Switzerland

Da müssen Sie hin!: Die Kulturtipps der NZZ-Feuilletonredaktion

Neue Filme in der ganzen Stadt, die wilden zwanziger Jahre und eine Hommage an ein Open-Air-Festival, das auch nach fünfzig Jahren noch gegenwärtig ist: Unsere Kulturtipps für Zürich für die Woche vom 1. Oktober.

Illustration Philipp Meier

Irgendwann beginnt der Herbst. Auch wenn wir dieses Jahr vom Sommer kaum richtig Abschied nehmen konnten. Am Theaterspektakel zum Beispiel, wo man in normalen Jahren ganz Zürich trifft und die letzten warmen Abende verbringt, bevor die Jacke-Mütze-Handschuhe-Saison wieder beginnt. Hoffen wir auf nächstes Jahr und geniessen es, am Zurich Film Festival ein bisschen Glamour zu spüren (auch wenn man selber nicht dabei ist) und einen Vorgeschmack davon zu bekommen, welche tollen neuen Filme man sehen könnte (auch wenn man sie dann schliesslich gar nicht anschauen geht). Oder machen eine Zeitreise. In die 1920-er Jahre oder nach Woodstock, wo die Hippie-Bewegung 1969 ein dreitägiges Delirium feierte.

Die Tipps der Woche

  • Zurich Film Festival, die Zweite: Neben dem üppigen Spielfilmprogramm gibt es heuer auch bei den Dokumentationen manchen Schatz zu entdecken. Etwa «80 000 Schnitzel» von Hannah Schweier – der Film läuft am Samstag, 3. Oktober, um 13 Uhr 15 im Arthouse Piccadilly. Die höchst private Geschichte, wie ein Bauernhof nebst Gasthaus für eine ganze Familie zum tiefgreifenden Lebensmittelpunkt wird, reflektiert den Wert von Arbeit und Freizeit, früher wie heute. Oder man geniesst einen der klügsten Beiträge dieses Jahrgangs, mit Wendungen, die einem den Atem stocken lassen können: «W – Was von der Lüge bleibt» (am Sonntag, 4. Oktober, um 13 Uhr im Filmpodium). Regisseur Rolando Colla bereitet den Fall von Binjamin Wilkomirski auf, dem Schweizer, der mit der Schilderung seiner Kindheit im Konzentrationslager einen literarischen Erfolg errang – bis seine Geschichte als fiktive Aneignung enttarnt wurde. Der aufwendig recherchierte Film zeigt, dass nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Lüge komplex ist.
  • Kunst: ein Blick auf die Zwanziger. Unsere zwanziger Jahre haben gerade begonnen. Und wie sie begonnen haben! Mit einer Pandemie, die uns zeigt, dass wir, die wir meinten, alles im Griff zu haben, eben doch nicht alles beherrschen, und dass wir gerade dann, wenn wir versuchen, all die Unwägbarkeiten trotzdem in den Griff zu bekommen, nur umso mehr einsehen müssen, dass sie uns über den Kopf wachsen. Vielleicht haben sich die Menschen vor hundert Jahren ähnlich gefühlt. Von den wilden Zwanzigern spricht man heute, wenn von der Zeit nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg die Rede ist. Sie war wild. In jeder Hinsicht. Befeuert von einer Unruhe, die auf den nächsten Krieg hinsteuerte. Das Kunsthaus erlaubt uns einen faszinierenden Blick auf die Kunst der zwanziger Jahre. Aber nur noch bis zum 11. Oktober. Nichts wie hin!
  • Musik: Woodstock im Herzen. Bezeichnet Woodstock einen historischen Wendepunkt? Vielleicht schon. Jedenfalls haben die, die 1969 zu jung waren, um in Woodstock dabei zu sein, doch immer das Gefühl, sie hätten etwas verpasst. Klar, die meisten, die alt genug waren, um dabei zu sein, waren auch nicht dort. Obwohl an den vier Tagen im August viel mehr Menschen vor Ort waren, als man sich vorstellen konnte. Ein paar tausend wurden erwartet, rund 400 000 kamen. Und zu hören waren die Ikonen, die noch heute unser kollektives Bewusstsein möblieren: Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who, Joan Baez, Santana, Joe Cocker, The Band und und und. Da manifestierte sich das Lebensgefühl der Hippiegeneration. So, und wenn Sie am Freitag ins Theater Rigiblick gehen, dann spüren Sie ganz sicher ein bisschen etwas davon, am «Tribute to Woodstock». Es gibt noch Tickets.
  • Theater. Die neue Schweiz. Fatima Moumouni und Ugur Gültekin sind die Vorbilder und Zukunft einer Schweiz, die wir erst ahnen. Die Spoken-Word-Künstlerin und der Moderator mit «Migrationsvordergrund», Vorstandsmitglied des Instituts Neue Schweiz, gehören zur Generation Hoffnung und Öffnung. An der Gessnerallee lädt Moumouni am Freitag den Kollegen zur Eröffnung ihrer Talkshow «Die neue Unsicherheit (Disco Edition)» ein. Wer wissen will, wohin sich dieses Land im Idealfall entwickelt, wird im Publikum sitzen.

3 Fragen an Kaja Eggenschwiler

Andreas Rentz/Zurich Film Festival

Kaja Eggenschwiler ist seit diesem Jahr Programmer/Head of PR am Zurich Film Festival.

Was war für Sie die grösste Herausforderung bei der Organisation in diesem speziellen Jahr?

Zu den grössten Herausforderungen gehören dieses Jahr sicher die ständigen Veränderungen: Kurz vor Festivalstart ist zum Beispiel Frankreich auf die Schweizer Quarantäneliste gerutscht. Besonders brisant, weil das Filmschaffen aus unserem Nachbarland im Zentrum der Sektion Neue Welt Sicht steht. Wir mussten für alle Filmschaffenden Gesuche einreichen, damit sie überhaupt einreisen und ihre Filme dem Publikum vorstellen können. Das wirkt sich auf diverse weitere Bereiche aus und fordert Flexibilität und enge Zusammenarbeit im Team. Exakte Kommunikation ist dabei essenziell.

Welche Rückmeldungen haben Sie bis jetzt von den Zuschauern und Gästen bekommen?

Ich habe bisher sehr positive Rückmeldungen erhalten – unser Programm stösst auf grosses Interesse. Die Filmemacherinnen und Filmemacher sind zudem überglücklich, ihre Filme endlich wieder einem realen Publikum vorzustellen. Die direkte Begegnung mit dem Publikum ist einfach unersetzbar. Auch die Zuschauer geniessen es, wieder ins Kino zu gehen, das spiegelt sich auch in den Zahlen: Die Säle sind rund 60% ausgelastet, was aktuell unserer maximalen Kapazität entspricht.

Welche 3 Filme / Serien zählen zu Ihren Highlights der diesjährigen Ausgabe?

Der Debutfilm «Gagarine» ist sicher eines meiner Highlights. Ein überwältigend schöner, fast poetischer Film aus dem Banlieue. Ein weiterer Tipp ist das humanistische und humorvolle Drama «Here We Are» vom israelischen Regisseur Nir Bergman über väterliche Liebe und die Schwierigkeit loszulassen.

«Slalom» und 5ème «Final Set» sind beides Filme, die im Bereich des Profisports angelegt sind, begeistern aber auch Menschen, die keine Sportfans sind.

Während dem Festival habe ich zwar keine Zeit die Kinder meiner Freunde für Kinobesuche auszuleihen. Wer aber selber Kinder hat, dem lege ich die Kinderreihe sehr ans Herz: Wärmstens empfehlen kann ich «Die Adern der Welt» der in der mongolischen Steppe spielt und sich um den 11-jährigen Amra dreht. Es ist sein Traum in einer Talentshow aufzutreten, gleichzeitig verteidigt sein Vater die Interessen der Nomaden im Widerstand gegen die Ausbeutung. Das stellt Amra vor die Entscheidung, ob er seinem eigenen Traum oder den Fussstapfen seines Vaters folgt.

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