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Dieses Game ist so schlecht, dass du es nicht mal im Corona-Lockdown spielen magst

Das ist der «One Punch Man». Wo er hinhaut, wächst definitiv kein Gras mehr. bild: zvg

Kommentar

Dieses Game ist so schlecht, dass du es nicht mal im Corona-Lockdown spielen magst

Jetzt, wo so viel Zeit am Wochenende vorhanden ist, könnte man ja ein Videospiel konsumieren, das normalerweise kaum Beachtung findet. Ein Erfahrungsbericht mit ganz viel Kopfschütteln.

Ich hatte null Ahnung, wer oder was dieser «One Punch Man» sein soll. Eine Anime- oder Manga-Figur aus Japan, so weit wurde schon mal richtig kombiniert. Die Suchmaschine meines Vertrauens erklärte mir dann genauer, was dieser Glatzkopf mit den roten Handschuhen genau darstellen soll.

Natürlich ist er ein Superheld, der in Japan und angeblich auch in unseren Breitengraden eine ordentliche Anhängerschaft besitzt. Seine Spezialfähigkeit? Nun, wie der Name schon verrät, hat der eine ordentliche Backpfeife auf Lager, so dass bei Bud Spencer und Terence Hill die frisch gekochten Bohnen vor Neid im Halse stecken bleiben. Denn nur mit einem einzigen Schlag schaltet dieser Superbursche seine Gegner aus.

Meine Stirn legte sich nach dieser Erkenntnis in Falten. Ein Prügelspiel, in dem ich einen Superhelden dirigiere, der nur einen einzigen Schlag braucht, um den Gegner wegzudonnern? Wie soll das spielmechanisch funktionieren? Habe ich das Spiel dann nach ein paar Minuten bereits beendet? Ich wurde neugierig, sehr neugierig und wechselte bereits nach dem Startbildschirm in die Schockstarre.

Hässliche Angelegenheit

Als ich mir zum Spielbeginn einen eigenen Avatar zusammenstellen musste, war ich sehr verwirrt. Ich spiele doch ein Spiel, wo ich den «One Punch Man» dirigieren darf? Das hat mir doch dieses Produkt via Cover mitgeteilt und auch irgendwie versprochen. Aber nein, dem ist nicht so. Anstatt dass ich mit dem Glatzkopf reihenweise Gegner weghauen darf, muss ich mit einem eigenen Charakter zuerst die Schulbank drücken und mit ihm eine Origin-Story-Light durchstehen.

Ich muss also durch einen hässlich animierten und leblosen Stadtteil torkeln, um einzelne Aufträge anzunehmen, um mich hier und dort in kurzen Runden zu kloppen. Nur so kann ich die Leiter der Superhelden-Liga emporklettern und mir den Respekt von Arbeitskollegen und auch Schurken verdienen.

Die Innenstadt zeigt sich auch während den Kämpfen von ihrer hässlichen Seite. bild: zvg

Nebenbei erledige ich stupide Botengänge in der immer noch hässlichen Innenstadt, schalte nach und nach weitere Gebiete frei, die ebenfalls hässlich sind und ziehe in meine eigene hässliche Wohnung, die ich selber einrichten darf. Wer jetzt denkt, das ist so toll und schön wie bei «Animal Crossing: New Horizons», der irrt. Die spartanischen Möglichkeiten, seine Bude zu «verschönern» sind ein Witz und gelinde gesagt eine weitere Frechheit.

Frech sind auch die einzelnen Fights, die auf der Strasse und manchmal auch ausserhalb der Stadt ausgetragen werden. Einfach immer feste auf die Knöpfe hämmern, ab und zu eine Spezialattacke vom Stapel lassen und das Gesicht des Gegners wandert automatisch auf den Asphalt zu. Immerhin: So gehen das Hochleveln und der Aufstieg in der Superhelden-Liga rasch voran.

Fans werden geködert

Der titelgebende «One Punch Man» zeigte sich übrigens sehr lange nicht. Stattdessen wurde mir schnell bewusst, dass der Titelzusatz «A Hero Nobody Knows» sich nicht auf ihn, sondern auf mich, auf den eigenen Avatar bezieht. Cleveres Marketing. Man ködert die Fans mit der bekannten Anime-Figur, baut aber gleichzeitig einen versteckten Hinweis in den Titel ein, um sich rechtlich abzusichern. Alles klar. Ich habs verstanden und akzeptiert.

Derweil höre ich die vielen Fans da draussen, die nach dem Kauf lautstark in den eigenen vier Wänden herumbrüllen und den «One Punch Man»-Actionfiguren die Köpfe abreissen.

Der «One Punch Man» lässt sehr lange auf sich warten. bild: zvg

Der «One Punch Man» lässt also auf sich warten. Ich bin der neue aufsteigende Held und haue jetzt ganz vielen aufs Maul, um mir Respekt zu verdienen. Erst wenn ich mir das eine oder andere erarbeitet habe, kann ich den «One Punch Man» quasi als Spezialattacke und Mentor auf kurze Zeit freischalten. Dieser stürmt dann in den Ring, macht alle platt und verschwindet wieder. Nett.

Stumpfsinnig und linear

So kloppe ich mich weiter durch simple Kämpfe, die mit der Zeit ein bisschen mehr Einsatz von den neu erlernten Fähigkeiten verlangen. Denn blindes Knöpfchen-Hämmern führt bald nicht mehr so einfach zum Ziel. Ich muss schneller reagieren, strategisch vorgehen und mir den passenden Team-Kämpfer aussuchen, um den Platz als Sieger zu verlassen.

Ja, dieser Typ haut gleich mit dem Fahrrad auf die Rübe. bild: zvg

Dass der Spielinhalt stumpfsinniger und linearer nicht sein könnte, wird schnell vergessen oder eher erfolgreich verdrängt. Der Drang, in die oberste Heldenliga zu gelangen, wird plötzlich grösser und die Stunden flutschen nur so dahin. Kein Wunder: Mein Hirn ist im tiefstmöglichen Ruhemodus. Mein eigens kreierter Held wird stärker, mächtiger und trifft immer mehr auf sehr kuriose Gegner und Verbündete, die mich im Zweikampf auf Knopfdruck unterstützen.

Schon mal in einem Prügelspiel auf einen Fighter mit Fahrrad unter dem Allerwertesten gestossen? Nein? Dann herzlich willkommen in der Welt von «One Punch Man»! Ein herrlich skurriler Moment, den ich genüsslich aufsauge, denn solche Augenblicke sind selten.

Was bleibt? Ein paar nette Spielstunden für Nicht-Fans und die unbeantwortete Frage, was aus dem Spiel wohl geworden wäre, wenn man wirklich in die Rolle des «One Punch Man» hätte schlüpfen dürfen...

«One Punch Man: A Hero Nobody Knows» ist erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 12 Jahren.

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