Switzerland

Die Uefa trifft Manchester City mitten ins Herz

Wegen Verstössen gegen das Financial Fairplay schliesst die Uefa Manchester City für zwei Jahre vom Europacup aus. Der Entscheid zeigt: Die Uefa setzt ihre Financial-Fairplay-Bestimmungen auch gegen Giganten des Klubfussballs durch.

Falls der Internationale Sportgerichtshof die Uefa-Sperre bestätigt, wird Manchester City in den kommenden zwei Saisons in keinem europäischen Klubwettbewerb vertreten sein – die Fans haben das Nachsehen.

Falls der Internationale Sportgerichtshof die Uefa-Sperre bestätigt, wird Manchester City in den kommenden zwei Saisons in keinem europäischen Klubwettbewerb vertreten sein – die Fans haben das Nachsehen. 

Jason Cairnduff / Reuters

Es dauerte am Freitag bis 19 Uhr 25, ehe der europäische Fussballverband Uefa die Bombe platzen liess. In einem knappen Communiqué liess er verlauten, dass Manchester City für die nächsten zwei Spielzeiten von den Klubwettbewerben der Uefa ausgeschlossen wird und dazu eine Busse in der Höhe von 30 Millionen Euro zu entrichten hat. Der Grund: «Ernsthafte Verletzungen des Financial-Fairplay-Reglements wegen übertrieben kommunizierter Sponsoringeinnahmen und Break-even-Informationen zwischen 2012 und 2016.»

Die Bestrafung trifft einen hochgerüsteten Koloss des europäischen Fussballs. Damit tritt die Uefa-Finanzkammer jenen Stimmen entgegen, die nicht zu Unrecht behauptet haben, das Aufsichtsorgan packe nur kleine Fische aus dem Osten des Kontinents hart an – und lasse die Grossen laufen. Gerade türkische Klubs, die einiges über sich ergehen lassen mussten, witterten eine westeuropäische Connection.

Manchester City hat angekündigt, der Klub werde beim Internationalen Sportgerichtshof (TAS) Berufung gegen die Sanktionen einlegen. Uefa-intern wird bereits jetzt «vom mit Abstand grössten Fall» gesprochen, Insider spüren sogar ein «Erdbeben». Entsprechend lange beugten sich die Anwälte am Freitag über die Dokumente. Financial Fairplay sei keine Drohkulisse, sagt ein Uefa-Kadermann, «wir haben Richtlinien, die befolgt werden müssen». Ein Uefa-Mitarbeiter spricht von «offenbar wasserdichten Beweisen». Sonst würde die Uefa das Risiko erheblicher Gegenforderungen kaum eingehen. Die Untersuchungen zogen sich über Monate hin und haben erhebliche Kostenfolgen. Die Uefa rechnet mit einem finalen TAS-Urteil, deshalb bleibt der Verband die detaillierte Begründung des Falls schuldig.

Die wohl teuerste Mannschaft

Manchester City wird seit Jahren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten alimentiert und gelangte schon vor Jahren auf den Uefa-Radar – wie der gleichermassen hochgezüchtete französische Klub Paris Saint-Germain, der Unmengen Geld aus Katar erhalten hat und sich nur dank dem grosszügigen Zustupf aus Doha für 222 Millionen Euro Neymar leisten konnte. Die Citizens haben die wahrscheinlich teuerste Mannschaft, nicht punkto Lohnsumme, aber punkto Transfer-Investitionen. Da geht es um Zuschüsse in Milliardenhöhe, getätigt über die Jahre aus dem Haus des Scheichs Mansour bin Zayed Al Nahyan. Der Trainer Josep Guardiola durfte aus dem Vollen schöpfen und gewann 2019 die Premier League.

Mit dem von den Klubs gestützten und 2011 eingeführten Financial-Fairplay-Reglement bezweckt die Uefa im Kern eine Annäherung an die Kostenwahrheit. Einerseits sollen sich die Einnahmen und Ausgaben der Klubs ungefähr die Waage halten. Zudem sind den Zuschüssen von Dritten Grenzen gesetzt, weil das Klumpenrisiko für den beglückten Klub zu hoch ist. Was ist, wenn der reiche Onkel plötzlich genug hat? Doch Manchester City und PSG vernebelten Zahlungen aus der Golfregion mit überhöhten Sponsoring-Deals, was im Fall der Engländer zum Beispiel heissen konnte: Nicht die Königsfamilie gibt das Geld, sondern die Fluggesellschaft Etihad, nach der etwa das Stadion benannt ist. Beide Klubs wurden von der Uefa bereits 2014 bestraft – mit einer Busse von je 60 Millionen Euro und Kaderbeschränkungen für die Champions League. Die Busse beglichen beide aus der Portokasse.

Der aufsehenerregende Fall Manchester City ist eine Folge der Football Leaks. «Der Spiegel» veröffentlichte 2018 Dokumente, die zu beweisen scheinen, dass die Engländer Sponsoringverträge frisierten. So soll Etihad in Tat und Wahrheit nicht wie angegeben umgerechnet 80 Millionen Euro pro Jahr bezahlt haben, sondern nur ungefähr deren 10. Laut einem Schreiben aus der Klubzentrale soll die Differenz von «alternativen Quellen» ausgeglichen werden («alternative sources provided by His Highness»). Die Citizens verschleierten Zuschüsse der Königsfamilie, «Ihrer Hoheit». Das soll mehrfach vorgekommen und laut Uefa-Quellen jetzt «zweifelsfrei» bewiesen sein.

Die verbandsinterne Kontrollinstanz ist auf die Mitarbeit der Klubs angewiesen und kann – anders als die Behörden – weder Büroräume durchsuchen noch Computerdaten beschlagnahmen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie von den Football Leaks belastendes Material erhalten hat. Da scheint sich einiges aufgetürmt zu haben. Laut dem Benchmarking-Bericht zum Jahr 2018 der Uefa gehören die Citizens zu den ganz Grossen: 6. Rang in der Lohntabelle (314 Millionen Euro), 5. Rang im Ranking der Einnahmen (558 Millionen, Transfers exklusive). Die Briten werden im Kern getroffen. Möglicherweise zwei Jahre weg vom europäischen Schaufenster? Das hätte eine markante Wertminderung zur Folge und ist auch in Zeiten des Brexits allerhand.

Und was ist in Paris?

Bleibt noch die Frage, was mit PSG ist. Nun, die Katarer scheinen geschickter vorzugehen. Während ManCity im Kreis der europäischen Fussballklubs (ECA) oft unsichtbar blieb, schob sich der PSG-Chef Nasser al-Khelaifi in den Vordergrund. Al-Khelaifi verkauft als Chef der BeIn-Mediengruppe der Uefa nicht zu knapp audiovisuelle Rechte, ist der grosse PSG-Zampano und sitzt seit Februar 2019 mitten im Uefa-Exekutivkomitee. Entweder ist PSG reiner als Manchester City oder al-Khelaifi ein besonders gewiefter Lobbyist.