Switzerland

Dominic Cummings - das konfrontative Genie versucht den Befreiungsschlag

Boris Johnsons Chefberater hat bei einem aussergewöhnlichen Medienauftritt bestritten, die Lockdown-Regeln missachtet zu haben. Damit hat sich Cummings Luft verschafft – doch seine zahlreichen Gegner dürften nicht so rasch klein beigeben.

Dominic Cummings ist sich keiner Schuld bewusst und verteidigte sein Vorgehen in einer mehr als einstündigen Medienkonferenz.

Dominic Cummings ist sich keiner Schuld bewusst und verteidigte sein Vorgehen in einer mehr als einstündigen Medienkonferenz.

Peter Summers / Getty Images Europe

«Who cares?», sagte Boris Johnsons Chefberater Dominic Cummings am Wochenende zur Meute von Journalisten, die ihm vor seinem Haus in London mit Fragen bombardierten. Grund für die Aufregung war Cummings’ Autofahrt mit Frau und dem vierjährigen Sohn zum elterlichen Anwesen im nordenglischen Durham – wenige Tage nachdem die Regierung eine Ausgangssperre mit einem Reiseverbot verhängt hatte. Die Reaktion von Cummings war bezeichnend: Der 48-Jährige wird zwar oft als politisches Genie bezeichnet, doch hat er sich nie einen Deut darum geschert, was andere Leute von ihm denken. Der in Oxford ausgebildete Sohn eines Erdölmanagers sieht sich nicht als Teil des Establishments, sondern als Aussenseiter, der traditionelle Strukturen und Denkmuster in Politik und Verwaltung mit einem offenen Konfrontationskurs zu Fall zu bringen versucht. Dass Cummings dabei auch einmal Regeln dehnt und Grenzen überschreitet, versteht sich von selbst.

Interpretationsspielraum genutzt

Cummings hält sich gerne im Hintergrund und scheut das Scheinwerferlicht. Doch am Montag sah er sich veranlasst, im Garten des Regierungssitzes an der Downing Street persönlich vor die Medien zu treten. Seine umstrittene Autofahrt und Aussagen von Zeugen, die Cummings bei weiteren Gelegenheiten in der Region gesehen haben wollen, haben in den letzten Tagen riesige Wellen geschlagen. Und dass sich Johnson am Sonntag schützend vor seinen Chefstrategen stellte, hat die Gemüter alles andere als beruhigt.

In dem mehr als einstündigen Medienauftritt erklärte Cummings, er habe angesichts der Covid-19-Symptome seiner Frau und seiner eigenen wahrscheinlichen Erkrankung versucht, die Betreuung seines Sohnes sicherzustellen. Er habe auf dem elterlichen Grundstück ein separates Grundstück bezogen, da sich zwei Nichten bereit erklärt hätten, sich notfalls um den Sohn zu kümmern. Er betonte, die Lockdown-Regeln sähen für die Betreuung kleiner Kinder ausdrücklich einen Interpretationsspielraum vor. Doch gestand er auch, Anfang April mit der Familie eine halbstündige Autofahrt zur Sehenswürdigkeit Barnard Castle unternommen zu haben. Die bemerkenswerte Begründung: Er habe wegen Sehproblemen seine Fahrtüchtigkeit testen wollen mit Blick auf die anstehende Rückfahrt nach London, wo er die Arbeit in den Folgetagen wieder aufnahm.

Feindbild der Brexit-Gegner

Die Medienschaffenden nahmen Johnsons Chefberater ins Kreuzverhör, doch Cummings betonte, er bereue sein Vorgehen nicht und entschuldige sich auch nicht dafür. Sein Auftritt war ruhig, und der Hinweis auf die Sorge um seinen Sohn entkräftete den Eindruck, Cummings habe aus schierer Selbstgefälligkeit gehandelt. Zumindest die Testfahrt nach Durham Castle scheint aber gemäss den Lockdown-Regeln nicht erlaubt gewesen zu sein. Und viele Briten, die sich buchstabengetreu an die Ausgangssperre hielten, dürften nach wie vor den Eindruck haben, sie hätten ähnlich wie Cummings auch ausserordentliche Umstände geltend machen können.

Mit ein Grund für die Aufregung ist aber auch die Person Cummings, die viele Linke und Liberale allzu gerne fallen sähen. Nationale Bekanntheit erlangte er 2016 als Chefstratege der «Vote Leave»-Kampagne im Brexit-Abstimmungskampf. Als Johnson im Sommer 2019 die Nachfolge der glücklosen Theresa May antrat, holte er Cummings ins Boot. Der stets betont schludrig gekleidete Cummings soll Johnson auf die Idee gebracht haben, im herbstlichen Brexit-Gerangel das Unterhaus zu suspendieren. Cummings gilt auch als Architekt von Johnsons Wahlsieg im Dezember, der den EU-Austritt endgültig besiegelte.

Viele Feinde

Mit seiner Geringschätzung für das Parteiestablishment und altgediente Brexit-Vorkämpfer hat sich Cummings aber auch in den Reihen der Tories viele Feinde gemacht – David Cameron bezeichnete ihn einst als «Berufspsychopathen». Im Januar sorgte er für Aufsehen, als er «Spinner und Aussenseiter» als Regierungsberater rekrutieren wollte, die traditionelle Denkmuster in der Verwaltung aufbrechen sollten. Im Februar demissionierte Schatzkanzler Sajid Javid, weil ihm Cummings vorschreiben wollte, welche Berater er zu beschäftigen habe.

Johnson, den Cummings erst im Nachhinein über seine Fahrt nach Nordengland informierte, hält ihm derweil die Treue. Der Premierminister ist auf einen Vertrauten angewiesen, der komplexe Sachverhalte rasch entschlüsseln und Entscheidungen gegen Widerstände durchsetzen kann. Mit seinem aussergewöhnlichen Medienauftritt hat sich Johnsons Chefberater etwas Luft verschafft. Doch Cummings hat zu viele Feinde, die Blut geleckt haben und die Flinte nicht vorschnell ins Korn werfen dürften.

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