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Deutscher Risiko-Trip nach Kiew

Joachim Löw hat die Hände lässig in die Taschen seiner schwarzen Anzughose gesteckt, als er sich beim Sponsorentermin vor der Dresdner Frauenkirche präsentiert – doch das Bild vom coolen Bundestrainer täuscht. Löw beschleicht «ein mulmiges Gefühl», wenn er an das nächste Auswärtsländerspiel der deutschen Fussballnationalmannschaft am 10. Oktober in der ­Ukraine denkt. Und er ist damit nicht allein, die Nations-­League-Begegnung im Corona-Risiko­gebiet wird immer mehr zum Politikum.

Die betroffenen Fussball-­Bundesligisten um Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig erwägen, ihren Stars die Freigabe für das Risikospiel zu verweigern – falls eine Quarantänepflicht droht. «Wir arbeiten an Lösungen, behalten uns aber vor, die Spieler nicht abzustellen, sofern es keine Regel gibt, die es ermöglicht, sie anschliessend sofort wieder einzusetzen», sagte Dortmunds Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl dem deutschen Fussballmagazin «kicker».

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc ruderte gestern Nachmittag etwas zurück. Momentan sehe er «kein Problem» für die kommende Länderspielpause, weil sich nach seinem Kenntnisstand die Situation bei Rückreise aus Risikogebieten «wahrscheinlich nicht verändern wird nach dem 1. Oktober.» Sollte aber, wie ursprünglich von der deutschen Politik angekündigt, eine Quarantänepflicht auf die Nationalspieler zukommen, «würden wir uns natürlich vorbehalten, die Spieler nicht abzustellen», betonte auch Zorc.

Ändert die Fifa ihre Vorgabe?

Das Thema beschäftige die Klubs «extrem», sagte Kehl. Die deutsche Nationalmannschaft ohne Kapitän Manuel Neuer und die Münchner Triple-Helden? Ohne Marco Reus und die anderen BVB-Profis? Undenkbar! Doch noch gibt es keine endgültige Vorgabe vom Weltverband.

Der internationale Fussballverband Fifa hatte vor den September-Länderspielen darüber informiert, dass für Spieler, die in Städten antreten sollen, die als Risikogebiet gelistet und mit Reisebeschränkungen bedacht sind, keine Abstellungspflicht bestehe. Ob diese Vorgabe auch für den Oktober gilt, ist offen. Es gebe noch «kein Update», liess die Fifa auf Anfrage der Sportagentur SID wissen. Sollte die Regelung aufrechterhalten bleiben, wäre die Abstellung der Nationalspieler für das Ukraine-Spiel freiwillig – und Löw stünde womöglich plötzlich ohne seine besten Spieler da.

«Unser Hygienekonzept greift sehr gut»

Der Bundestrainer kämpft mit Oliver Bierhoff, dem Direktor des deutschen Fussballbundes (DFB), seit Tagen darum, diesen GAU zu verhindern. Es würden «alle Massnahmen so getroffen, dass man davon ausgehen kann, dass wir keinem besonderen Risiko ausgesetzt sind», betonte Löw. Er werde alles tun, damit Neuer und Co. «auch wieder gesund zurückzukommen», versprach er.

Trainer Julian Nagelsmann von RB Leipzig wollte sich wegen der Abstellungen «nicht so viele Gedanken» machen. «Das wird auf einer Ebene über mir und Jogi Löw entschieden», sagte Nagelsmann. Bierhoff warb bei den Klubs um Vertrauen. «Ich finde, dass die Länderspielphase im September gezeigt hat, dass auch unser Hygienekonzept sehr gut greift», betonte er: «Die Vereine wissen, dass wir besondere Sorgfalt an den Tag legen.»

Löw will in der nächsten Woche einen grösseren Kader nominieren als üblich. Während ein Teil der Mannschaft im Quartier in Köln bleiben könnte, würde er nur mit einer Rumpftruppe nach Kiew fliegen. Angesichts der beiden weiteren Länderspiele jeweils in der rheinischen Metropole gegen die Türkei (7. 10.) und die Schweiz (13.10./Nations League) liesse sich so auch die Belastung besser steuern.

In Absprache mit Teamarzt Tim Meyer wurde zudem festgelegt, dass die Ukraine-Reise zu einem nicht einmal 36-stündigen Blitzbesuch wird, bei dem der Kontakt zur Aussenwelt – wie im September bei den Partien gegen Spanien in Stuttgart und in Basel gegen die Schweiz – abgesehen vom Spiel vermieden werden soll.

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