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Chinesische Elektroautoaktien begeistern die Wall Street

Nio ist mittlerweile mehr wert als BMW oder Daimler. Der Erfolg des chinesischen Elektroautoherstellers hat auch andere Konkurrenten aus China beflügelt. Aus Sicht der Tesla-Aktionäre stellt sich die Frage, ob das US-Unternehmen nicht plötzlich selber zum Opfer von Disruption werden könnte.

Besucher bestaunen den chinesischen Elektro-SUV Nio ES6 bei der Automobilmesse Auto China im September dieses Jahres.

Besucher bestaunen den chinesischen Elektro-SUV Nio ES6 bei der Automobilmesse Auto China im September dieses Jahres.

Tingshu Wang / Reuters

So schnell kann es gehen an der Börse. Vor wenigen Monaten stand Nio noch kurz vor dem finanziellen Fiasko, und heute begeistert der chinesische Elektroautohersteller mit einer stolzen Marktkapitalisierung von mehr als 70 Mrd. $ die Akteure an der Wall Street. In Händlerkreisen wird Nio mittlerweile als Antwort Chinas auf Tesla gepriesen. Und die Marktkapitalisierung darf sich durchaus sehen lassen. Immerhin ist das 2014 gegründete Startup-Unternehmen schon mehr wert als GM, Ford, BMW oder Daimler.

Wem diese Performance nicht ausreicht, kann auch gleich noch die Aktien von Xpeng, Li Auto und BYD ins Portfolio holen, zumal auch diese Titel in den vergangenen Wochen massiv zugelegt haben. All diesen Unternehmen ist gemeinsam, dass sie als Elektroautohersteller in China tätig sind. So gross ist die Euphorie an der Wall Street, dass schon vom Durchbruch «der Chinesen» gesprochen wird, die offenbar den Schlüssel zum Erfolg im Elektroautomarkt gefunden haben.

Doch das scheint freilich etwas zu euphorisch. Zum einen sind die Erfolgsrechnungen dieser Unternehmen trotz dem Aktienhöhenflug nach wie vor fragwürdig. In gewissen Fällen sind sie nicht einmal in der Lage, eine Bruttomarge zu erwirtschaften. Zum anderen lässt die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen noch einiges zu wünschen übrig. Trotzdem stellt sich hier aus Sicht der Anleger die Frage, ob die chinesischen Hersteller als Disruptoren den Automarkt auf den Kopf stellen werden – oder ob es sich hier nur um eine typische chinesische Börseneuphorie handelt, die früher oder später wieder verpuffen wird.

Wird Tesla zum Opfer des eigenen Erfolgs?

Insbesondere die Tesla-Aktionäre sollten hier schon genauer hinschauen. Tesla ist das erste internationale Unternehmen, das eine eigene Fabrik mit vollem Besitz in Schanghai betreiben darf. Laut dem Konzernchef Elon Musk wird China zu einem zentralen Markt heranwachsen. Insofern stellt sich natürlich die Frage, ob Tesla hier einer wachsenden Konkurrenz ausgesetzt ist.

Problematisch ist das bisher zwar nicht, zumal die Marke Tesla auch im chinesischen Markt vom sogenannten «Cool-Faktor» profitiert. Technologiebewusste Konsumenten, die es sich leisten können, lassen sich gerne mit einem Tesla in den Strassen von Schanghai oder Beijing blicken. Dazu kommt, dass Autos in China besonderen Status-Charakter vermitteln und sowohl Erfolg als auch sozialen Aufstieg signalisieren. Ein Tesla passt dabei sehr gut ins Bild. Insofern befindet sich der Elon-Musk-Konzern eher im Wettbewerb mit anderen internationalen Luxusmarken wie BMW, Audi, Chevrolet oder Mercedes.

Der Tesla-Chef Elon Musk spricht Anfang 2019 an der Tesla Shanghai Gigafactory.

Der Tesla-Chef Elon Musk spricht Anfang 2019 an der Tesla Shanghai Gigafactory.

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Die Antwort ist das 25 000-Dollar-Auto

Doch das kann sich schnell ändern. Im Gespräch mit Fondsmanagern fällt zu Recht das Argument, dass die chinesischen Elektroautobauer durchaus besser werden könnten. Sie werden genauso wie die internationale Konkurrenz von den Fortschritten in der Batterietechnologie und beim elektrischen Antrieb profitieren. Wenn die gesamte Wertschöpfungskette besser wird, dann dürften auch die Produkte der chinesischen Mitbewerber höheren Ansprüchen gerecht werden. Dieses Risiko darf man nicht unterschätzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass westliche Hersteller die Konkurrenz aus Asien nicht ernst nehmen und dann plötzlich vom Markt verdrängt werden.

Aus Sicht der Tesla-Aktionäre ist die Situation allerdings weniger kritisch. Das Unternehmen hat im September am «Battery Day» eine Strategie verkündet, wonach man aggressiv in die Weiterentwicklung der Batterie- und Antriebstechnologie investieren will. Ziel der Übung ist es, die Kostenstruktur so anzupassen, dass ein Tesla für 25 000 $ profitabel angeboten werden kann. Auf den ersten Blick sorgte diese Ankündigung für Aufregung unter Analytikern. Nun zeigt sich jedoch, warum die Tesla-Verantwortlichen dieses Ziel so aggressiv verfolgen. Mit der Senkung der Kostenstruktur halten sie sich nämlich die Billigkonkurrenz aus China vom Leib. Der 25 000-Dollar-Tesla ist genau die richtige Antwort auf diese Bedrohung.

Nicht nur die Tesla-Aktionäre dürften sich über diesen Schritt freuen. Ermutigend ist die Nachricht auch für die Konsumenten, zumal man so eine stetige Verbesserung der Autos bei gleichzeitig sinkenden Preisen erwarten darf. Autos dürften in Zukunft ähnlich wie Computer immer besser und gleichzeitig günstiger werden.

Sorgen für den Rest der Autobranche nehmen zu

Problematisch ist die Lage jedoch für den Rest der Autoindustrie, die mit dem zu erwartenden rauen Kostenkampf wohl weit mehr Mühe haben dürfte. Besorgniserregend sind dabei insbesondere die vielen Milliarden an Fremdkapital, die mit dem Wert der heute verkauften Verbrennungsmotoren besichert sind. Falls das Auto der Zukunft tatsächlich zu einem Softwarepaket mit Batterie auf Rädern wird, dürfte der Restwert der Verbrennungsmotoren stark unter Druck kommen. Herkömmliche Autohersteller haben im Wettbewerb mit Moore’s Law noch einigen Aufholbedarf. Und die zu befürchtende Wertanpassung der Verbrenner wird zweifellos dicke Spuren am Bondmarkt hinterlassen.

Football news:

West Ham bot 33 Millionen Euro für en-Nesiri. Sevilla hatte West Ham im Januar den FC Sevilla-Stürmer Youssef en-Nesiri verpflichtet. Die Londoner boten für den 23-jährigen Marokkaner 33 Millionen Euro zusammen mit Boni, doch der Spanische Klub reagierte mit einer Absage, wie Estadio Deportivo mitteilte. Laut der Quelle wird Sevilla wahrscheinlich am Ende der Saison an Nesiri verkaufen, um seine finanzielle Situation zu verbessern. West Ham wiederum will das Angebot bis zur Schließung des wintertransferfensters auf 40 Millionen erhöhen. Mit 12 Toren in 19 Saisonspielen teilt sich la Liga en-Nesiri die Führung im Torjäger-Rennen mit Luis Suarez (Atlético Madrid). Mehr zu seinen Statistiken finden Sie hier
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