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Ein City-Spieler klatscht nicht – und was bei Liverpools 0:4-Pleite noch aufgefallen ist

Das entthronte Manchster City steht für Liverpool erst Spalier und verpasst dem frischgebackenen Champion dann eine 4:0-Abreibung. Natürlich bleibt das Duell zwischen altem und neuem Meister nicht ohne Nebengeräusche.

Silva mag nicht klatschen

Wie es in der Premier League üblich ist, stand Manchester City im ersten Spiel nach Liverpools Titelgewinn dem neuen englischen Meister Spalier. Bei der sogenannten «Guard of Honour» erwiesen die City-Spieler und Trainer Pep Guardiola den «Reds» wie vor der Partie angekündigt den nötigen Respekt für die tolle Saison.

Der Einlauf des FC Liverpool ins Etihad. Video: streamable

Bei einigen City-Spielern war die Lust, dem Rivalen aus Liverpool beim Einmarsch ins Stadion zu applaudieren, allerdings nicht allzu gross. Während sich Phil Foden und Nicolas Otamendi gerade noch zu einem Klatschen durchringen konnten, verzichtete Bernardo Silva komplett auf die ehrenvolle Geste. Auf Social Media erntete der Portugiese dafür viel Kritik, wurde von einigen City-Fans aber auch abgefeiert.

Bernardo Silva mag nicht für die Liverpool-Spieler applaudieren. Video: streamable

City spielt Zauberfussball

Vielleicht hatte die «Guard of Honour» für City aber auch etwas Gutes, denn der entthronte Meister spielte gegen die «Reds» gross auf. Nach einer ausgeglichenen Startphase übernahmen die «Citizens», die wie gewohnt auf Ballbesitz und Kontrolle bedacht waren, bald das Spieldiktat. Das extrem hohe Liverpool-Pressing wurde dank grosser Passsicherheit immer wieder gekonnt entschärft.

Der überragende Kevin De Bruyne eröffnete den Torschwall der «Skyblues» nach 25 Minuten per Penalty, Raheem Sterling und Phil Foden legten bis zur Pause nach. In der 66. Minute besiegelte Alex Oxlade-Chamberlain die 0:4-Pleite Liverpools mit einem Eigentor. Vor allem gegen das Duo De Bruyne/Sterling fand Liverpool nie ein Rezept. Zusammen sind sie mittlerweile an 44 der insgesamt 81 Saisontreffer der «Citizens» beteiligt.

Liverpools Torflaute

Auch Liverpool hatte in einem spektakulären Spiel einige gute Möglichkeiten. Bereits nach 180 Sekunden scheiterte Mohamed Salah nach einem perfekt getimten Chip-Pass von Virgil van Dijk an City-Keeper Ederson, kurz darauf traf der Ägypter mit einem Schlenzer nur den Pfosten.

Die grösste Chance liess allerdings Sadio Mané kurz nach der Pause liegen. Nach einem tödlichen Pass von Captain Jordan Henderson tunnelte sich der sonst so kaltblütige Senegalese alleine vor Ederson aber selbst.

Auf fremdem Terrain will es offenbar einfach nicht mehr klappen. Die «Reds» warten in der Premier League jetzt schon seit fünf Auswärtsspielen auf einen Torerfolg. Zuletzt hat Liverpool am 15. Februar beim 1:0 bei Norwich City auswärts getroffen.

Guardiolas Bierspruch

City-Trainer Pep Guardiola konnte seine Freude über den 4:0-Erfolg nach dem Spiel nicht verbergen. Mit breiten Grinsen im Gesicht stand der Katalane vor die Kameras und mutmasste, dass Liverpool unter der Woche vielleicht das eine oder andere Bier zu viel getrunken habe. Als Grund für den Kantersieg wollte Guardiola das aber nicht gelten lassen.

«Ich denke, sie haben in der letzten Woche viel Bier getrunken. Aber sie sind hier ohne Alkohol im Blut angekommen, um gegen uns zu spielen. Bei der ‹Guard of Honour› habe ich gesehen, wie fokussiert alle sind. Deshalb bin ich sehr zufrieden, wie wir heute aufgetreten sind. Wir haben den Meister geschlagen, ein aussergewöhnliches Team.

Wir haben sehr gut gespielt. Liverpool hatte auch gute Gelegenheiten, gerade am Anfang durch Salah. Wir haben versucht, Fussball zu spielen, Risiken einzugehen. Liverpool ist das beste Team, gegen das ich jemals gespielt habe, wenn sie so hoch pressen. Wir haben das aber richtig gut gemacht und konnten ihnen wehtun. Wir hätten sogar noch mehr Tore schiessen können.»

Klopp stellt Reporter in den Senkel

Liverpool-Coach Jürgen Klopp, den die TV-Kameras während des Spiels gleich mehrere Male wild gestikulierend an der Seitenlinie einfingen, hatte die Niederlage schnell verschmerzt. Neidlos gestand der Deutsche nach dem Spiel ein, dass ManCity an diesem Abend die bessere Mannschaft gewesen sei und zog am Ende gar eine positive Bilanz.

«City hat unsere Fehler ausgenutzt, wir ihre nicht. Wir hatten einfache Ballverluste. Mir war wichtig, dass wir die richtige Einstellung gezeigt haben und dass wir wollten. Am Ende geht es darum, dass wir in den entscheidenden Momenten da sein müssen. Ich habe viel Gutes gesehen. Wahrscheinlich will das keiner hören, aber mir war wichtig, dass die Einstellung da war.

Wir sind kein typischer Meister. Es ist die ganze Zeit schwer. Welcher Gegner könnte am meisten motiviert sein, wenn du als Meister kommst? Das ist der Meister des Vorjahres. Es ist schön, dass in einer Liga, in der City spielt, auch andere Meister werden können. Wir können ihnen Probleme bereiten, aber heute konnten wir es nicht.»

Als ein Reporter Klopp jedoch in den Mund legen wollte, dass Liverpool nach dem Titelgewinn nicht richtig auf das Spiel fokussiert gewesen sei, reagierte der Deutsche ziemlich angefressen. «Wenn Sie Ihre Story in diese Richtung lenken wollen, dann tun sie das. Aber ich sage Ihnen jetzt zum zweiten Mal, dass mir die Einstellung meiner Mannschaft gefallen hat», so Klopp.

Negativ-Rekord eingestellt

Zu all den Rekorden, die Liverpool in dieser Saison schon aufgestellt hat, ist gegen City noch einer hinzugekommen – allerdings ein ziemlich unrühmlicher. Noch nie hat eine Mannschaft in England, die bereits als Meister feststand, höher verloren als die «Reds» gestern in Manchester. Einzig Arsenal kassierte 1997/98 nach dem Titelgewinn eine ebenso hohe Niederlage und verlor ebenfalls mit 0:4.

City-Bestmarke weiterhin schlagbar

Dennoch haben die «Reds» noch immer Rekorde vor Augen. Der Punkterekord in der Premier League beispielsweise liegt immer noch in Reichweite. Um die 100 Punkte von Manchester City aus der Saison 2017/2018 zu übertreffen, muss das Team von Jürgen Klopp bei sechs verbleibenden Spielen noch 15 von 18 möglichen Punkten holen.

Eine Niederlage dürfen sich die «Reds» also noch erlauben. Vor der Pleite gegen ManCity hatte Liverpool in dieser Saison erst ein Spiel verloren. Im zweitletzten Spiel vor der Coronapause kassierte man Ende Februar in Watford eine 0:3-Niederlage.

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