Switzerland

Der Kunstturn-Cheftrainer Bernhard Fluck meutert gegen seine Ablösung

Dem 64-jährigen Erfolgscoach wird ein runder Abgang in den Ruhestand verweigert – und schon ist der nächste Eklat im Turnverband perfekt.

Bernhard Fluck hat am Dienstag einen denkwürdigen Solovorstoss gewagt.

Bernhard Fluck hat am Dienstag einen denkwürdigen Solovorstoss gewagt.

PD

Turbulenter könnten die Zeiten nicht sein für den Schweizerischen Turnverband (STV). Mitten im Schlamassel in der rhythmischen Gymnastik mit Missbrauchsvorwürfen und Entlassungen von Trainerinnen bedient Bernhard Fluck, der Cheftrainer der Kunstturner, die Öffentlichkeit mit einem weiteren Knall.

Fluck hatte ausgewählte Medien in einen Konferenzraum im Hauptbahnhof Zürich eingeladen, um loszuwerden, was ihn schwer getroffen hat: dass sein Arbeitgeber nur noch bis Ende Jahr mit ihm als Cheftrainer plant und er schon vor den auf 2021 verschobenen Olympischen Spielen in Tokio abgelöst wird. «Was der STV mit mir macht, ist respektlos», sagte Fluck, «ich fühle mich vom Leistungssportchef und vom Geschäftsführer ausgenutzt.» Fluck hatte den Turnverband nicht über den Alleingang an die Öffentlichkeit informiert – in dem Wissen, dass er mit der Aktion die Entlassung riskiert. «Ich habe nichts zu verlieren.»

Fluck arbeitet seit 19 Jahren für den STV, seit 2009 als Cheftrainer. Er baute ein Männerteam auf, das sich für Rio 2016 und für Tokio 2020 qualifizierte, was nach 1992 keine Schweizer Riege mehr geschafft hatte. Oliver Hegi, Pablo Brägger und Co. gewannen zwischen 2013 und 2018 neun EM-Medaillen. Am 12. Mai 2021 wird Fluck 65-jährig, Tokio 2020 wäre ein runder Abschluss gewesen. Er hatte sich sogar Hoffnungen gemacht, auch noch die Heim-EM in Basel im April 2021 mitnehmen zu können vor der Pensionierung, «das hätte ich eine schöne Geste gefunden». Nach der Olympiaverschiebung im vergangenen März bot Fluck dem Turnverband an, die Mission Tokio als Cheftrainer zu Ende zu bringen und den Ruhestand erst nach den Spielen anzutreten. Doch der STV hat andere Pläne und vollzieht den Chefwechsel mit dem Jahreswechsel.

Ein Assistent beerbt ihn

Nachfolger des Zürchers wird Laurent Guelzec, einer der Assistenten. Die Beförderung ist beschlossen, aber noch nicht kommuniziert, der Vertrag noch nicht unterschrieben. Guelzec gilt weitherum als Toptrainer, der Franzose ist derzeit für die Geräte Pauschenpferd, Barren und Reck zuständig, sein Landsmann Laurent Tricoire für Boden, Ringe und Sprung; Fluck trägt die Gesamtverantwortung. Tricoire wird den STV per Ende Jahr freiwillig verlassen, was intern schon länger bekannt ist.

Der Verbandspräsident Erwin Grossenbacher sagt: «Wir alle sind der Überzeugung, dass es richtig ist, den neuen Cheftrainer am 1. Januar starten zu lassen, damit er den gesamten Vierjahreszyklus bis Paris 2024 verantworten kann.» Formell obliegt die Besetzung des Postens dem Zentralvorstand, doch getroffen hat den Entscheid die operative Führung mit dem Spitzensportchef Felix Stingelin und dem Geschäftsführer Ruedi Hediger. Wegen der Missstände in der rhythmischen Gymnastik sehen sie sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, eine externe Untersuchung könnte darin gipfeln, dass sich der STV von Stingelin, Hediger oder gleich von beiden trennt.

Das belastete Verhältnis

Fluck hat zumindest zu Stingelin ein belastetes Verhältnis. Auch darüber sprach er am Dienstag. Vor Rio 2016 hatte es ein Gerangel um die knappen Akkreditierungen für Trainer und Funktionäre gegeben. Stingelin führte die STV-Delegation in Brasilien an, Fluck musste entscheiden, wer die beiden Trainer-Akkreditierungen bekommt. Er verzichtete schliesslich auf die Reise und überliess die Betreuung an Ort Guelzec und Tricoire, die während Wettkämpfen immer unten bei den Turnern sind, während Fluck das Geschehen meistens von der Tribüne aus beobachtet.

Das Gerangel trübte zumindest das Verhältnis zwischen Fluck und Stingelin. Laut Fluck wurde im Nachgang sogar ein externer Mediator beigezogen. Fluck ist der Meinung, dass auch er eine Olympiadelegation leiten und Stingelin angesichts der beschränkten Akkreditierungen daheim bleiben könnte. «Ich bin in Magglingen täglich mit den Athleten zusammen, ich weiss sogar, welches Deo sie benutzen», sagt Fluck. «Der Spitzensportchef hingegen sitzt 100 Kilometer entfernt in Aarau im Verbandsbüro.» Er würde von Stingelin – den Namen wollte Fluck an diesem Tag nicht aussprechen – erwarten, dass er sein Ego zurückstelle.

Drunter und drüber

Fluck weiss seit dem 19. Juni, dass nichts wird aus einem schönen Abgang. Seither sei «tote Hose» zwischen ihm und dem STV. Der Turnverband hat Fluck für die Zeit bis zur Pensionierung eine Weiterbeschäftigung angeboten, in der EM-Organisation oder in einem Projekt, das er selber vorschlagen könnte. Fluck sagt, das interessiere ihn nicht. Grossenbacher und Hediger erklären, sie hätten vorgesehen, nochmals mit Fluck zu reden. Dass dieses Gespräch noch nicht stattgefunden hat, dürfte damit zusammenhängen, dass es in der rhythmischen Gymnastik seit gut zwei Wochen drunter und drüber geht.

Ob der Alleingang über die Medien für Fluck Konsequenzen haben wird, lassen die Verbandschefs offen. Dass der STV den Wechsel von Fluck zu Guelzec nicht erst im Sommer 2021 vollziehen will, ist ein vertretbarer Entscheid. Doch der Erfolgstrainer hätte ein Happy End verdient, sein Frust und sein denkwürdiger Solovorstoss sind deshalb verständlich.

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