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Das hat der US-Post gerade noch gefehlt

Die amerikanische Post arbeitet hochdefizitär, weil sie einen kaum mehr zeitgemässen Grundversorgungsauftrag zu erfüllen hat. Es besteht seit langem Anlass zu Reformen. Trump attackiert aber den Postdienst aus reinem Eigeninteresse.

Die Besuche von Poststellen sind von 2010 im Vergleich zu 2019 um fast einen Viertel gesunken.

Die Besuche von Poststellen sind von 2010 im Vergleich zu 2019 um fast einen Viertel gesunken.

Rachel Wisniewski / Reuters

Diese Woche hat sich US-Präsident Donald Trump gegen neue Mittel für den amerikanischen Postdienst (United States Postal Service, USPS) ausgesprochen, weil damit die von ihm so verpönte briefliche Stimmabgabe unterstützt würde, «die das marode Institut eh nicht zu gewährleisten fähig wäre». Trumps Behauptung und Argument sind wie so oft so falsch, dass man sie eigentlich ignorieren sollte.

Der USPS hat wie so viele Postdienste auf der Welt einen gesetzlichen Auftrag in Monopolfunktion zu erfüllen – die landesweite Zustellung von Briefpost zum Preis von derzeit 55 Cents pro Stück, egal ob nach Sidney im Gliedstaat Montana oder nach Supai im Gliedstaat Arizona. Jeden Tag ausser sonntags legt ein Postbote über 300 Kilometer zurück, um in Sydney 272 Briefkästen zu beliefern. Für den Postdienst in Supai werden Maultiere eingesetzt für den 12 Kilometer langen Abstieg in den Grand Canyon.

Man braucht kein Betriebswirt zu sein, um zu erkennen, dass die Rechnung nicht aufgehen kann. Im vergangenen Quartal hat der USPS 2,2 Milliarden Dollar Verlust gemacht, seit 2007 summieren sich die Verluste auf 80 Milliarden. Die Briefpost hat ihre besten Zeiten längst hinter sich; der Gipfel war 2006 erreicht mit 213 Milliarden ausgelieferten Briefen. 2019 lag das Volumen einen Drittel niedriger, wobei über die Hälfte aus Marketing-Post bestand, während echte Briefe, Grusskarten und anderes zunehmend verschwinden. In derselben Periode ist die Anzahl zu bedienender Adressen um 9 Prozent von 146 auf 160 Millionen gestiegen. Und während die Besuche von Poststellen von 2010 um fast einen Viertel von 1,06 Milliarden auf 812 Millionen in 2019 gesunken sind, hat die Anzahl der Poststellen nur um 4 Prozent abgenommen. Zum Vergleich: In der Schweiz ist die ausgelieferte Briefmenge ebenfalls stark von knapp 2,4 Milliarden in 2010 auf 1,8 Milliarden in 2019 gesunken.

Der US-Generalpostmeister Louis DeJoy sagt klipp und klar: Das Geschäftsmodell ist nicht tragfähig. Das weiss auch jedes Kongressmitglied. Sobald aber ein Postbüro im eigenen Wahlkreis zur Diskussion steht, will keiner mehr etwas von Reform wissen. Die gewerkschaftlich organisierte USPS-Belegschaft trägt das Ihre dazu bei, dass Reformen ausbleiben und der Postbetrieb hochdefizitär bleibt. Das hat zur Folge, dass die landesweite Versorgung an sechs Tagen pro Woche aufrechterhalten wird und die Portogebühren gerade einmal mit der Inflation Schritt halten dürfen. Kostendeckende Ansätze sind tabu.

Es besteht also seit langem Anlass, den US-Postdienst zu reformieren. Trump aber attackiert den USPS aus reinem Eigeninteresse. Seit Beginn der Amtszeit fordert er die Erhöhung der Paketgebühren. Dies aber nur, weil von den niedrigen Tarifen vor allem sein Erzrivale Jeff Bezos und der Versanddienst Amazon profitieren. Um die Wirtschaftlichkeit von USPS geht es Trump nicht. Trump schiesst gegen USPS und Amazon, hat aber den Milliardär Bezos und dessen zweites Besitztum, die Trump-kritische «Washington Post», im Visier. Wenn Trump nun befürchtet, dass USPS als Vehikel für die briefliche Stimmabgabe zu seiner Abwahl beitragen wird, und er sich gegen die Finanzierung des defizitären Postbetriebs stemmt, ist das so abscheulich wie irreführend. Denn Belege dafür, dass ihm die briefliche Stimmabgabe schadet, gibt es keine. Aber die Anspielung ist so unverfroren, dass ihm die Unterstützung der Basis gewiss ist.

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