Switzerland

Der Weg zur Fortsetzung der Fussballsaison war lang und zäh – der Schweizer Fussballliga fehlt eine glaubwürdige Führungsfigur

Die Swiss Football League beschliesst die Fortsetzung der Saison per 19. Juni. Der lange Weg zu diesem Entscheid spiegelt die Verfassung der Liga, die schon geschwächt in die Corona-Krise gegangen war.

Wer führt die Liga? Es gab keine Gruppierung, die entschlossen voranging, mit mehr Mut als Angst.

Wer führt die Liga? Es gab keine Gruppierung, die entschlossen voranging, mit mehr Mut als Angst.

Simon Tanner / NZZ

Der Schweizer Fussball hat sich wieder zum Leben erweckt. Die Vertreter der 20 Profiklubs beschlossen die Fortsetzung der seit Ende Februar unterbrochenen Meisterschaft. Es ist eine Entscheidung, die in die Zeit passt, ins allgemeine Corona-Frühlingserwachen, und es ist eine Entscheidung, die der Mehrheit ökonomisch nicht viel nützt – aber weniger schadet als ein Abbruch. Alles gut also? Nein. Was sein wird, wirft nach wie vor Fragen auf – vor allem: wie lange welcher Klub durchhält, einen Betrieb ohne Zuschauereinnahmen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig keine Schulden anzuhäufen.

Aber ebenso offensichtlich ist, dass die letzten Wochen aufgearbeitet werden müssen. Die Entscheidfindung zeugte nicht von überschäumender Aufbruchstimmung, es war ein quälend langer Weg mit Hadern und Zögern, mit wechselnden Meinungen und dominierenden Einzelinteressen. Weiterspielen? Abbrechen? Zu welchen Bedingungen? Die Swiss Football League (SFL) verpasste es, überzeugend aufzutreten, vielmehr bewies sie ihre Fragilität.

Dieser Makel mag in der Natur der Sache liegen, wenn 20 KMU um die Existenz kämpfen, die wenigsten kerngesund, einige geführt wie kleine Königreiche. Diese Unterschiede wären weniger aufgefallen, wenn es eine einigende Instanz gegeben hätte. Aber es gab keine Gruppierung, die entschlossen voranging, die agierte statt reagierte. Es hätte womöglich eine andere Dynamik ausgelöst, wenn die derzeit führenden Klubs mit gemeinsamen Ideen vorangegangen wären, mit mehr Mut als Angst.

Ja? Nein? Aber?

Der Meister YB machte sich früh, mit viel Liquidität in der Kasse, für die Fortsetzung der Saison stark. Bernhard Burgener, der Präsident des FC Basel, rechnete vor, wie viel Geisterspiele kosten, verpasste es aber, Ja oder Nein zu sagen. Und Alain Sutter, der Sportchef des FC St. Gallen, sagte Anfang Mai, für ihn sei es nicht der Moment, Spieler auf den Platz zu schicken – bald darauf begannen die St. Galler als erster Super-League-Klub wieder mit dem Training. Der Trainer Peter Zeidler bekannte sich noch vor wenigen Tagen nicht dazu, ob er für oder gegen eine Saison-Fortsetzung sei.

Ancillo Canepa, der Präsident des FC Zürich, sagte kürzlich auf «Teleclub» beschwichtigend: «Wir sind natürlich in einer ausserordentlichen Situation.» Aber es wäre Augenwischerei, das Lavieren der letzten Wochen allein mit der überfordernden Corona-Krise zu erklären. Die SFL ging bereits geschwächt in diese Phase. Schon vor Corona hatte sie keine Geschlossenheit vermittelt, monatelang werkelte die Liga-Führung an einer Modusreform herum, ohne eine Lösung zu finden, die eine grosse Mehrheit überzeugt hätte. Damit verlängerte sie die Argumentationskette der Gegner, die monieren, der SFL-Spitze fehle eine klare Strategie.

Selbstgeschaffene Realität

Aus der Führung und dem Komitee der SFL gibt es niemanden, der breite Glaubwürdigkeit vermittelt. Es gibt keine Figur, die kraft der Erfolge ihres Klubs überzeugt und kraft ihrer Persönlichkeit. Heute ist gern die Rede vom Führungs-Triumvirat um den Präsidenten Heinrich Schifferle, den CEO Claudius Schäfer und Canepa. Andere vermissen von diesem Trio Transparenz, aber die Gegner seien beruhigt: Es ist nicht so, dass die drei stets geschlossen wären und dass es ihnen immer gelänge, die eigene Agenda durchzuboxen.

Und was für die SFL womöglich von grösserer Tragweite ist: In der Aussendarstellung ist Schifferle kein Schwergewicht, mit den Wurzeln in einem Challenge-League-Klub (FC Winterthur) und vom Winterthurer Bezirksgericht 2019 in erster Instanz der ungetreuen Geschäftsführung schuldig gesprochen (in mehreren Punkten aber entlastet). Canepa ist lange dabei und engagiert, aber nicht immer souverän und nicht immer erfolgreich.

Der Schweizer Fussball hat ein Akzeptanzproblem – aber die letzten Wochen zeigten, dass es nicht nur am Ruf der Branche liegt, an den Multimillionen-Salären in ausländischen Ligen, die das Bild der hiesigen Verhältnisse verzerren. Das jüngst vermittelte Bild ist nicht nur Corona-bedingt – sondern selbstgeschaffene Realität.

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