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Diego Maradona spielte wie ein Genie und lebte den Exzess – Stationen seines Lebens

Diego Armando Maradona ist wenige Wochen nach seinem 60. Geburtstag an einem Herzinfarkt gestorben. Mit Argentinien wurde er 1986 Weltmeister und bei der SSC Napoli zur Legende.

Diego Armando Maradona wird am 30. Oktober 1960 in Villa Fiorito, einer Siedlung am Rand von Buenos Aires, als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren. Schon früh wird das Talent vom Erstligisten Argentinos Juniors erkannt; der Überlieferung nach soll Maradona als zwölfjähriger Balljunge in der Pause mit Kabinettstückchen das Publikum unterhalten haben.

Mit 15 Jahren debütiert Maradona in der höchsten Liga Argentiniens. Die lokalen Medien rufen ihn zum neuen Pelé aus und vergleichen ihn mit dem brasilianischen Wunderspieler. Das Selbstvertrauen ist schon damals vorhanden. Er sagt den Reportern: «Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein.»

Im Februar 1981 bezahlen die Boca Juniors an die Argentinos Juniors umgerechnet drei Millionen D-Mark Ablöse für ihn. Mit dem wohl bekanntesten Klub Argentiniens feiert Maradona 1982 den Meistertitel. In 40 Spielen erzielt er für die Boca Juniors 28 Tore.

Am 27. Februar 1977 debütiert Maradona beim 5:1 gegen Ungarn mit 16 Jahren im argentinischen A-Nationalteam. Unser Bild zeigt Maradona 1980 an der «Mundalito», einem als «Mini-WM» bezeichneten Turnier. Daran nahmen nebst Argentinien auch Brasilien, Uruguay, Italien, die Niederlande und Deutschland teil.

Am 7. September 1979 führt Maradona Argentinien als Captain zum WM-Titel bei den Junioren. Im Final in Tokio wird die Sowjetunion 3:1 besiegt. Der Trainer, César Luis Menotti, hat ihn noch ein Jahr zuvor nicht für das WM-Kader der A-Nationalmannschaft nominiert. Maradona könne dem enormen Druck bei der WM im eigenen Land nicht standhalten, befürchtet Menotti. Den ersten WM-Titel 1978 erringt Argentinien somit ohne Maradona.

Kurz vor dem Weggang zu den Boca Juniors trifft Maradona den damaligen deutschen Nationalspieler Karl-Heinz Rummenigge in ungewohnter Umgebung. Was sie verbindet? Immerhin wird Rummenigge 1980 zu Europas Fussballer des Jahres gewählt. Maradona darf sich 1979 und 1980 Südamerikas und Argentiniens Fussballer des Jahres nennen.

1982 ist es so weit: Maradona nimmt mit dem A-Team an seiner ersten Weltmeisterschaft teil, scheidet aber mit Argentinien in der 2. Finalrunde aus. Kurz vor dem WM-Turnier in Spanien gibt Maradona seinen Wechsel zum spanischen Traditionsklub FC Barcelona bekannt. Dieser überweist die damalige Rekordablösesumme von elf Millionen D-Mark nach Argentinien.

Im FC Barcelona bekommt es Maradona zunächst mit dem deutschen Trainer Udo Lattek zu tun, später mit dem bereits erwähnten ehemaligen argentinischen Nationaltrainer Menotti. Maradonas Erfolge mit Barcelona fallen bescheiden aus: spanischer Cup-Sieger, Ligacup-Sieger, Supercup-Sieger, alles 1983. Richtig glücklich wird er bei den Katalanen nicht.

1984 wechselt Maradona vom FC Barcelona in die Serie A zur SSC Napoli. Die umgerechnet 24 Millionen D-Mark Ablösesumme sind damals ein Rekord. Der Klub nimmt einen Kredit auf, um sich den Transfer leisten zu können. Gemäss Gerüchten hat die lokale Mafia, die Camorra, den Wechsel mitfinanziert. Zum Empfang des Superstars im Stadion San Paolo kommen über 70 000 Fans.

1987 und 1990 wird Maradona mit Napoli italienischer Meister, es sind die einzigen beiden Meistertitel der Klubgeschichte. 1989 gewinnt er ausserdem den Uefa-Cup. Doch die Gerüchteküche um den Superstar brodelt in der süditalienischen Stadt, von Drogenkonsum, Nähe zur Mafia und Steuerbetrug ist die Rede.

Die Verstrickungen neben dem Spielfeld zehren an der Psyche von Maradona; er will Napoli verlassen, die Klubbosse lassen das nicht zu. Im Frühling 1991 wird Maradona bei einer Dopingprobe Kokainkonsum nachgewiesen. Verhaftet wird er zwar nicht, die Polizisten haben zu viel Angst vor fanatischen Napoli-Fans. Doch Maradona verlässt Neapel.

In Argentinien wird Maradona wenig später wegen Drogenkonsums verhaftet und zu 14 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Im Sommer 1992 wagt Maradona beim FC Sevilla einen Neuanfang. Doch er ist nicht mehr der Spieler, der er einmal war.

In seiner Karriere absolviert Maradona 91 Länderspiele, ihm gelingen dabei 34 Tore. Das bekannteste davon erzielt er am 22. Juni 1986 im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. In der 51. Minute des Viertelfinals gegen England boxt Maradona im Springen den Flankenball über den herausstürzenden englischen Torhüter Peter Shilton zum 1:0 ins Netz – ein Handspiel und ein erschlichenes Tor par excellence.

Die blitzschnell ausgeführte Tat entgeht dem tunesischen Schiedsrichter Ali Bennaceur, und es steht 1:0 für Argentinien. Am Ende sind die Südamerikaner dank einem weiteren, dann aber regelkonformen und phantastischen Maradona-Tor 2:1-Sieger und gewinnen später zum zweiten Mal nach 1978 den WM-Titel. Maradona begründet seinen irregulären 1:0-Treffer mit der «Hand Gottes», die das Tor zustande gebracht habe.

Maradona hält den ersehnten WM-Pokal, hinten der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl.

Vor der WM weilt Maradona mit dem Nationalteam in Zürich. Am 1. April 1986 testet Argentinien gegen GC. Unser Bild unten zeigt Maradona im Interview mit einem Radioreporter am Flughafen Zürich.

1994 bestreitet Maradona in den USA die letzte Weltmeisterschaft als Spieler. An jener WM wird Maradona bei einer Dopingprobe eine verbotene Substanz (Ephedrin) nachgewiesen. Er wird von der Fifa vom Turnier und von sämtlichen sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Argentinien scheidet im Achtelfinal gegen Rumänien aus.

Bereits 1993 wechselt Maradona vom FC Sevilla in die Heimat nach Argentinien, zu den Newell’s Old Boys. Wegen Verletzungen und des schwierigen Verhältnisses zum Trainer verlässt Maradona den Klub aus Rosario nach nur fünf Spielen. Auch in dieser Zeit kommt Maradona mit dem Gesetz in Konflikt: 1994 schiesst er mit einem Luftgewehr auf einen Journalisten und wird zu einer Bewährungsstrafe von 34 Monaten verurteilt.

Maradona schliesst sich 1995 erneut den Boca Juniors an. Im August 1997 wird bei ihm in einer Dopingkontrolle erneut Kokain nachgewiesen. Maradona wird gesperrt, die Spielerkarriere ist zu Ende.

Das Tor im WM-Viertelfinal 1986 gegen England, als Maradona von der Mittellinie aus die gesamte gegnerische Hintermannschaft ausdribbelte, wird von der Fifa zum «Tor des 20. Jahrhunderts» gewählt. Ausserdem wird Maradona zum «Weltfussballer des Jahrhunderts» ausgezeichnet. Diesen Titel trägt er zusammen mit Pelé. Unser Bild zeigt die beiden am 10. Juni 1987 im Zürcher Hardturm anlässlich eines Spiels zwischen Italien und Argentinien.

Afredo Tedeschi / Reuters

Fortan prägen Skandale und gesundheitliche Probleme das Leben von Maradona. Am 4. Januar 2000 erleidet er während eines Aufenthaltes im uruguayischen Badeort Punta del Este einen schweren Herzinfarkt, der auf eine Überdosis Kokain zurückgeführt wird. Er unterzieht sich anschliessend einer Entziehungskur auf Kuba, wo er Freundschaft mit Fidel Castro schliesst.

Im Oktober 2008 wird Maradona Trainer der argentinischen Nationalmannschaft. Mit der argentinischen Auswahl übersteht Maradona an der WM 2010 in Südafrika zwar die Gruppenphase und gewinnt den Achtelfinal 3:1 gegen Mexiko. Gegen Deutschland gibt es im Viertelfinal aber ein deutliches 0:4 und das Turnier-Aus. Damit endet auch Maradonas Zeit als Nationaltrainer.

Ab 2011 folgen Trainerstationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Mexiko und Argentinien. Zuletzt ist Maradona Trainer von Gimnasia y Esgrima La Plata, noch Anfang Juni verlängert er den Vertrag bis 2021.

Agustin Marcarian / Reuters

Anfang November 2020 wird Maradona ins Spital eingeliefert. Er fühlt sich nicht wohl, ihm wird in einer Operation ein Blutgerinsel im Gehirn entfernt. Mitte November wird Maradona entlassen und soll sich in der Obhut der Tochter erholen.

Am 25. November 2020 stirbt Maradona an einem Herzinfarkt.

Nach dem Tod Maradonas trauert ganz Argentinien; so auch dieser Fan vor La Bombonera, dem Stadion der Boca Juniors in Buenos Aires.

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