Da platzte selbst dem immer so besonnen und gut gelaunt wirkenden Fredrik Söderström der Kragen. Seine Mannschaft hatte eben innert 105 Sekunden drei Treffer kassiert und schlitterte in La Chaux-de-Fonds ungebremst in Richtung Debakel, als der Schwede die Notbremse zog und seine Schäfchen zum Timeout versammelte. Es stand zu diesem Zeitpunkt, knapp sieben Minuten vor der Schlusssirene, zwar schon 2:7 aus der Sicht des EHC Olten und das Spiel war somit logischerweise entschieden. Doch der Oltner Headcoach mochte nicht mehr mit ansehen, wie sich seine Spieler auf dem Eis vom entfesselten Gegner vorführen liessen. Aus der Entfernung betrachtet war seine Gestik unmissverständlich: «Reisst euch gefälligst zusammen!»

Söderström: «Es war ganz einfach peinlich»

Eine Viertelstunde nach dem Ende des Spiels im Neuenburger Jura versuchte Söderström, seine Gedanken zu ordnen und zu artikulieren. «Es war ganz einfach peinlich, was wir hier im Schlussdrittel gezeigt haben. Und das habe ich meinen Spielern auch in aller Deutlichkeit gesagt.»

Highlights La Chaux-de-Fonds - Olten

Die Oltner hatten schon in den beiden Dritteln zuvor gegen einen bisher in der Meisterschaft noch sieglosen Gegner eine mangelhafte Vorstellung abgeliefert. Doch nach zwei Abschnitten stand es 2:2, die Chancen auf ein positives Resultat waren immer noch mehr als intakt. Aber dann passierte das, was der Oltner Trainer nun schon seit Wochen gebetsmühlenartig kritisiert. Die Mannschaft agierte schlampig, versuchte irgendwelche schicken Pässe, statt sich aufs einfache, simple Spiel zu konzentrieren, und servierte so dem Gegner den Sieg auf dem Silbertablett. Stellvertretend dafür stand der haarsträubende Fehlpass von Esbjörn Fogstad Vold in der eigenen Zone, welchen Alain Miéville via Direktabnahme zum wegweisenden 3:2-Führungstreffer der Chaux- de-Fonniers verwertete.

Geduld bewahren, aber die Zügel anziehen

Dass der Fauxpas einem der neuen, jungen Spieler in den Reihen der Oltner passierte, die auf der anderen Seite in den ersten paar Spielen auch schon für sehr viele gute Aktionen verantwortlich waren, passt zum Gesamtbild und ist auch nicht überraschend. Dieser EHC Olten ist mit seinen vielen neuen Gesichtern und dem neuen Trainerduo an der Bande ein noch sehr zerbrechliches Gebilde. Licht und Schatten wechseln sich munter ab. Auch deshalb predigt Söderström immer wieder das Wort «Geduld.» Der Schwede weiss selber, dass er sich und seinem Team Zeit geben muss. Gleichzeitig weiss er aber auch, dass er die Zügel recht schnell anziehen muss, um seinen Jungs die schlechten Gewohnheiten auszutreiben.

Gut für den Headcoach ist die Tatsache, dass er personell wieder über Alternativen verfügt. Es ist schwer davon auszugehen, dass die Mannschaft am Dienstag im Heimspiel gegen die EVZ Academy anders aussehen wird. Besonders im in La Chaux-de-Fonds katastrophalen Powerplay wird es Umstellungen geben. Es war in der Tat erschreckend, wie wenig Gefahr die Oltner in acht (!) Gelegenheiten zu kreieren vermochten. Auch deshalb hatte Fredrik Söderström recht, als er meinte: «Wir haben dieses Spiel auch wegen unseres Überzahlspiels verloren. Wir hatten im ersten Drittel gegen einen verunsicherten Gegner viermal die Chance, im Powerplay in Führung zu gehen. Und wir haben nichts daraus gemacht.»

Man darf gespannt sein, wie die Oltner Spieler mit dieser Schlappe umgehen. Alles andere als eine heftige Reaktion am Dienstag wäre eine Enttäuschung.