Switzerland

Clubs wehren sich gegen Auflagen vom Bund: «Die Polizeistunde bringt absolut nichts!»

Der Bundesrat verkündete am Mittwoch, dass auch die Clubs wieder vor Freude tanzen dürfen. Die Begeisterung der Branche hält sich aber in Grenzen, denn die Auflagen haben es in sich – und wie. Schliessung um Mitternacht, pro Besucher vier Quadratmeter Platz und Einlass für maximal 300 Personen. Dazu müssen sämtliche Kontaktdaten der Gäste aufgenommen werden.

«In der Clubbranche herrscht grosse Unsicherheit», sagt Max Reichen (30) von der Schweizer Bar- und Clubkommission zu BLICK. Für gewisse Clubs würde eine Öffnung Sinn machen, für viele jedoch wenig.

Bei einem ist sich Reichen aber sicher: «Unsere Branche wird kreativ sein. Das ist das Einzige, was ich momentan weiss.» Die Clubs werden auf Alternativen ausweichen müssen. Der Berner hofft deshalb auch auf Verständnis von Anwohnern und Behörden. «Es wird sicher Daypartys geben.»

Die derzeitige Unklarheit bei den Lockerungsmassnahmen sorge für grosse Unsicherheit bei den Clubbetreibern. «Sie haben Angst, dass sie haften müssen, wenn sich die Leute in ihrer Diskothek mit dem Virus anstecken.» Das sei ein extremes Risiko.

«Das Ganze ist nicht durchdacht»

Auch Nachtclub-Experte Alex Flach (49) bestätigt die grosse Unsicherheit, die in der Branche grassiert. «Es ist zwar schön, dass die Massnahmen jetzt schon gelockert werden, aber kein Gastro-Betrieb kann so richtig arbeiten», erklärt Flach, der für verschiedene Zürcher Clubs die Kommunikation leitet.

Besonders die Polizeistunde stösst bei ihm auf Unverständnis. «Das Ganze ist nicht durchdacht.» Jetzt wo es warm sei, würden die Leute nach Mitternacht einfach draussen weiter feiern. «Und da stehen sie genauso eng zusammen wie in einem Club bei Normalbetrieb.» Und dann aber ohne Hygienemassnahmen und ohne jegliche Nachvollziehbarkeit der Übertragungskette im Falle einer Ansteckung.

Auch Max Reichen kritisiert die Schliessung um Mitternacht stark: «Die Polizeistunde bringt absolut nichts! Die lässt die Clubbetreiber nur verzweifeln», meint er. Genau wegen der Ansammlungen auf der Strasse sei die Polizeistunde vor 30 Jahren aufgehoben worden.

Zunahme an illegalen Veranstaltungen

Laut einer Mitteilung der Bar- und Clubkommission Zürich werden die meisten Clubs und Musik-Bars in Zürich aufgrund der starken Einschränkungen weiterhin geschlossen bleiben. Wie viele das genau betrifft, kann Flach nicht einschätzen. «Die Clubs müssen individuell entscheiden, ob sie aufmachen oder nicht. Die Kalkulationen der Diskotheken laufen derzeit auf Hochtouren.»

Klar sei, dass Clubs mit einem Outdoor-Bereich weitaus mehr Möglichkeiten haben: «In einem Zürcher Hive mit Aussenbereich verteilen sich die Leute beispielsweise viel besser als in einer Friedas Büxe ohne Outdoor-Möglichkeit.»

Fest stehe, dass jene, die öffnen, das ihren Gästen zuliebe machen. Einige werden sicher zu unkonventionellen Konzepten greifen. Höhere Eintrittspreise müsse man laut Flach aber nicht fürchten. «Mit den momentanen Auflagen kann sowieso kein Club Gewinne erzielen.»

Obwohl Flach froh ist, dass die Lockerungsschritte fürs Nachtleben schon jetzt gemacht wurden, kann er die nächsten Lockerungen kaum erwarten. «Solange diese massiven Einschränkungen bestehen, wird so mancher Club seine Tore nicht öffnen.» Flach rechnet dagegen mit einer Zunahme an illegalen Veranstaltungen. «Bis jetzt haben sich die Jungen zurückgehalten. Das wird nicht mehr lange so bleiben.»

Daydances im düsteren Club-Keller?

Auch Sam Alge (25), Betreiber vom Luzerner Club Schwarzes Schaf, ist im Zwiespalt, ob er den Clubbetrieb am 6. Juni wieder aufnehmen soll oder nicht. «Schwarze Zahlen werde ich auf jeden Fall nicht schreiben. Wir könnten mit einer Öffnung jedoch immerhin die Kosten reduzieren, die wir in den letzten Wochen tragen mussten», so Alge zu BLICK.

Ob er auf Daydances im Club setzen soll, habe er sich auch überlegt. «Es fragt sich jedoch, ob die Leute im Sommer den Tag nicht lieber draussen verbringen, statt in einem Club zu tanzen.»

Auch seien ihm die derzeitigen Auflagen nicht ganz klar. Darf man den ganzen Abend nur 300 Personen insgesamt reinlassen oder beziehen sich die 300 auf die Anzahl Personen, die sich gleichzeitig im Club aufhalten? «Das macht nämlich einen riesigen Unterschied!»

Um seine Einbussen zu minimieren hat Sam Alge das Schwarze Schaf mittlerweile zu einer Bar umfunktioniert. «So kann ich immerhin auf diese Weise Gäste empfangen.» Ob das so bleibe, werde sich in den nächsten Tagen zeigen. Fest steht aber: «Ich bin froh, wenn wir wieder alles selber entscheiden können.»

St. Galler Alpenchique bleibt zu

Für Andy Messmer (46), Geschäftsführer des St. Galler Clubs Alpenchique ist jedoch klar, dass er seine Tore nicht öffnen wird. «Es blutet uns allen zwar das Herz, aber es lohnt sich für uns keineswegs, jetzt aufzumachen», so Messmer zu BLICK.

Eine Öffnung bedeute auch, dass die Mietzinsreduktion und jegliche Unterstützung vom Staat wegfalle. «Wenn wir nur bis um Mitternacht geöffnet haben dürfen, machen wir unter diesen Bedingungen mehr Minus als Plus.»

Er hätte es bevorzugt, wenn der Bundesrat die Massnahmen zu einem späteren Zeitpunkt gelockert hätte – sobald es für die Clubs auch rentabel gewesen wäre, wenn sie wieder öffnen. «Diese Massnahmen bedeuten für die Clubs den klassischen Knockout.»

«Einen überdurchschnittlich guter Sommer»

Diese Sichtweise teilt auch Roni Szepanski (37) vom Churer Nachtclub Selig. «Es ist eine schwierige Situation», erzählt der Geschäftsführer. «So wie die Massnahmen jetzt sind, hätten sie uns gleich sagen können, dass wir zulassen sollen.»

Alternative Konzepte könne man sich überlegen, sind aber in Szepanskis Augen «eher chancenlos». Solange die Sperrstunde bestehe, sehe er für die Clubs ohne aussergewöhnliche Infrastruktur keine Hoffnung. «Es wirkt so, als ginge es dem Bund darum, möglichst schnell viele Leute aus der Kurzarbeit zu holen.»

Der Clubbetreiber ist aber der Meinung, dass die Polizeistunde bald gestrichen wird. Dann könnte es doch noch ein guter Sommer werden. Szepanski zu BLICK: «Die Festivals fallen ins Wasser und die Situation mit Ferien im Ausland ist auch noch etwas haarig – dann hat die Stunde der Clubs geschlagen!»

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