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Der neue Formel-1-Chef Stefano Domenicali braucht Härte und Durchsetzungsvermögen

Er hat Ferrari entscheidend geprägt und war zuletzt CEO von Lamborghini. Stefano Domenicali bringt mehr Stallgeruch und Erfahrung als sein Vorgänger mit. Doch der neue Steuermann der Formel 1 steht vor wegweisenden Aufgaben für die Rennserie.

Der neue Mann am Steuer der Formel 1 bringt Stallgeruch und Managementerfahrung mit: Stefano Domenicali.

Der neue Mann am Steuer der Formel 1 bringt Stallgeruch und Managementerfahrung mit: Stefano Domenicali.

Christopher Goodney / Bloomberg

Michael Schumachers Rekord von 91 Siegen hat zumindest noch für ein weiteres Formel-1-Rennen Bestand. Beim Grossen Preis von Russland hat Lewis Hamilton den Gleichstand verpasst. Der Brite bekam zehn Strafsekunden für gleich zwei illegale Startversuche aufgebrummt, weshalb Mercedes-Kollege Valtteri Bottas in Sotschi zum Zug und zum Triumph kommen konnte. Hamilton blieb nur Rang drei hinter Max Verstappen. Deutlich weniger dramatisch, aber nicht weniger uninteressant dürfte der Machtwechsel im Management der Rennserie verlaufen.

Integrität bescheinigt zu bekommen, und das vom einst grössten Rivalen, ist kein schlechter Einstand. Toto Wolff, der Mercedes zum erfolgreichsten Rennstall der Formel 1 geformt hat, macht sich überhaupt keine Sorgen, dass der neue Chef der Königsklasse ob seiner Vergangenheit eine Formel Ferrari plane. Ein gutes Zeugnis, schon bevor Stefano Domenicali im Januar 2021 an die Spitze des Rennbetriebs tritt. Der Mann aus Imola ist ein verbindlicher Mensch. Hoch geachtet ob seiner Expertise und Leidenschaft für den Motorsport. Über seine zwei Jahrzehnte bei der Scuderia hinaus, in der er massgeblich die Schumacher-Ära mitprägte, ist er nach Stationen bei Audi und Lamborghini auch mit reichlich Management-Wissen ausgestattet. Ist er der Mann, der eine Formel 1 im Umbruch zu neuen Ufern führen kann?

Ein bereits bestelltes Feld

Es hätte – ausser Wolff – keinen Besseren als Nachfolger von Chase Carey für diesen Posten geben können. Der US-Amerikaner war vom Rechteinhaber Liberty Media eingesetzt worden, um nach der langen Regentschaft von Bernie Ecclestone die Formel 1 zu modernisieren. Prinzipiell ist Carey das gelungen, doch vielem blieb er fremd. Der 55-jährige Domenicali aber bringt auch den nötigen Stallgeruch mit. Carey übergibt ihm ein auf den ersten Blick bestelltes Feld. Gerade erst ist das Concorde Agreement mit den zehn Teams besiegelt worden, das sportlich und wirtschaftlich die Gesetze bis 2025 festschreibt.

Schon vor der Pandemie war die Richtungsänderung hin zur deutlichen Kostenreduzierung und zu mehr Nachhaltigkeit nötig geworden. Dieses Regelwerk auszuhandeln, ist ein Spagat, denn die Teilnehmenden bestimmen genauso mit wie der Automobilweltverband FIA als Hüter des Reglements. Drei wesentliche Punkte umfasst der gegenwärtige Grundlagenvertrag. Erstens: Ein Budget Cap plus eine veränderte Gewinnausschüttung sollen die kleineren Rennställe finanziell besserstellen und ihre sportlichen Erfolgschancen erhöhen. Zweitens: Ferrari als ältestes Team behält seine Sonderstellung mit Veto-Recht und Extra-Bonus. Drittens: Mercedes hat für die Konzernteams ein Ausstiegsrecht zum jeweiligen Jahresende ausgehandelt. Zusammengenommen bergen die drei Punkte eine Menge Sprengstoff, jeder davon kann die Stabilität in der nahen Zukunft erschüttern.

Zumal an Domenicali nicht nur die Rennstall-Vertreter und mit dem FIA-Präsidenten Jean Todt auch noch sein ehemaliger Chef zerren. Vor allem der Medienkonzern Liberty Media giert nach seinen hohen Investitionen und dem verlustreichen laufenden Rennjahr künftig wieder nach einem steigenden Gewinn. Es ist eine ganz entscheidende Phase der Formel 1, in der Domenicali das Steuer übernimmt. Von ihm werden richtungsweisende Impulse erwartet. Die Serie muss weiter wachsen und vor allem neue Generationen für sich begeistern. Transformation, das war zuletzt auch sein Job als CEO der Sportwagenmarke Lamborghini.

Skepsis bei Mercedes

Der Italiener ist ein bekennender Optimist, das wird in der nicht ganz einfachen Gemengelage helfen. Mit den Kontroversen, die der Formel 1 in den Genen liegen, kennt er sich auch aus. Sein Job aber muss es sein, die Rennserie mit möglichst wenigen Konfrontationen auf Kurs zu halten. Noch herrscht eine Art Corona-Frieden, aber schon die Diskussionen um ein Qualifikationsrennen und umgekehrte Startreihenfolgen, die den Sport künstlich spannend machen sollen, zeigen Konfliktpotenzial. Mercedes-Mann Wolff, der Domenicali eingangs so freundlich willkommen geheissen hat, ahnt bereits, dass dieser vermutlich auch versuchen wird, das dominierende Team zu bremsen.

Der amtierende Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bietet seinem alten Freund hingegen an, gemeinsam die Formel 1 noch stärker und spektakulärer zu machen. Stefano Domenicali selbst muss in vielen Punkten seine Unabhängigkeit beweisen, sich als Primus inter Pares emanzipieren. Als guter Typ zu gelten und ein grosses Herz zu haben, wird allein auf Dauer nicht reichen. Von Beginn an muss er noch eine andere Seite zeigen: Härte und Durchsetzungsfähigkeit. Jene Konstanz vorleben, die die Formel 1 so dringend braucht.

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