Switzerland

Der traurige Weg der grossen Schweizer Biathlon-Hoffnung zu WM-Gold

Amy Baserga beim Stehendschiessen: Nach dem Sprint gewinnt sie auch die Verfolgung. Bild: imago-images.de

Der traurige Weg der grossen Schweizer Biathlon-Hoffnung zu WM-Gold

Vor einem halben Jahr verliert Amy Basergas Freund bei einem Unfall sein Leben. Die 20-Jährige schafft es, den Schicksalsschlag zu bewältigen. Heute ist die Biathletin Junioren-Weltmeisterin in der Verfolgung geworden.

Anfang 2025 werden die Biathlon-Weltmeisterschaften in der Lenzerheide ausgetragen, zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz. Der spannende, telegene Zweikampf aus Langlauf und Schiessen, diesen zwei grundsätzlich verschiedenen Sportarten, fristete hierzulande lange ein Schattendasein. Dank der Erfolge von Selina Gasparin (Olympia-Silber, zwei Weltcupsiege) oder von Benjamin Weger (fünf Podestplätze im Weltcup) änderte sich dies.

Und es soll weiter aufwärts gehen mit dem Schweizer Biathlon. 2025 in der Lenzerheide soll, wenn alles nach Plan verläuft, auch Amy Baserga um die Medaillen kämpfen. Die 20-jährige Schwyzerin gilt schon seit einiger Zeit als grosses Talent. Vor zwei Jahren wurde sie Jugend-Weltmeisterin in der Verfolgung, gewann dazu Silber im Sprint. Im letzten Winter gewann sie WM-Bronze im Einzel und drei Kristallkugeln für Gesamtsiege im Junior-Cup.

Gestern und heute schlug Baserga nun im ganz grossen Stil zu. In Obertilliach im Südtirol wurde sie zuerst dank fehlerfreiem Schiessen Sprint-Weltmeisterin der Juniorinnen, in der Verfolgung doppelte sie nach. Nur einer von 20 Schüssen Basergas verfehlten das Ziel. «Das habe ich so nicht erwartet. Ich bin super happy über diesen Sieg», strahlte sie.

Unfalltod des Freunds

Dabei ist es überhaupt nicht selbstverständlich, dass die junge Frau aus Einsiedeln in diesem Winter glücklich sein kann und die beste Nachwuchs-Biathletin der Welt ist. Denn im vergangenen Sommer, Mitte August, musste sie einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Ihr Freund, ein talentierter Mountainbiker, kam bei einem Töffunfall ums Leben. Nur zwei Wochen, bevor das Paar in eine gemeinsame Wohnung gezogen wäre.

«Plötzlich ist Biathlon, mein ganzer sportlicher Lebensinhalt, das Allerletzte, woran ich denke», sagte sie im November in der Zeitung «Bote der Urschweiz». Der Sport sei in den Hintergrund gerückt. «Momentan ist es mein Ziel, überhaupt die Kraft zu haben, ein Rennen zu laufen.»

Sie verarbeitete den Schicksalsschlag damit, dass sie sich ins Training stürzte. Ein Fehler sei das gewesen, sagte sie rückblickend, sie hätte mehr Zeit für sich benötigt anstatt zu trainieren. Doch damals sei sie überzeugt gewesen, dass es das Richtige sei: «Ich bin ein Mensch, der in allem das Positive sucht. Und Lucas hätte gewollt, dass ich weitermache.»

Froh, dass der Winter vorbei ist

Die Resultate in diesem Winter waren – angesichts des Schicksalsschlags nachvollziehbar – bis zu den Weltmeisterschaften hin durchzogen. Baserga reiste dennoch zuversichtlich nach Obertilliach, wo sie nun reich belohnt wurde.

Die Nummer 1 ist auch die Nummer 1: Amy Baserga im Ziel des Verfolgungswettkampfs. Bild: imago-images.de

Die WM wird am Samstag mit dem Staffelwettkampf abgeschlossen. Amy Baserga blickte diesem Rennen schon vor den Titelkämpfen entgegen – weil dann die Saison zu Ende ist. «Dann fällt die ganze Last ab, die ich seit letztem August mit mir herumtrage», sagte sie vor der WM.

Es ist noch ein weiter Weg bis zu den Heim-Weltmeisterschaften in der Lenzerheide. Für Amy Baserga geht es nun darum, im Weltcup Fuss zu fassen. Keine einfache Aufgabe, der Klassenunterschied wird gross sein. Medaillen bei den Juniorinnen sind kein Garant für Spitzenresultate bei der Elite. Aber dass sie auch mit ganz schwierigen Situationen umgehen kann, hat die 20-Jährige bereits bewiesen.

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