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Corona, du hast mir das Jungsein versaut

Mit Maske, umgeben von Coronaviren: Spass geht anders. bild: watson/shutterstock

Kommentar

Corona, du hast mir das Jungsein versaut

Eigentlich sollte ich jetzt verkatert vom Kleinen Freitag vor dem Computer sitzen. Stattdessen war ich gestern schon wieder um 9 Uhr im Bett. Und das wegen dir, Corona.

Ich will Open Airs. Ich will Partys. Ich will mit meinen Freunden bis um 8 Uhr morgens durch die Nacht stolpern und dann im Zug einschlafen. Ich will tanzen. Ich will Fehler machen. Ich will jung sein und raus gehen und die Welt entdecken.

Aber nein. Corona.

Corona, du hast alles versaut. Und ich bin wütend. Wütend auf dich, einen Virus, der wahrscheinlich nicht wieder weggehen wird. Wütend auf etwas Unsichtbares, etwas Unfassbares. Es reicht mir. Ich habe die Schnauze gestrichen voll.

Ja, ich vermisse den Ausgang. Es geht hier aber nicht nur primär ums Saufen. Saufen kann ich auch zu Hause genug. Es geht darum, neue Menschen kennenzulernen. Mit Freunden einen drauf zu machen. Abwechslung ins Spiel zu bringen. Zu tanzen. Das ganze Drumherum eben. (Introverts: Ihr müsst das nicht verstehen. Für mich ist das Zu-Hause-Herumsitzen die reinste Qual.)

Und nein, hierbei geht es nicht nur ums Clubben. Es ist auch in Bars nicht mehr das Gleiche. Oder im Büro. Oder bei Familientreffen. Oder sonst wo. Corona ist ständig Thema.

Übrigens: Das Erwachsensein finde ich so oder so sch**sse.

Video: watson/Emily Engkent

Ich vermisse es, ohne Hintergedanken Spass zu haben. Ohne falsche Scheu dem Gegenüber die Hand geben. Keine Angst davor haben, die liebe Oma zu besuchen. Sich nicht zwei Mal überlegen müssen, ob man jetzt die Hände das 30. Mal desinfizieren soll oder nicht. Sogar fremde Leute anlächeln vermisse ich! Und meine Freunde und Familie bei der Begrüssung zu umarmen auch.

Ich vermisse es, sorglos durch die Welt gehen zu können und nicht ständig mit der Corona-Gefahr konfrontiert zu werden. Überall und täglich erinnern uns Schilder, Schlagzeilen und Masken daran, was gerade abgeht. Es ist, wie wenn ich jedes Mal, wenn ich ins Auto steige, an einen möglichen Unfall denken müsste. Dann würde ich doch durchdrehen. Und genau das passiert jetzt nämlich. Die Leute drehen durch.

Corona, Corona, Corona. Wirklich, ich kann's nicht mehr hören. Immer und überall wird nur noch über dieses Thema diskutiert. Und das nicht normal, nein! Alle sind ständig aggressiv. Einige ticken aus, wenn sie das Wort «Corona» nur schon hören – andere wollen gar nicht darüber reden.

Es fehlt die Empathie. Niemand will sich mehr in den anderen hineinfühlen. Weil alle die Schnauze voll haben. Wir alle wollen nur, dass diese Pandemie so schnell wie möglich vorbei geht. Entweder man ist Egoist oder Ignorant. Realist oder Leugner. Schwarz oder Weiss. Es gibt nichts dazwischen. Und das nervt.

Das grösste Problem ist diese Ungewissheit. Wann hört das auf? Wie lange muss ich noch auf das Leben verzichten, wie ich es gekannt habe? Auf das Leben, welches ich so gerne gelebt habe? Monate oder sogar Jahre?

Corona, du hast mir das Jungsein versaut. Und ich hoffe sehr, dass du bald verschwinden wirst. Und ich wieder unbeschwert Spass haben kann. Wieder leben kann. Wieder jung sein kann.

19 Cartoons, die das Erwachsensein illustrieren

watson-Duell: Baroni gegen Cécile im Aromat-Knatsch

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