriffe notwendig, um eine Meister-Mannschaft zusammenzustellen.

Dass Leonardo Genoni der wichtigste Spieler der neuen Meister-Mannschaft ist, sehen wir an den Resultaten. Zugs Sturm war in diesem intensiven, taktisch hochstehenden Final nur noch ein laues Lüftchen. In diesem Final hatte die defensive Organisation das Primat über die offensive Herrlichkeit. Nicht die Stürmer haben den Final entschieden. Die Zuger verdanken den Titel ihrem Goalie.

Die EVZ-Fans im Freudentaumel. Bild: keystone

Und nun wissen wir auch, warum bisher im Playoff-Zeitalter nur Teams mit viel Geld Meister geworden sind: Leonardo Genoni ist der teuerste Goalie der Liga-Geschichte und der einflussreichste Einzelspieler des Jahrhunderts. Nie ist so viel Geld – gut und gerne 800'000 Franken Jahressalär – besser investiert worden als beim Genoni-Transfer.

DANKE FÜR DIE ♥

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren

(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

5 CHF

15 CHF

25 CHF

Anderer

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 71

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

quelle: keystone / fabrice coffrini

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Feuerwerk um 3 Uhr morgens – das Playoff-Märchen der SCRJ Lakers geht weiter

Die Rapperswil-Jona Lakers sind in den Playoffs weiter nicht zu bremsen. Nach Biel schalten die St.Galler auch das klar favorisierte Lugano aus und stehen zum zweiten Mal in der Klubgeschichte im Halbfinal.

Als am 13. Februar dieses Jahres die Meldung die Runde machte, die Rapperswil-Jona Lakers würden die Zusammenarbeit mit ihrem Erfolgscoach Jeff Tomlinson nicht über die laufende Saison hinaus verlängern, rieben sich viele die Augen. Immerhin hatte der Deutschkanadier die St.Galler 2018 zurück in die National League und im selben Jahr als Unterklassiger zum Cuptitel geführt. Der Klub begründete den Entscheid damit, dass «der Zeitpunkt für einen Wechsel und den nächsten Schritt gekommen ist.»

Am …

Link zum Artikel

Football news:

Griezmann über Ronaldo: Er ist einzigartig und perfekt, inspiriert uns alle. Er ist ein Vorbild für den französischen Nationalspieler Antoine Griezmann, der sich über Portugals Stürmer Cristiano Ronaldo austauscht
Roberto Mancini: Italien hätte nicht unbedingt gewinnen müssen, aber wir haben trotzdem um den Sieg gekämpft. Das ist wichtig. An eine bessere Leistung könne man nicht denken. Wir hätten vielleicht mehr Tore schießen können, aber es war sehr heiß und es gab genug Kampf auf dem Platz. Also haben die Jungs einen guten Job gemacht
Verratti über das Spiel gegen Wales: Ich bin glücklich. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Turnier nach meiner Verletzung spielen könnte
Die UEFA wertete Neuers LGBT-Verband als Mannschaftssymbol für Vielfalt. Deutschland wird nicht bestraft
Bale über das 0:1 gegen Italien: Wales wusste, dass es schwierig werden würde. Wir haben viel verteidigt und gelaufen
Shaqiri ist Spieler der Partie Schweiz-Türkei. Er machte einen Doppelpack
Aaron Ramsey über das 0:1 aus Italien: Wales zeigte Charakter. Wir haben gegen ein tolles Team gespielt