Switzerland

Diese sieben Gesundheitsvorsteher haben jetzt das Sagen: Jedem Land sein Held

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, Schweiz

Am 13. April, mitten im Lockdown, hat er sein Pensionsalter erreicht: Daniel Koch (65), bis dahin Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim schweizerischen Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Doch der Sportsmann Koch – Marathonläufer und Europameister 2019 im Canicross (Rennen mit Hunden) – hört nicht auf: Der gebürtige Bieler und ausgebildete Arzt hat einen langen Atem und bleibt der Schweiz als Delegierter des BAG für Covid-19 erhalten, bis die Krise ausgestanden ist.

Und so tritt der hagere Herr mit Dreitagebart weiterhin im Medienzentrum des Berner Bundeshauses ans Rednerpult, beugt sich über den Tisch, legt seine Stirn sowie sein übergrosses Jackett in Falten und nuschelt leicht gereizt (schon wieder diese Frage!) mit monotoner Stimme dieselbe Antwort.

Stimmt nicht ganz: Manchmal verblüfft er die Welt mit einer neuen Antwort, etwa in der Grosseltern-Enkel-Frage, und geht ganz schweizerisch einen Kompromiss ein. Ja, in seiner sachlich-knorrigen Art ist er ein gmögiger Mensch.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, Deutschland

Grau melierte Haare, blaue Augen, akkurat angezogen: Der Deutsche Lothar Heinz Wieler (59) ginge gut als Versicherungsvertreter durch. Diesem vertrauenswürdigen Herrn kaufte man jede Police ab. Aber Wieler will seinen Landsleuten keine Sicherheit verkaufen, ganz im Gegenteil: Er warnt vor Gefahren.

Als Direktor des Robert Koch-Instituts verkündet er mit sanfter, leicht heiserer Stimme die neuesten Corona-Zahlen aus Deutschland. Der studierte Tierarzt und Professor für Tierseuchenlehre aus Königswinter bei Bonn (D) ist der Mann der Stunde, schliesslich steht das Virus unter Verdacht, tierischer Herkunft zu sein.

Aber wie alle emotionslosen und zweifelnden Forscher passt er mehr schlecht als recht ins Internetzeitalter, das schnelle und klare Antworten will. So ist er den Vorwürfen ausgesetzt, die Zahlen zu zögerlich zu kommunizieren und zu lavieren: einmal gegen Masken, dann wieder dafür. Und dann stiehlt ihm noch der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten (48), als Popstar die Schau. Man spürt: Wieler würde gerne wieder aus dem Rampenlicht verschwinden.

Anthony Fauci, Berater der Regierung Trump, USA

79 Jahre auf dem Buckel, Brille und sachlich bis auf die Knochen – mit Anthony Fauci bringt die Corona-Krise einen unscheinbaren Helden hervor. Bei mehr als 90’000 Toten und einem Präsidenten wie Trump ist die Stimme der Vernunft aber genau das, was das Volk jetzt braucht.

Seit den Achtzigerjahren leitet er die oberste US-Seuchenbehörde, das National Institute of Allergy and Infectious Diseases. Sechs Präsidenten hat er schon beraten. Und einen ganzen Strauss von Gesundheitskrisen wie HIV, Sars, Mers oder Schweinegrippe bekämpft.

Bei Corona kämpft er nun zusätzlich mit Trump. Die Regierung verbreitet Verschwörungstheorien, und Fauci muss hinterher mit den Märchen aufräumen. Vor Jahren sagte er einmal, in seiner Position müsse man es aushalten, dass sich Politiker lächerlich verhielten: «Wenn du das nicht tust, bist du ganz schnell weg vom Fenster.»

Fauci ist New Yorker, genauso wie die Mafiosi im Kultroman «Der Pate». Von ihnen hat er auch sein Motto, nach dem er seit fast vier Jahrzehnten arbeitet: «Es ist nicht persönlich, es geht nur ums Geschäft.»

Silvio Brusaferro, Chef der nationalen Gesundheitsbehörde ISS, Italien

In den sozialen Medien wird Silvio Brusaferro (60) mit einer Maus verglichen. Er sei zu ruhig und vorsichtig, wie das kleine Nagetier eben. Mit seinen weissen Haaren, grossen Ohren und den schmalen Lippen mag der Arzt und Präsident von Italiens oberstem Gesundheitsinstitut (ISS) dem Tier auch optisch ein bisschen ähneln. Vielleicht ist aber gerade das sein Vorteil: Er führt das laute Volk mit Ruhe durch die Krise.

Brusaferro war bis vor kurzem keine Medienpersönlichkeit. Doch dann kam Covid-19, und der aus Udine (Nordostitalien) stammende und auf Tropen-, Präventivmedizin und Hygiene spezialisierte Arzt ist nun in zahlreichen TV-Mitteilungen, Zeitungen und Youtube-Videos zu sehen.

Stets im Anzug – meistens in Blau – und Krawatte, typisch italienisch, informiert er über die aktuelle Lage im Land und bittet das Volk sogar, nach der Videoanleitung des CDC Mundmasken zu Hause selber zu produzieren.

Fernando Simón, Sprecher des Gesundheitsministeriums, Spanien

Spanien gehört zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern. Seit letzter Woche hat die spanische Regierung das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit angeordnet. Das Land wird vom Epidemiologen Fernando Simón (56) aus Saragossa durch die Krise geführt.

Anfangs war er wegen einer groben Fehleinschätzung unbeliebt. Als oberster Seuchenmanager im Gesundheitsministerium verharmloste er die Gefahr: Corona sei kein Grund, sich gross aufzuregen. Doch dann wendete sich das Blatt.

Die Fallzahlen stiegen, und Simón erkrankte Ende März selbst an Covid-19, überstand die Krankheit aber mit relativ leichten Symptomen. Mittlerweile ist der Mann mit dem grauen Wuschelkopf beliebt. Ein berühmter Talkmaster fiel beim Publikum in Ungnade, weil er den Witz zum Besten gab, dass Simon so aussehe, als lebe er in seinem Auto.

Schliesslich hat er schon im Kampf gegen Zika und Ebola seine Kompetenz bewiesen. In Spanien gilt er nun als «buena gente», als netter Kerl. Und wenn er im Fernsehen seine kurzärmeligen Leinenhemden trägt, mag man das gerne glauben.

Anders Tegnell, Staatsepidemiologe der Behörde für öffentliche Gesundheit, Schweden

Er ist wohl der umstrittenste Staatsepidemiologe in ganz Europa: Anders Tegnell (64) steht für den Sonderweg Schwedens in der Corona-Krise. Selbstsicher erklärt er an den Pressekonferenzen in Pullover und Jeans, wie viele Neuinfizierte es in dem skandinavischen Land gibt, wie viele Tote.

Der auf Infektionskrankheiten spezialisierte Arzt mit der runden Brille und den kurzen, grauen Haaren hält eisern an seiner Strategie fest, in Schweden keinen Lockdown zu verhängen. Während er von vielen europäischen Staatsoberhäuptern und Virologen scharf kritisiert wird, hat sich in Schweden eine Fangemeinde um ihren «Mr. Corona» geschart.

Tegnells Gesicht ziert T-Shirts und Stofftaschen – und den Arm des 32-jährigen Gustav Lloyd Agerblad aus Stockholm in Form eines Tattoos. Von Kollegen entweder als «enorm fleissig» oder «arrogant» bezeichnet, sieht er sich selbst als «bünzlig».

Privat geht er es ruhig an. In seinem Elternhaus, 200 Kilometer südlich von Stockholm, gärtnert er gerne. Er lebt dort mit seiner Frau, die Kinder sind erwachsen. Das Interesse am Gesundheitsberuf scheint er vererbt zu haben: eine seiner drei Töchter ist Krankenschwester, eine andere Ärztin.

Ana Lucía de la Garza, Direktorin der epidemiologischen Forschungsabteilung des Gesundheitsministeriums, Mexiko

Die 38-Jährige gilt als coolste Epidemiologin der Welt. Das liegt nicht unbedingt daran, dass sie trotz der schlimmen Lage, in die Corona Mexiko gebracht hat, einen kühlen Kopf zu bewahren scheint. Nein, verantwortlich für ihre internationale Bekanntheit ist in erster Linie ihr Aussehen.

De la Garzas Look erinnert mehr an eine Figur aus einer hippen Netflix-Serie, die in avantgardistischen Subkulturen von Städten wie San Francisco spielt, als an eine Ärztin, die eine Forschungsabteilung des mexikanischen Gesundheitsministeriums leitet.

User der sozialen Medien diskutieren darüber, ob sie lesbisch sei. Frauen, die es offensichtlich sind, machen auf Twitter und Co. schlüpfrige Kommentare. Deshalb ist jetzt auch noch eine Diskussion über sexistische Homosexuelle entbrannt. Offenbar gibt es doch noch Themen ausserhalb von Corona, die Menschen umtreiben. So zynisch das klingen mag, so beruhigend ist es gleichzeitig.

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