Switzerland

Die afrikanische Stadt ist noch nicht gebaut

Vieles in Dakar funktioniert nicht. Aber einiges funktioniert sehr gut. Das hängt möglicherweise davon ab, ob es die Bewohner als «senegalesisch» empfinden oder nicht. 

Die Massalikul-Jinaan-Moschee, das grösste muslimische Gebetshaus Westafrikas.

Die Massalikul-Jinaan-Moschee, das grösste muslimische Gebetshaus Westafrikas.

Katja Müller

Letztes Jahr wurde in Dakar die Massalikul-Jinaan-Moschee eröffnet. Sie bietet 30 000 Gläubigen Platz und gilt als grösste Moschee Westafrikas. Der Bau ist das Werk der Mouriden, der grossen Sufi-Bruderschaft in Senegal, deren geistliche Führer für ihre Anhänger wichtiger sind als der Staatspräsident. Gläubige vom Tagelöhner bis zum Unternehmer haben gespendet. Spricht man mit Anwesenden, spürt man den Stolz: Es ist «ihre» Moschee.

Der Besuch regt zu Fragen an. Wie kann ein so gigantischer Bau in relativ kurzer Zeit erstellt werden, ohne finanzielle Hilfe, perfekt instand und sauber gehalten, auch jetzt in der Corona-Zwangspause? Andere hiesige Grossprojekte bleiben oft halbfertige «Projekte», Gelder versickern, vor allem solche aus dem Ausland, und werden die Bauten je vollendet, hapert es am Unterhalt. Liegt der Schlendrian an der Armut? Liegt die Armut am Schlendrian? Es gibt eine dritte Möglichkeit: Das schlechte Funktionieren kommt von tiefer Entfremdung und entsprechend mangelnder Motivation. Nicht nur bauliche Grossprojekte, auch moderne Wirtschaft, staatliche Politik und Wissenschaft betrachten viele Afrikaner als «Angelegenheit der Weissen». Sie wohnen in der Hauptstadt, empfinden sie aber nicht als Zuhause. Ihre Heimat liegt im Dorf, wo die Eltern herkommen. Der urbane Fortschritt ist für sie nichts «Eigenes». Auch alles Administrative empfinden sie als aufgezwungen, als Erbe des Kolonialismus, als Fremdkörper. Kürzlich, beim Anstehen in einem Amt, sagte der Mann vor mir: «Das alles haben wir euch zu verdanken!»

«Die afrikanischen Ökonomien würden ihren Take-off erleben, wenn sie den ihnen eigenen Triebkräften gehorchten», schreibt der Senegalese Felwine Sarr in «Afrotopia». Die afrikanische Ökonomie, angepasst an die eigene Kultur, authentisch, bleibt zu entwerfen, ebenso wie die afrikanische Stadt. Oft hat all das schlechte Funktionieren mit mangelnder Identifizierung zu tun. «Massalikul Jinaan» heisst «Wege ins Paradies». Das Werk zeigt vielleicht, dass die Gründe für das Scheitern oft innen, nicht aussen liegen.

Weiteres Kurioses und Unerwartetes aus aller Welt finden Sie jeden Tag in unserer Kolumne «Aufgefallen» – hier finden Sie die neusten und alle älteren Beiträge.

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