Switzerland

Die Schweiz als Schwergewicht am weltweiten Finanzmarkt

Mit Schweizer Aktien und Obligationen sind Anleger in den vergangenen Jahrzehnten gut gefahren. Vor allem in den letzten zehn Jahren gab es hohe Renditen. Die Autoren einer renommierten Studie gehen aber davon aus, dass die Erträge bei allen Anlagen künftig tendenziell geringer ausfallen könnten.

Die Schweizer Börse – im Bild der Hauptsitz an der Pfingstweidstrasse in Zürich – ist für Anleger eine gute Adresse.

Die Schweizer Börse – im Bild der Hauptsitz an der Pfingstweidstrasse in Zürich – ist für Anleger eine gute Adresse.

Christian Beutler / Keystone

Die Börsen zittern derzeit weiterhin vor dem Coronavirus. In den vergangenen Tagen ist es zu deutlichen Kursverlusten an den Aktienmärkten gekommen. Es empfiehlt sich aber auch, die langfristige Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren. Über die Jahre hinweg haben Anleger, die die Schwankungen der Finanzmärkte ausgehalten haben, mit Dividendenpapieren schöne Renditen erzielt. Dies zeigt die jährliche Ausgabe des Jahrbuchs der Wissenschafter Elroy Dimson von der Cambridge University sowie Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School in Zusammenarbeit mit dem Credit Suisse Research Institute. Die Studie hat die Performance von 23 nationalen Märkten und der Welt im Zeitraum von 1900 bis 2019 untersucht.

Steigen jetzt die Risiken?

Globale Aktien haben demzufolge in den vergangenen 120 Jahren eine jährliche reale – also inflationsbereinigte – Rendite von 5,2% gebracht. Diese lag deutlich höher als diejenige von Obligationen (2%) und Schatzwechseln (0,8%) im selben Zeitraum. In den vergangenen zehn Jahren haben sich globale Aktien mit einer Realrendite von 7,6% pro Jahr sogar noch besser entwickelt. Dies kann aber auch so interpretiert werden, dass Dividendenpapiere nun bereits hohe Bewertungen erreicht haben und dass die Risiken für Kursverluste steigen.

So gehen auch Dimson, Marsh und Staunton für die kommenden Jahre davon aus, dass die Realrenditen auf alle Anlagen künftig tendenziell geringer ausfallen dürften, wenn die Realzinsen niedrig bleiben. Da die Realzinsen nahe null lägen, entspreche die erwartete Rendite von Aktien der sogenannten Aktienrisikoprämie. Diese dürfte laut den Wissenschaftern künftig bei 3,5% liegen und damit niedriger sein als die historisch gemessenen 4,3%. Mit der Aktienrisikoprämie werden Anleger für das Risiko, das sie beim Halten von Aktien gegenüber Schatzwechseln eingehen, entschädigt.

Schöne Renditen in der Schweiz

Aus Schweizer Perspektive empfiehlt sich bei der Untersuchung ein Blick auf die Performance des hiesigen Markts. Auch mit Schweizer Aktien sind Anleger in den vergangenen Jahrzehnten gut gefahren. Im Zeitraum 1900 bis 2019 erzielten die Dividendenpapiere im Durchschnitt eine reale Rendite von 4,6% pro Jahr. Schweizer Staatsobligationen brachten hingegen 2,4%, was im internationalen Vergleich indessen einen sehr guten Wert darstellt. Unter den 23 untersuchten Märkten belegte die Schweiz hier den zweiten Platz. In den vergangenen 120 Jahren habe das Land mit 2,1% die weltweit niedrigste Inflationsrate ausgewiesen, heisst es in der Studie.

Die im Januar publizierte jährliche Untersuchung der Bank Pictet kam für den Zeitraum 1926 bis 2019 auf eine reale Rendite von Schweizer Aktien von 5,78% pro Jahr, für Obligationen auf eine solche von 2,25%. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche reale Rendite von Schweizer Aktien laut dieser Studie sogar bei 8,7%, die von Schweizer Obligationen bei 2,61%.

Anleger sollten aber nicht vergessen, dass die Börse keine Einbahnstrasse ist. Dies hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Die Pictet-Untersuchung weist auch die besten jährlichen Entwicklungen von Aktien und Obligationen aus. Die beste Performance erzielten Schweizer Aktien folglich im Jahr 1985 mit – sage und schreibe – real 56,58%, die schlechteste im Jahr 1974 mit –37,83%. Die Studie zeigt ausserdem, dass man in manchen Jahren auch mit als sicher geltenden Obligationen Geld verlieren kann. So verbuchten Anleger im Jahr 1973 mit Obligationen in der Schweiz ein Minus von 10,93%. Die beste Performance im Untersuchungszeitraum erzielten Schweizer Obligationen im Jahr 1976 mit 14,87%. 

Schweizer Aktien mit langfristig hohen Renditen

Anlageklassen in der Schweiz im Vergleich, reale Renditen, in % pro Jahr

012345Aktien (1900-2019)Obligationen (1900-2019)Aktien (1970-2019)Obligationen (1970-2019)Aktien (2000-2019)Obligationen (2000-2019)

Schweiz als sechstgrösster Aktienmarkt weltweit

In jedem Fall aber ist die kleine Schweiz am Finanzmarkt ein Schwergewicht. Das Land weise nur 0,1% der Weltbevölkerung und weniger als 0,01% der Landmasse der Erde aus, heisst es im Jahrbuch von Dimson, Marsh und Staunton sowie der Credit Suisse. Der Schweizer Aktienmarkt ist indessen mit einem Anteil von 2,7% an den global gehandelten Werten der sechstgrösste Aktienmarkt der Welt. Vor der Schweiz liegen die USA mit 54,5%, Japan (7,7%), Grossbritannien (5,1%), China (4%) und Frankreich (3,2%). Kanada kommt ebenfalls auf einen Anteil von 2,7%, während Deutschland «nur» auf 2,6% kommt.

Die Studie weist dabei auf die Bedeutung des Schweizer Pharmasektors hin, der einen Anteil von 34% am Wert des Barometers FTSE-World-Switzerland-Index hat. Der Lebensmittelhersteller Nestlé (22%) sowie die Pharmakonzerne Roche (17%) und Novartis (14%) kämen zusammengenommen auf mehr als 50% des Indexwerts.

Die Studie widmet sich auch dem Thema nachhaltige Geldanlagen. Dabei handelt es sich um Finanzprodukte, die ethische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Geschäftspraktiken bei ihren Anlagen berücksichtigen. Solche Anlageprodukte seien im Jahr 2018 auf einen Gesamtwert von 31 Bio. $ weltweit gekommen. Mittlerweile dürfte dieses Volumen indessen bei rund 40 Bio. $ liegen. Europa war mit 46% dieses Gesamtbetrags die führende Region für nachhaltige Anlagen. Die USA machten derweil 39% aus.

Anteile von Ländern am Aktienmarkt weltweit

Stand 2020

01020304050USAJapanGrossbritannienChinaFrankreichSchweizKanadaDeutschlandAustralienWeitereLand