Switzerland

Die Zahl der Todesfälle in der Schweiz ist nun fast niedriger als statistisch erwartet – und alles Weitere zum Coronavirus in 23 Grafiken

Welches Land ist wie stark vom Virus betroffen? Was unternehmen Regierungen im Kampf gegen Sars-CoV-2? Die wichtigsten Daten und Fakten zum Coronavirus.

Seit mehr als zwei Monaten herrscht in der Schweiz die «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz. Der Bundesrat hat am 16. März die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung verschärft. Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wurden geschlossen, genau wie Schulen und Universitäten. Seit Montag, 27. April, sind Coiffeur-, Kosmetik- und Massagestudios, Baumärkte und Gärtnereien wieder geöffnet.

Seit Montag, 11. Mai, gehen Kinder wieder in die Schule, und Geschäfte, Fitnesscenter, Bibliotheken und Restaurants dürfen öffnen – weiterhin gelten jedoch besondere Abstands- und Hygieneregeln.

Wie die Schweiz zurück zur Normalität findet

Wie die Schweiz zurück zur Normalität findet

Ziel des Lockdowns war es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und vor allem zu verhindern, dass viele Menschen gleichzeitig erkranken und das Gesundheitssystem kollabiert. Nachdem die Fallzahl bis Anfang April immer weiter gestiegen war, ist dieses Wachstum nun seit einiger Zeit deutlich abgeflacht. Zudem ist die Mehrheit der Patienten wohl bereits wieder genesen. Laut den Zahlen der Kantone gibt es momentan über 30 000 Fälle.

Über 30 000 Fälle in der Schweiz

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Schweiz (in Tausend)

1 Wechsel der Datenquelle von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) zu den Angaben der Kantone.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Intervista im Auftrag der ETH und des Kantons Zürich zeigt, wie stark sich die täglich zurückgelegte Distanz der Schweizerinnen und Schweizer seit Beginn der einschränkenden Massnahmen verringert hat. 

Nach dem 16. März war in allen Altersgruppen die täglich zurückgelegte Distanz pro Person im Mittel auf deutlich unter 10 Kilometer gesunken. Personen unter 25 Jahren passen ihr Verhalten am stärksten an, weil sie sich laut den Daten vor den Einschränkungen am meisten bewegt hatten. In den ersten Tagen nach den ersten Lockerungen war zunächst kein deutlicher Anstieg in der Mobilität sichtbar. Seit der ersten Maiwoche sind die Menschen jedoch wieder etwas mehr unterwegs. 

Die Schweizerinnen und Schweizer bewegen sich wieder etwas mehr

Mittlere täglich zurückgelegte Distanz pro Person (Medianwert) in der Schweiz, nach Altersgruppen, in Kilometern

1 13. März: Der Bundesrat schliesst Schulen, verbietet Veranstaltungen mit über 100 Personen, in Bars/Restaurants sind max. 50 Personen erlaubt.

2 16. März: Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage». Bars, Restaurants und viele Läden müssen schliessen.

3 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

4 11. Mai: Geschäfte und Schulen wieder geöffnet.

Die Studie basiert auf den Bewegungsdaten von rund 2500 Personen, die mittels einer App ihren Bewegungsverlauf tracken lassen. Die Zahlen wurden so gewichtet, dass sie für die Schweizer Bevölkerung von 15 bis 79 Jahren repräsentativ sind.

Die einschränkenden Massnahmen in der Schweiz scheinen gewirkt zu haben. Darauf weisen Berechnungen des Forscherteams um Tanja Stadler an der ETH Zürich hin. Anhand der bestätigten Infektionen, der Zahl der Hospitalisierungen und der Todesfälle hat die Arbeitsgruppe rekonstruiert, wie sich die sogenannte Reproduktionszahl in der Schweiz seit Anfang März entwickelt hat. Diese Zahl muss unter 1 liegen, damit das exponentielle Wachstum gestoppt wird. Denn so steckt eine infizierte Person im Mittel weniger als eine weitere an. Laut den Berechnungen liegt die Reproduktionszahl in der Schweiz nun mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen 0,6 und 0,9.

Reproduktionszahl in der Schweiz auf tiefem Niveau

Schätzung der Reproduktionszahl, basierend auf den bestätigten Fällen in der Schweiz

1 13.–16. März: Grossteil der Lockdown-Massnahmen treten in Kraft.

2 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

3 11. Mai: Geschäfte und Schulen wieder geöffnet.

96949In der Statistik der wöchentlichen Todesfälle in der Schweiz wird langsam ersichtlich, wie schwerwiegend die Covid-19-Pandemie im Vergleich zu einer Grippewelle ist. In der Kalenderwoche 14 (endete am 5. 4.) wurden 411 Todesfälle bei Menschen über 65 Jahren mehr verzeichnet, als statistisch zu diesem Zeitpunkt zu erwarten wäre. In den Folgewochen ist die Zahl aber wieder zurückgegangen, in der Kalenderwoche 18 (endete am 3. 5.) gab es bereits keine Übersterblichkeit mehr – durch den Lockdown dürfte eine weitaus grössere Übersterblichkeit verhindert worden sein. In der Kalenderwoche 20 (endete am 17. 5.) lag die Zahl der Todesfälle mit 974 nur knapp über dem unteren Rand der statistischen Erwartung von 969 Todesfällen.

Zahl der neuen Todesfälle geht weiter zurück

Statistisch erwartbare und tatsächlich eingetroffene Todesfälle pro Woche bei Menschen über 65 Jahren in der Schweiz

Erwartete Todesfälle (Bandbreite)

Tatsächliche Todesfälle

1 Starke Grippewelle

2 Hitzewelle

3 Starke Grippewelle

4 Corona-Welle

Das Total der Übersterblichkeit während der ersten Corona-Welle beträgt 1054 Todesfälle – in der Grippesaison 2015 starben 1322 Menschen mehr, als statistisch erwartet worden war. Sämtliche Fälle der jetzigen Übersterblichkeit Covid-19 anzurechnen, wäre falsch, denn die Lungenkrankheit ist selten die einzige Todesursache. Viele Patienten haben zum Teil schwere Vorerkrankungen. Bei den Personen unter 65 Jahren gibt es laut den Zahlen des Bundesamtes für Statistik gegenwärtig keine Übersterblichkeit.

Gezeigt werden in den folgenden Grafiken immer bestätigte Coronavirus-Ansteckungen. Die Anzahl bekannter Infizierter hinkt stets der Realität hinterher. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiv mit dem Virus infizierten Personen überall höher liegt. Zum einen werden in vielen Ländern nur Risikopatienten und Patienten mit starken Symptomen getestet. Zum anderen verstreichen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome etwa fünf Tage, und auch der Sars-CoV-2-Test und seine Auswertung brauchen Zeit.

Aufgeschlüsselt nach Kantonen, zeigt sich, dass nicht mehr wie anfangs das Tessin, sondern der Kanton Genf am stärksten vom Coronavirus belastet ist. Dort sind laut Zahlen der Kantone schon über 1000 Personen pro 100 000 Einwohner mit dem Virus infiziert.

Die lateinische Schweiz ist stärker betroffen als die Deutschschweiz

Anzahl der Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner, nach Kanton

Die lateinische Schweiz ist stärker betroffen als die Deutschschweiz - Anzahl der Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner, nach Kanton

Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass die Ausbreitungskurve in der Schweiz derzeit flacher verläuft als in Ländern wie Singapur oder den USA.

Auch in den USA flacht die Kurve nun ab

Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Auch in den USA flacht die Kurve nun ab - Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Trotz diesen ermutigenden Zahlen: Die Schweiz ist stark vom Coronavirus betroffen. Sie schafft es auf die Liste der 2o Länder mit den meisten Fällen pro Kopf.

Katar und Bahrain sind pro Kopf derzeit am stärksten betroffen

Bestätigte Coronavirus-Fälle auf 100 000 Einwohner, nach Land*

stark gebremste oder gestoppte Ausbreitung**

050010001500KatarBahrainSingapurKuwaitIrlandUSASpanienBelgienChileGrossbritannienWeissrusslandPeruItalienSchweizSchwedenVAEPortugalFrankreichPanamaNiederlandeRussland

Dieser Pro-Kopf-Vergleich der Infizierten ist mit Vorsicht zu geniessen. Erstens, weil in Ländern mit kleinerer Bevölkerung der Pro-Kopf-Anteil schneller ansteigt als in grösseren Ländern, und zweitens, weil viele Länder sehr unterschiedliche Testverfahren haben. 

Die Schweiz testet mehr als Südkorea

Testhäufigkeit in ausgewählten Ländern

Land Stand
Bahrain 16. 5. 135 279
Italien 16. 5. 48 706
Österreich 16. 5. 39 908
Norwegen 16. 5. 39 615
Schweiz 15. 5. 39 210
Deutschland 10. 5. 37 570
Vereinigte Staaten 16. 5. 32 387
Grossbritannien 16. 5. 25 661
Südkorea 16. 5. 14 446
Frankreich 5. 5. 12 407

Aussagekräftiger für einen Ländervergleich ist darum die Zahl der Verstorbenen. Doch auch hier kommt die Schweiz pro Einwohner auf eine relativ hohe Zahl. Auf 100 000 Einwohner sind bisher in der Schweiz rund 22 Personen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Andere Länder sind jedoch stärker betroffen. Belgien, mit 11 Millionen Einwohnern ähnlich gross wie die Schweiz, verzeichnet mehr als dreimal so viele Tote pro Kopf und liegt vor Spanien und Italien. Belgien zählt allerdings auch die Todesfälle in Pflegeheimen, während andere Länder nur die Todesfälle in Spitälern berücksichtigen.

Belgien und Spanien haben im Vergleich zur Einwohnerzahl am meisten Tote zu beklagen

Anzahl Corona-Tote pro 100 000 Einwohner

BelgienSpanienGrossbritannienItalienFrankreichSchwedenNiederlandeIrlandUSASchweizEcuadorKanadaPortugalPeruBrasilienDeutschlandDänemarkIranPanamaMoldauÖsterreich81,5357,4355,6454,442,4939,5733,9433,0930,0222,4618,7517,9612,9411,3411,2110,029,719,117,427,367,25

Russland meldet in Europa die höchste Zahl an infizierten Personen, darauf folgen Grossbritannien, Spanien und Italien.

In Europa verzeichnen Russland und Grossbritannien die meisten Fälle

Bestätigte Fälle des Coronavirus in europäischen Ländern, nach Status der Patienten (in Tausend)

0100200300400RusslandGrossbritannienSpanienItalienFrankreichDeutschlandBelgienNiederlandeWeissrusslandSchwedenPortugalSchweizIrlandPolenUkraineRumänienÖsterreichDänemarkSerbienTschechienNorwegen

Viele Länder mit hohen Fallzahlen in Europa verzeichnen auch einen hohen Anteil verstorbener Patienten. Es sind in Spanien, Frankreich und Italien jeweils weit über 30 000 Menschen an Covid-19 gestorben. In Deutschland sind es bei einer vergleichbaren Zahl von bestätigten Fällen derzeit nur etwa 8300 Verstorbene. Auch Russland verzeichnet wenige Tote, doch diese Zahlen sind umstritten.

Daten zur Übersterblichkeit in Europa zeigen, wie schwerwiegend die Covid-19-Pandemie im Vergleich zu einer Grippewelle ist. Das Netzwerk Euromomo trägt Daten aus verschiedenen europäischen Staaten zur Sterblichkeit zusammen.

In England weicht die Zahl der Todesfälle am stärksten vom statistisch erwarteten Wert ab, der Ausschlag übertrifft jenen der Grippe um ein Vielfaches. Auch in Spanien, Italien, Belgien oder den Niederlanden liegen die Werte höher als bei einer Grippewelle, die Übersterblichkeit ist dort aber wieder stark zurückgegangen. In Irland, Finnland oder Dänemark hingegen zeichnet sich keine Übersterblichkeit ab.

In England und Spanien sterben viel mehr Menschen als bei einer Grippewelle

Abweichung der wöchentlichen Todesfälle von der statistisch erwarteten Sterblichkeit (Anzahl Standardabweichungen), saisonbereinigt, für verschiedene europäische Länder und Regionen

In England und Spanien sterben viel mehr Menschen als bei einer Grippewelle - Abweichung der wöchentlichen Todesfälle von der statistisch erwarteten Sterblichkeit (Anzahl Standardabweichungen), saisonbereinigt, für verschiedene europäische Länder und Regionen

In den USA steigt die Zahl der bestätigten Infizierungen weiterhin stark an, die Gesamtzahl ist so hoch wie sonst nirgends. Seit Ende März werden in den Vereinigten Staaten mehr Fälle als in China und Italien gezählt, mittlerweile ist die Marke von einer Million bestätigter Fälle überschritten.

In den USA steigt die Zahl der Infizierten nach wie vor

Bestätigte Coronavirus-Fälle pro Land (in Millionen)

Diese Entwicklung ist insbesondere darum besorgniserregend, weil die Ausbreitung des Virus in den USA nur langsam eingedämmt werden kann. Das Wachstum sinkt langsamer als in anderen Ländern.

Besonders hat getroffen wird die schwarze Bevölkerung. Total sind 24 Prozent der mit Covid-19 Verstorbenen schwarz. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt aber nur 14 Prozent. In manchen Gliedstaaten liegt der Anteil der mit Covid-19 verstorbenen schwarzen Bürgerinnen und Bürger gar doppelt so hoch, wie man das erwarten könnte. Anthony Fauci, Immunologe und Berater im Weissen Haus, sagt dazu: «Manchmal, wenn man mitten in einer Krise ist, wie wir mit dem Coronavirus, wirft diese ein grelles Licht auf einige wirkliche Schwächen und Eigenarten in unserer Gesellschaft.» 

Die schwarze Bevölkerung ist vom Coronavirus verhältnismässig stark betroffen

Anteil Schwarze, in Prozent

District of ColumbiaLouisianaMississippiGeorgiaAlabamaMarylandSouth CarolinaNorth CarolinaDelawareVirginia77,446,456,732,753,537,849,532,445,426,84330,941,727,135,522,227,42324,819,9

Auch die Entwicklung der Zahl der Todesfälle in den USA macht wenig Hoffnung: Das Wachstum ist weiterhin stärker als in Frankreich, Italien oder Spanien.

Zahl der Todesfälle in den USA steigt weiter stark an

Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

Zahl der Todesfälle in den USA steigt weiter stark an - Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

Der grösste Virusherd in den USA liegt in New York. In der Metropole allein wurden bereits über 200 000 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet (Stand: 24. 5.). Auch in anderen grossen Städten werden derzeit mehrere tausend Fälle gezählt. Stark betroffen ist auch der Staat Washington. Laut dem «Guardian» dürfte die hohe Zahl der Infizierten dort aber auch damit zusammenhängen, dass schon früh viel getestet wurde, weil im Staat Washington der erste Fall in den USA bekanntwurde.

Vergleicht man die Städte San Francisco und New York, so fallen einige Unterschiede auf: An der Westküste handelte man früher und rief den Notstand aus, grosse Arbeitgeber stellten auf Home-Office um. Ausserdem ist San Francisco dünner besiedelt als New York, und der öffentliche Verkehr viel weniger ausgebaut – in der Corona-Krise könnte sich dies nun als Vorteil erwiesen haben.

Seit Ende März gibt es ausserhalb Chinas mehr Fälle als im Ursprungsland der Pandemie. Zudem ist in sämtlichen Provinzen ein grosser Teil der Patienten genesen. 

Die meisten Fälle in China sind in der Provinz Hubei aufgetreten, von wo aus das Coronavirus sich in die ganze Welt ausbreitete. Nach Ausbruch der Krankheit riegelte die chinesische Regierung zunächst den Ursprungsort Wuhan ab, wenig später folgten weite Teile der Provinz Hubei. Wuhan hatte schnell provisorische Spitäler errichtet. Parallel dazu wurde die Produktion für Masken und andere benötigte Güter hochgefahren, da der Ausbruch während der Zeit um das chinesische Neujahr stattfand. Auch ausserhalb Hubeis schränkten die Behörden die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ein.

In Hubei werden wenige Menschen als erkrankt gemeldet

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Provinz Hubei, nach Status der Patienten (in Tausend)

1 Peking riegelt Wuhan ab, innert Stunden werden die Massnahmen auf weite Teile Hubeis ausgeweitet.

2 Fertigstellung des zweiten Notfall-Spitals in Wuhan.

3 In Hubei wird die Zählweise bei den Fällen geändert.

4 Die Zahl der momentan Erkrankten beginnt zu sinken.

5 Hubei lockert die Massnahmen ausserhalb von Wuhan.

6 Die Behörden korrigieren die Zahl der Toten in Wuhan um 1290 nach oben.

Am 14. März lockerten die Behörden in Hubei die Massnahmen ausserhalb von Wuhan. Auch andere Provinzen haben ihre Quarantäne in den letzten Tagen gelockert. Gegenwärtig sind in Hubei rund 63 600 Patienten genesen und rund 4500 Personen verstorben, inzwischen werden nur noch wenige Infizierte gemeldet. Die Behörden haben die Zahl der Toten am 17. April jedoch stark nach oben korrigiert – dieses Vorgehen wirft Fragen auf.

China steht nun vor zwei Herausforderungen: Zum einen muss das Land die Wirtschaft wieder hochfahren, ohne einen neuen Ausbruch auszulösen. Zum anderen droht nun die Gefahr, dass Reisende aus dem Ausland die Krankheit wieder einschleppen.

Global breitet sich das Coronavirus allerdings weiter aus. Es sind bereits 190 Länder von der Pandemie betroffen. Von den rund 5,5 Millionen Menschen, deren Ansteckung mit dem Virus bestätigt wurde, gelten mehr als 2,2 Millionen bereits wieder als geheilt, das sind etwa 40 Prozent (Stand: 25. 5.).

Die weltweit bestätigten Infektionszahlen steigen weiter an

Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weltweit (in Millionen)

Es gibt allerdings auch Länder – wie der Iran – die aktuell wieder eine steigende Anzahl von Infizierten verzeichnen. Unklar ist, ob dies mit einem strengeren Test-Regime im Land zu tun hat, oder ob es sich hier um eine zweite Infektionswelle des Coronavirus handelt.

Zweite Welle? In Iran steigt die Zahl der gegenwärtig Infizierten wieder

Bestätigte Coronavirus-Fälle in Iran, nach Status der Patienten (in Tausend)

Der genaueste Wert, wenn es darum geht, das Fortschreiten der Epidemie zu zeigen, ist die Zahl der Toten. Denn im Gegensatz zu den bestätigten Fallzahlen, wo es grosse Unsicherheiten wie unterschiedliche Zählweise und hohe oder niedrige Testing-Intensität gibt, sind die Todeszahlen in der Regel verlässlich, auch wenn es hier Unterschiede in der Methode der Erfassung geben kann.

Weltweit gibt es bis anhin rund 346 000 Tote. Absolut am meisten Covid-19-Verstorbene haben die USA, Frankreich, Grossbritannien, Spanien und Italien. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die tägliche Anzahl der Verstorbenen entwickelt. Dabei rechnen wir für jeden Tag den Durchschnitt der letzten sieben Tage.

Welche Länder den Höhepunkt der ersten Infektionswelle hinter sich haben

Tägliche Anzahl der Coronavirus-Toten, gleitender Durchschnitt über die letzten 7 Tage, Länder sortiert nach der Gesamtzahl der Toten

In der Grafik wird sichtbar, dass die tägliche Zahl in den meisten stark betroffenen Ländern zurückgeht – auch in der Schweiz. Schaut man jene 30 Länder mit den meisten Corona-Toten an, dann haben mehr als zwei Drittel den Peak vorerst überschritten. Einige Länder (rot eingefärbt) verzeichnen aber täglich noch immer steigende Todesfallzahlen. Dazu gehören etwa Brasilien, Mexiko, Indien und Russland. 

Die Schwellenländer verzeichnen ein starkes Wachstum der Todesfälle

Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

Die Schwellenländer verzeichnen ein starkes Wachstum der Todesfälle - Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

Auch bei den bestätigten Fällen zeigt sich in den vier Schwellenländern ein starkes Wachstum. Warum die Fallzahlen in den Schwellenländern zuerst langsamer gestiegen sind, nun aber stärker wachsen, kann mehrere Gründe haben – etwa weniger Testkapazität, aber auch lokale Besonderheiten.

Russland und Brasilien verzeichnen mehr Fälle als Italien

Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Russland und Brasilien verzeichnen mehr Fälle als Italien - Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Die Entwicklung der Pandemie kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden: Zunächst trat das Virus in der chinesischen Provinz Hubei auf, dann breitete es sich im ganzen Land und in anderen Ländern in der Region aus. Die Zahl der bestätigten Fälle in China hat sich im vergangenen Monat aber stabilisiert, und die meisten Patienten sind wieder genesen. Das Virus ist nun in Europa und auf den anderen Kontinenten angekommen und breitet sich immer weiter aus.

Ob ein Staat mit dem Coronavirus gut oder schlecht zurechtkommt, hängt auch vom Grad der Vorbereitung auf eine Pandemie ab. Eine grossangelegte Studie, die 195 Länder im Detail untersucht, kommt zu dem Schluss, dass reichere Länder tendenziell besser auf einen Ausbruch reagieren können.

Doch selbst die USA, das am besten auf eine Pandemie vorbereitete Land, werden nur mit 83,5 Punkten bewertet und könnten sich somit noch verbessern. Die Schweiz erreicht mit zwei Dritteln der möglichen Punkte Rang 13. Besonders schlecht vorbereitet sind viele Länder in Afrika und im Nahen Osten. Auch Venezuela, wo seit 2013 eine schlimme Wirtschafts- und Versorgungskrise herrscht, steht schlecht da.

Reichere Länder sind besser gerüstet für Epidemien als ärmere

Indexwert (0–100) für den Grad der Pandemie- und Epidemievorsorge

Nordkorea befindet sich ebenfalls in einer unglücklichen Lage. Kommt das Virus aus einem der beiden stark betroffenen Nachbarländer China und Südkorea dort an, droht der Bevölkerung eine Katastrophe. Viele Nordkoreaner sind unterernährt und somit geschwächt, zugleich liegt das Gesundheitssystem des Landes am Boden.

Das Regime in Nordkorea behauptet jedoch weiterhin, im Land gebe es keinen einzigen Fall des Coronavirus. Mehr als 2000 Menschen seien jedoch in Quarantäne. Die Krisenzeit nutzt die Regierung, um mehrere Raketentests durchzuführen.

Eine Analyse von Nikolai Thelitz, Alexandra Kohler, Barnaby Skinner, Jonas Oesch, Balz Rittmeyer, Joana Kelén, Anja Lemcke, Julia Monn, Christian Kleeb, Dominik Batz, Kaspar Manz und Florian Seliger.

Hinweis: Um sich über die Gefahren, die mit dem Coronavirus einhergehen, wie auch über aktuelle Massnahmen in der Schweiz zu informieren, besuchen Sie die Informationswebseite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Weitere Informationen auf Englisch erhalten Sie auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die NZZ hat alle Artikel zum Coronavirus hier zusammengestellt. Alles zu den Symptomen und Tipps für den Alltag finden Sie hier. 

Methodikhinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Für die Schweiz nutzen wir die Zahlen der Kantone, die das Statistische Amt des Kantons Zürich auf Github zur Verfügung stellt. Da vor dem 23. März nicht alle Kantone Zahlen rapportierten, nutzen wir bis zum 23. März die Zahlen der Johns-Hopkins-Universität (JHU). Bei internationalen Vergleichen verwenden wir auch für die Schweiz Zahlen der JHU, um die Vergleichbarkeit zu optimieren. Die Forscher der JHU erheben die Infiziertenzahlen aus verschiedenen Quellen, darunter von den Gesundheitsministerien, aber auch mittels inoffizieller und schneller Quellen wie Online-Nachrichtendiensten und lassen sie jeweils von offiziellen Stellen bestätigen (im Detail hier erklärt). Die Zahlen der JHU sind oft höher als jene der Behörden der einzelnen Länder, zum Beispiel als die des Robert-Koch-Instituts in Deutschland.

Alle Zahlen, die wir zeigen, beziehen sich nur auf die bestätigten Coronavirus-Infektionen in den jeweiligen Ländern. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiven Corona-Infizierten überall höher liegt. Die Wissenschafter sind darauf angewiesen, dass die Regierungsstellen korrekte Angaben machen, was nicht immer sichergestellt ist. Zudem können national oder regional unterschiedliche Vorgehensweisen und eine variierende Häufigkeit von Tests einen Einfluss auf die Vergleichbarkeit der Fallzahlen haben. Die Zahlen der JHU weisen zum Teil kleine Lücken und Korrekturen auf. Mehr dazu, wie die NZZ Daten zum Coronavirus verwendet, lesen Sie hier. 


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