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Switzerland

Der Modus ist nicht das grösste Problem der Super League

FCZ-Stürmer Kramer vor Thun-Goalie Faivre. Bild: KEYSTONE

Der Modus ist nicht das grösste Problem der Super League

Wieder einmal diskutiert der Schweizer Fussball über eine Modusänderung. Aktuell im Fokus: Eine Aufstockung der Super League von zehn auf zwölf Teams. Der Schweizer Klubfussball kämpft in einer sich verändernden Welt um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

Am Wochenende beginnt die Rückrunde der Super League. Weiss das jemand? Der Skisport dominiert, mit dem grandiosen Lauberhorn-Triumph von Beat Feuz, dem verblüffenden Schweizer Slalom-Team und Kitzbühel, das vor der Türe steht. Es wird frisch sein, wenn am Samstag um 19 Uhr der FC Zürich im zugigen Letzigrund auf den FC Luzern trifft.

Die Zuschauer werden auch mit einem neuen Modus schlottern, sogar noch öfter, weil es ab der übernächsten Saison 2021/22 neu 38 statt 36 Runden geben könnte. Der Modus, dessen Vor- und Nachteile nun abgewogen werden, wird in Schottland praktiziert. Zwölf Teams spielen je drei Mal gegeneinander. Danach wird die Liga halbiert, die oberen und die unteren sechs Mannschaften spielen noch einmal gegeneinander.

Ein Opfer der Globalisierung

Im Extremfall spielt ein Team gegen Basel und YB nur ein Mal zuhause, vielleicht an einem kalten Mittwochabend, dafür aber zwei Mal gegen Xamax, Lugano oder Thun. Da jammert der Finanzchef des betroffenen Klubs und der Vorwurf einer Wettbewerbsverzerrung wird laut zu hören sein, denn irgendein Klub, dessen Funktionäre und dessen Anhänger werden sich immer betrogen fühlen.

Doch der Schweizer Klubfussball hat ein ganz anderes Problem als die möglicherweise ungleiche Anzahl an attraktiven Heimspielen. Dass die Welt zum Dorf geworden ist, betrifft nicht nur Kleiderverkäufer. Viele Läden schliessen ihre Lokale, weil online oder im Ausland eingekauft wird. Auf den Fussball übertragen bedeutet die Globalisierung: Die Fans sehen, dass es anderswo aufregender ist als zuhause. Und entscheiden sich dafür.

Sechs von sieben Plätzen blieben leer, als Lugano im Herbst bei Servette spielte. Bild: KEYSTONE

Die grosse Fussballwelt ist nur einen Knopfdruck entfernt

In der Deutschschweiz interessiert den Grossteil der Fussballfans in erster Linie die deutsche Bundesliga mit ihren vielen Schweizer Nationalspielern, die englische Premier League und die Champions League. Der 19-jährige Erling Braut Haaland, der bei seinem Einstand für den BVB gleich drei Tore schoss, fasziniert weit über die Grenzen. So wie Cristiano Ronaldo, egal ob er nun bei Real Madrid oder Juventus Turin spielt. Und dass Liverpool nach 30 Jahren des ewigen Wartens nun mit hoch attraktivem Fussball wieder Meister wird, bewegt. Alles ist abrufbar.

Jedermanns Zeitbudget ist beschränkt, man kann nicht endlos Fussball schauen (auch wenn das viele gerne würden). Also entscheidet man sich am Ende für das Premiumprodukt. Das Resultat davon sieht man landauf, landab auf jedem Fussballplatz. Wenn Kinder «tschutten», dann seltener als früher im Trikot des regionalen Super-League-Klubs, sondern oft in Messis Barça-Trikot, Ronaldos Juve-Trikot oder im gelb-schwarzen Dortmund-Outfit.

Qualität ist gesunken

In den Stadien stimmt der Zuspruch noch. Der Zuschauerschnitt liegt in der Super League konstant bei über 11'000 Fans. Das sind fast doppelt so viele Zuschauer wie noch vor 20 Jahren, als die vielen neuen Stadien erst Projekte waren. Und es sind sehr viel mehr als etwa in Österreich (6500 Zuschauer im Schnitt), das betreffend Bevölkerungszahl und fussballerischer Klasse vergleichbar ist.

Die Schweizer Klubs machen also vieles richtig. Das zeigt sich auch in den Resultaten der Nationalmannschaft, die sich in der erweiterten Weltspitze etabliert hat. Die Super League als Ausbildungsliga ist eine Realität.

Nun aber ist der Status gefährdet. Schonungslos zeigt ein Blick in die UEFA-Fünfjahreswertung einen Substanzverlust der Super League. Die Schweizer Klubs sind nicht mehr so gut wie auch schon und es wird schwieriger für sie, die Champions League zu erreichen. Die Schere zu den grossen Ligen geht weiter auf. Talente suchen noch schneller den Weg dorthin: zur sportlichen Herausforderung, zu höheren Gehältern.

Wappenküsser mal hier, mal dort

Ob Albian Ajeti glücklich ist auf der Bank von West Ham United? Der vormalige Torschützenkönig der Super League kommt auf acht Teileinsätze und insgesamt nur 126 Einsatzminuten, ein Tor schoss er keines und West Ham holte in diesen acht Spielen nur zwei Punkte. Für die EM 2020 kann Ajeti so eigentlich kein Thema sein. Wäre er beim FC Basel geblieben, hätte er 15, 20 oder 25 Tore erzielt und sich so fürs Nationalteam aufgedrängt.

Ajetis Wechsel steht sinnbildlich für ein anderes grosses Problem der Super League: die fehlende Treue. Spieler, die über zehn Jahre bei einem Klub sind, wie die Goalies Marco Wölfli und Dave Zibung oder wie die Mittelfeldspieler Marco Schönbächler und Dennis Hediger gibt es immer weniger. Im Schnitt ist ein Super-League-Spieler zwei Jahre im Kader seines Klubs, dann zieht er weiter. Wie soll sich ein Fan da noch mit der Mannschaft identifizieren können? Während er selber stolz ein Leben lang die gleichen Farben anbetet, küsst der von ihm eben noch als Held verehrte womöglich schon nächste Woche das Wappen des Erzrivalen.

Anfangs mag es ja noch aufregend sein, nach jeder Transferperiode davon zu träumen, dass sein Klub soeben ein neues Juwel entdeckt hat. Wenn sich aber von zehn Juwelen aus aller Welt sieben als Flops erweisen und drei einfach genügen und mehr nicht, dann verliert der stete Umbruch schnell seinen Reiz. Kaum kennt man einen Spieler, ist er auch schon wieder weg. Das Bosman-Urteil, das die Grenzen für Fussballer öffnete, ist Fluch und Segen zugleich.

Entscheid in zwei Monaten

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der der Schweizer Fussball gegen ausländische Klubs und eine Vielzahl anderer Freizeit-Aktivitäten um die Gunst der Zuschauer buhlen muss. Beim FC St.Gallen beispielweise hat Präsident Matthias Hüppi entschieden, dass der Klub in der Vorbereitung im Sommer durch die Region tingelt. «Espen on tour» nennt sich das, mal wird am Bodensee trainiert, mal im Toggenburg, mal im Rheintal. Die Fans kommen in Scharen und schätzen diese Nähe. Genau wie Buben und Mädchen, die vor einem Super-League-Spiel Hand in Hand mit den Akteuren ins Stadion laufen dürfen, vom Klub angefixt werden.

Präsidenten im tenue légère: Matthias Hüppi (FC St.Gallen) und Ancillo Canepa (FC Zürich). Bild: KEYSTONE

Ob ein neuer Modus diese grossen Probleme des Schweizer Klubfussballs lösen wird? Ob dadurch das Interesse angekurbelt werden kann? Ob die Qualität wieder gesteigert werden kann? Darüber wird nun angestrengt nachgedacht. Mitte März wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung der Swiss Football League entschieden, ob die Liga von zehn auf zwölf Teams aufgestockt werden soll.

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