Switzerland

Der Spitzbueb im Nähkästchen: «Die Baselbieter sind die neuen Zürcher»

Lieber Spitzbueb, worüber reden wir?

Über Grenzen. Sehr gut, das ist unter Schnitzelbängglern immer wieder ein Thema.

Aha. Warum?

Na, weil in der Satire die Grenzen ausgelotet werden sollen.

Welche Fragen treiben Euch derzeit um?

Etwa: Darf man heute noch im Rahmen eines Schnitzelbangg den Ausdruck «Neger» verwenden?

Darf man?

Ja. In den 14 Jahren meines Wirkens als Schnitzelbänggler habe ich das Wort vier, fünf Mal benutzt. Es kommt immer auf den Kontext an. Ein Beispiel eines älteren Verses zu Bush und Obama: Der Weisse macht den Dreck, der Neger räumt ihn zusammen. Das ist halt ein Bild von früher, aus der Zeit der Sklaverei in Amerika. Wenn man das Wort allerdings ohne Zusammenhang verwendet, ist dies nur rassistisch und blöd.

Du nennst Dich nicht umsonst Spitzbueb. Deine Pointen sind spitz, Du kitzelst die Grenzen. Gibt es Tabus für Dich?

Natürlich. Sowohl Fasnacht als auch Satire «trampt» nie gegen unten. Immer nur gegen die Obrigkeiten. Also Behörden, Kirche, einen Kanton als Ganzes. Nie gegen Individuen mit einem bestimmten Schicksal. Auch das Thema Tod kann heikel sein.

Da erinnere ich mich aber an einen Vers von Dir über den Unfalltod des österreichischen Politikers Jörg Haider. Dabei spielte Christoph Mörgeli auch eine Rolle...

Ich habe ihm nicht den Tod gewünscht, und über den Verstorbenen habe ich nichts Schlechtes gesagt. Es war in der Tat ein heikler Grenzfall, ich habe lange daran rumstudiert. Das Publikum hat den Vers aber goutiert.

Was darf man heute überhaupt noch in der Satire? Ich habe den Eindruck, die Leute sind empfindlicher geworden.

Das sehe ich nicht so. Vielmehr ist ihr Humor differenzierter. Mit einem Blondinen- oder Schwobenwitz bringst Du heute keinen mehr zum Lachen.

Bald geht es los mit den Drey scheenschte Dääg. Hast Du alle Verse beisammen?

Das ist nie abgeschlossen. Manchmal brünzle ich noch während der Fasnacht einen Vers. Und bereits kurz nach dem Ändstraich fange ich an, mögliche Themen zu notieren. Ab September beginne ich mit dem Reimen.

Wie viele Verse kommen pro Jahr jeweils zusammen?

Etwa 30. Sieben davon trage ich an der Fasnacht vor. Ich trete ja auch an der Vorfasnacht auf. Das Gute daran ist, dass man ausloten kann, welche Verse am besten beim Publikum ankommen.

Was sind heuer Deine Topsujets?

Drämmli. Ganz billig und unpolitisch. Auch das Klima. Die Pannen bei der Swisscom sind ganz aktuell, da bin ich noch an einem Vers dran. Und dann natürlich der Kanton Baselland, der zieht immer. Die Baselbieter sind die neuen Zürcher. Vor fünf Jahren hiess es, wir Bänggler sollen aufhören mit den primitiven Zürcher-Versen. Heute darf man wieder, einfach den Zürcher mit dem Baselbieter ersetzen. Inhaltlich ist es genau das Gleiche.

Warum ist jetzt der Baselbieter dran?

Ein guter Bangg widerspiegelt den Zeitgeist. Es ist nun mal so: Das Verhältnis zwischen Stadt und Land war aus verschiedenen Gründen schon deutlich besser, es gibt viele da hinten, die froh um die Kantonsgrenze sind und die a priori denken, dass alle unterhalb der Hülftenschanze Deppen sind. Und umgekehrt. Das bietet genug Stoff, um die Leute zum Lachen zu bringen. Und das ist mein Job.

Gibst Du einen aktuellen Vers zum Besten?

Gerne:
«Friener het men allem aa
Angscht gha vorem Schwarze Maa.

Dasch vrby, drfyr het Jeede
Angscht vorem Meiteli uss
Schwede.»

Deine Verse bestehen aus einem Vierzeiler, was im Vergleich zu anderen Bängg sehr kompakt ist...

Viele Schnitzelbänggler trauen sich vielleicht nicht an kurze Verse, weil sie das Gefühl haben, dass sie den Leuten zu wenig Informationen geben.

Warum hast Du Dich dazu entschieden?

Das war ein sehr bewusster Entscheid. Auch, dass ich nicht von einem Instrument begleitet werden und keinen Refrain zum Mitsingen haben will. Entweder ist der Vers gut und steht für sich, oder ich kann ihn gleich wieder streichen. Und es hat funktioniert. Die Latte ist aber schon hoch gesetzt.

Wenn jemand eine Bühne betritt, besteht zuerst eine unsichtbare Grenze zwischen ihm und dem Publikum. Wie hast Du es geschafft, dass der Funke überspringt?

Ich habe die Leute inhaltlich wohl von Anfang an überzeugt. Die Herausforderung war dann, dieses Level zu halten. Das unterschätzen viele.

Mit Erwartungsdruck muss ein Schnitzelbänggler umgehen können.

Auch damit, dass es in einem bestimmten Jahr nicht so gut hinhaut. Frag’ mal den FCB. Acht Mal Erster, und wenn Du dann nach einer Saison den Zweiten machst, bist Du ein Arschloch – das darfst Du so schreiben. Ich leide aber nicht unter diesem Druck. Im Gegenteil: Ich habe immer noch grosse Freude daran, weil es nichts Schöneres gibt, als Menschen zum Lachen zu bringen.

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