Switzerland

Buhrufe und Emotionen bei Premiere von «Unerhört!»: Corona-Skeptiker haben ihren grossen Abend

Angeheizte Stimmung am Freitag bei der Premiere von «Unerhört!», dem Dokumentarfilm des ehemaligen «Arena»-Moderators und SRF-Redaktors Reto Brennwald (57). Die 950 Sitze in der Samsung Hall in Zürich-Stettbach sind ausverkauft.

Im Publikum sitzen geschätzte 80 Prozent Corona-Skeptiker. Die Stimmung ist entsprechend emotional, mit Applaus und Buhrufen während des Films. Es gilt Maskenpflicht, Leute im Saal werden auch nochmals darum gebeten. Die meisten tragen den Atemschutz, einzelne Gruppen legen die Masken ab. Das Publikum wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Medien anwesend sind - damit es anschliessend nicht heisst, niemand sei gewarnt worden.

Nach dem Film folgt eine Podiumsdiskussion mit «Mr Corona» Daniel Koch (65), Hans-Ulrich Bigler (62), Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Komiker und Moderator Stefan Büsser (35) sowie Christoph Schmidli, Arzt.

Der Corona-Dialog findet hauptsächlich mit Koch statt. Auch die Fragen aus dem Publikum sind alle an ihn gerichtet. Doch es kommt Buhrufen und Pfiffen. Von Dialog kann keine Rede sein. Koch schafft es kaum, einen Satz zu Ende sprechen. Leute im Saal stehen zum Teil auf, wenn Koch spricht, andere verlassen die Halle.

Koch: Freiheitliche Gesellschaft müsse auch extreme Minderheiten ertragen können

Nach dem angeheizten Abend spricht BLICK mit Daniel Koch, der «Corona verkörpert», wie Filmemacher Brennwald im Anschluss sagt. Koch zeigt sich verständnisvoll: «Es ist ein Film mit neuer Sichtweise, kritischer, viel kritischer als die meisten Dokumentarfilme bis jetzt, aber auch das ist eine Sichtweise, die berechtigt ist und die man diskutieren kann.»

Die zahlreichen Beschimpfungen nehme er «nicht persönlich», so Koch. «Mein Gesicht steht für die Pandemie in der Schweiz, was in der ersten Pandemiewelle gemacht wurde.» Er «verstehe, dass das Leute nicht toll finden und mein Gesicht lieber nicht sehen.»

Koch: «Solche Meinungsaustäusche braucht es in einer freiheitlichen Gesellschaft, das muss man auch ertragen können, auch wenn es zum Teil Extremmeinungen sind, auch wenn es zum Teil extreme Minderheiten sind.»

Die Diskussion habe «ihren Platz», meint Koch. «Solange man anständig miteinander umgeht und die Vorschriften einhält, die für alle gelten, ist das okay.» Die vielen Corona-Skeptiker seien ja auch zu erwarten gewesen. Er sei schon früh um eine Teilnahme angefragt worden: «Und wenn ich einmal A sage, dann gehe ich bis zum Schluss», so Koch.

Büsser: «Menschen, die buh rufen, sind nicht an einem Dialog interessiert»

Stefan Büsser habe «erwartet», sagt er zu BLICK, dass es nicht zu einem Dialog kommen könne: «Von aussen kam ein Monolog, das Publikum schwätzte relativ einseitig mit, aber das war zu erwarten.»

Er finde es «spannend, mal die andere Seite zu sehen von dem, was man in der grossen Öffentlichkeit nicht so wahrnimmt.» Es sei «immer gut, beide Seiten zu sehen. doch der Film ist auch nicht ausgeglichen gewesen und hat mir auch keine Fragen beantwortet. Es war ein spannender Einblick.»

Dass er ausgebuht wurde, das tue ihm «keine Sekunde weh», so Büsser. «Menschen, die buh rufen, sind nicht an einem Dialog interessiert, sondern haben eine vorgefertigte Meinung - was sie auch den Medien immer vorwerfen.»

Brennwald nennt sich nicht Corona-, sondern Massnahmen-Skeptiker

Fernsehjournalist, Filmemacher und Moderator Brennwald beschreibt den Abend als «emotional und aufschlussreich». «Man spürt», sagt er zu BLICK, «dass ein Teil dieser Leute vor allem die offizielle Politik kritisiert.» Daher hätten sich Reaktionen «stark auf Daniel Koch konzentriert».

Die angespannte Stimmung habe gezeigt, dass es noch immer «viele offene Fragen und strittige Expertenmeinungen» gebe. Brennwald spricht von einer «Kakophonie gegenüber dem Publikum, das dann nicht genau weiss, was zu machen».

Nun gehöre Bilanz gezogen, «wie man einen nächsten Dialog aufstellen müsste, damit es gut funktioniert». Es müsse ein Dialog sein und es gehöre eine «Strategie verfolgt, die uns im Gesamtbild am wenigsten Schäden verursacht».

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