Switzerland

Die Corona-Gefahr lauert auf dem Rückflug: Die Kabine wird nicht bei jedem Flug desinfiziert

Um Infektionen mit Covid-19 zu verhindern, wurden die Reinigungsvorschriften für Flughäfen und Maschinen verschärft. Gegen böse Überraschungen sind die Fluggäste nicht gefeit.

Neben Gesichtsmasken sollen zusätzliche Desinfektionen die Ansteckung an Bord verhindern.

Neben Gesichtsmasken sollen zusätzliche Desinfektionen die Ansteckung an Bord verhindern.

Jeffrey Groeneweg / EPA

Claudia und Michael Zarzycki haben ihre Ferien auf Korsika genossen. Etwas mulmig ist ihnen jedoch vor dem Rückflug in die Schweiz zumute, setzen sie sich doch ungern dicht gedrängt mit mehr als hundert anderen Leuten ins gleiche Flugzeug. Doch sie vertrauen den Beteuerungen der Luftfahrtbranche, die versichert, dass Fliegen auch in Zeiten von Corona eine sichere Angelegenheit sei: Die Verantwortlichen unternähmen alles, um Ansteckungen mit Covid-19 zu verhindern.

Umso mehr staunt das Ehepaar aus Adliswil darüber, in welcher Art und Weise seine Maschine abgefertigt wird. Kaum ist das Flugzeug des Easy-Jet-Fluges von Bastia nach Basel angekommen, beginnt bereits das Boarding. «Wir konnten beobachten, wie die Passagiere das Flugzeug verliessen. Das Personal hatte gar keine Zeit, die Maschine zu reinigen, und desinfiziert wurde sie erst recht nicht», erinnert sich Michael Zarzycki im Gespräch mit der NZZ ungern an den Flug vom 25. Juli zurück.

Desinfektion nur alle 24 Stunden

«Angesichts von vollmundigen Versprechungen erwarte ich von der Fluggesellschaft mehr», sagt Zarzycki. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz versuchte das Ehepaar über E-Mail und die Hotline Kontakt mit der Fluggesellschaft aufzunehmen und sich zu beschweren. Sämtliche Versuche blieben erfolglos. Auf Anfrage der NZZ erklärt Easy Jet, aus Sicht der Fluggesellschaft gebe es nichts zu bemängeln. Bei den Vorgängen auf dem Flughafen Bastia handle es sich «nicht um einen Vorfall».

Easy Jet halte sich an die Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa), erklärt ein Sprecher. «Jedes Flugzeug wird täglich einem Desinfektionsverfahren unterzogen, das mindestens 24 Stunden lang einen Oberflächenschutz gegen Viren bietet.» Die bestehenden täglichen Reinigungen würden durch zusätzliche Reinigungs- und Desinfektionsverfahren für Flugzeugkabinen ergänzt. Doch an gewissen Flughäfen findet offenbar auch in Corona-Zeiten nicht einmal eine minimale Reinigung statt, wie der Bericht des Ehepaars Zarzycki zeigt. Ein Grund dürfte sein, dass dies die unrentablen Standzeiten verlängern würde.

Am besten können die Airlines das Reinigungsprozedere an ihren jeweiligen Heimatflughäfen kontrollieren. So werden bei Swiss-Flügen in Zürich und Genf die Maschinen nach jeder Ankunft mit einem speziellen Mittel mit desinfizierender Wirkung intensiv gereinigt. «Auf den Aussenstationen kommt es auf die Vorgaben der entsprechenden Länder an, an diese halten wir uns selbstverständlich», betont der Swiss-Mediensprecher Michael Stief. Zu den konkreten Reinigungsprozessen an den Aussenstationen äussert sich die Swiss nicht, da sich diese immer wieder ändern könnten.

So dürfte es weitgehend vom Zufall abhängen, ob Passagiere bei Kurz- und Mittelstreckenflügen innerhalb Europas in eine desinfizierte Maschine steigen können. Anders präsentiert sich die Situation bei Langstreckenflügen. Gemäss den Sicherheitsdirektiven der Easa muss die Maschine bei jedem Flug, bei dem die Passagiere länger als sechs Stunden an Bord sind, desinfiziert werden. Auf Anweisung der Flugsicherheitsagentur muss dabei häufig angefassten Bestandteilen wie Türgriffen, Treppengeländern, Knöpfen und Schaltern sowie den Waschräumen besondere Beachtung geschenkt werden.

Sicherheitskontrolle als Virenschleuder

Doch nicht nur innerhalb der Flugzeuge, sondern auch an den Flughäfen soll verhindert werden, dass eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 erfolgen kann. Gemäss Easa haben Studien gezeigt, dass die Plastikboxen beim Sicherheits-Check besonders häufig mit Viren der Atemwege kontaminiert sind. Diese Behältnisse sollen daher häufiger gereinigt werden. Ausserdem sollen die Flughäfen den Passagieren ermöglichen, vor dem Sicherheitsbereich ihre Hände zu desinfizieren.

Die Betreiber der Schweizer Flughäfen setzen diese und andere Empfehlungen um. In Kloten wird das Flughafengebäude seit dem Ausbruch der Pandemie intensiver gereinigt – unter anderem durch den Einsatz von zwei autonomen Putzrobotern. Flächen wie Handläufe und Gepäckwagen, mit denen die Passagiere häufig in Kontakt kommen, werden regelmässig desinfiziert. Ausserdem sind über 200 Desinfektionsmittelspender aufgestellt worden. Auf dem Euro-Airport in Basel werden zudem die Flughafenbusse nach jedem Einsatz desinfiziert.

Das grössere Ansteckungsrisiko als bei kontaminierten Oberflächen besteht jedoch an Bord eines Flugzeugs durch Tröpfchen und Aerosole der mitfliegenden Passagiere. Da der Abstand von 1,5 Metern kaum eingehalten werden kann, gilt für die meisten Flüge eine Maskentragpflicht. Zudem verweisen Fluggesellschaften auf die spezielle Lüftung in den Maschinen. Durch den intensiven Luftaustausch sei die Qualität der Luft sehr hoch, versichern sie. Zumindest in der Schweiz ist bisher kein Fall bekanntgeworden, bei dem sich mehrere Passagiere während eines Fluges angesteckt haben. Wissenschaftlich fundierte Zahlen dazu gibt es allerdings nicht.

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