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Braucht es Playstation-Regeln?

Viele Eltern sind besorgt, wenn ihre Kinder zu oft gamen – und setzen auf klare Bedingungen und fixe Spielzeiten. Dies ist jedoch nicht immer der beste Weg.

Kontraproduktive Regeln: Eltern sollten sich für die Spielwelten der Kinder interessieren. Illustration: Benjamin Hermann

Liebe Daniela, mein Sohn ist 13 Jahre alt, und ich weiss nicht genau, wie ich mit Playstation-Regeln umgehen soll. Vor allem: Braucht es dafür überhaupt Regeln? Bisher war mir einfach wichtig, dass in der Schule alles gut läuft, dass er Freunde und andere Hobbys hat und dass er Sport treibt. Wenn dem so ist, darf er weiterspielen. Aber wie oft und wie lange? Ich mache mir Sorgen, dass er beim Gamen nicht lernt, was eine «wahre» Herausforderung ist oder wie man im «richtigen» Leben schwierige Ziele erreichen kann. Haben Sie einen Ratschlag für mich? Marta

Liebe Marta

Herzlichen Dank für Ihre Fragen. Für die Themen Häufigkeit und Dauer von Spielsequenzen kann ich Ihnen die Internetseite von Jugend und Medien empfehlen. Hier finden Sie viele Anregungen rund um das Thema. Es gefällt mir besonders, dass auch Chancen des «Gamens» aufgeführt werden – wie schnell vergessen wir diese! So können Computerspiele unter anderem die Kreativität fördern und das strategische Denken ankurbeln. Auf der anderen Seite gibt es auch Risiken wie gewalttätige, sexualisierte Inhalte oder plötzliche Kostenfallen. Ich frage mich jedoch, ob Regeln der beste Weg sind, um möglichen Risiken zu begegnen.

Es klingt so, als hätten sich die schulischen Leistungen und der Ausgleich Ihres Sohnes bisher durch das Gamen nicht verändert. Wenn dem so ist, dann gibt es keinen Grund, die Kriterien zu verändern – wenn da nicht Ihre Sorge wäre. Jesper Juul hat dazu in seinem Buch «Pubertät. Wenn erziehen nicht mehr geht» etwas Spannendes geschrieben: «Besorgnis hat mit Vertrauen zu tun. [… ] Vertrauen hat ja nichts mit der Überzeugung zu tun, dass Kinder alles tun, was ihre Eltern für richtig halten, und das unterlassen, was diese für falsch halten. Das Vertrauen, das Kinder von ihren Eltern so sehr benötigen, ist die Zuversicht, dass die Kinder ihr Bestes geben, um zu dem Menschen zu werden, der sie gern sein möchten. [… ] Sie dürsten nach dem Vertrauen ihrer Eltern und hassen deren Besorgnis.»

Wenn sich Gespräche nicht um Regeln drehen, können Gespräche über Lösungen entstehen. Auf Augenhöhe.

Jugendliche haben in ihrem Alltag viele Herausforderungen zu bewältigen und schwierige Ziele zu erreichen. Versuchen Sie einmal, sich all die Herausforderungen und Ziele Ihres Sohnes zu vergegenwärtigen. Wenn Sie sich bewusst machen, was Ihr Sohn im Alltag meistert, können Sie dies Ihrer Sorge entgegenstellen und dadurch Ihr Vertrauen in ihn steigern. Neues Vertrauen dank Sorge, sozusagen!

Im Umgang mit Games ermuntere ich Eltern, sich mit den Games und damit, was ihr Kind darin erlebt, zu befassen. Wissen Sie, welche Spiele Ihr Sohn am liebsten spielt und was ihm daran gefällt? Gespräche, die nicht darauf abzielen, Regeln einzuführen, schaffen einen guten Boden und zeigen dem Kind unser Interesse – auch für eine Welt, der wir vielleicht nicht viel abgewinnen können. Wenn sich Gespräche nicht um Regeln drehen, können Gespräche über Lösungen entstehen. Auf Augenhöhe.

Gute Games ziehen uns hinein und lassen uns die Zeit vergessen. Sie sind darauf ausgelegt, dass wir weiterspielen – eine ganze Industrie verdient daran. Wenn es Kindern und Jugendlichen nicht gelingt, ihre Spielzeiten zu kontrollieren, dann wird unsere Unterstützung mehr bewegen als eine Regel, die allenfalls nicht eingehalten werden kann. Fragen, die Sie mit Ihrem Sohn besprechen, könnten demnach lauten: «Was halten wir von der Empfehlung von etwa 75 Minuten Medienzeit pro Tag?» oder «Was können wir tun, damit wir unsere Grenzen erkennen und diese berücksichtigen?»

Dabei spielt das Medienverhalten der Eltern eine wichtige Rolle. In dieser Broschüre des Bundes wird erwähnt, dass Jugendliche sich deutlich mehr mit ihrer eigenen Onlinenutzung auseinandersetzen als Erwachsene. Ob gamen oder am Handy sein – als Vorbild werden Sie im Gespräch glaubwürdig.

Machen Sie Ihrem Sohn Komplimente!

Regeln sind so sparsam anzuwenden wie Salz beim Kochen. Wenn Sie neue Massnahmen einführen möchten, ist ein erster Schritt, das Gesamte zu betrachten: Wie viele Regeln gibt es für Ihren Sohn, und wie sind diese zustande gekommen? Sind sie noch adäquat? Mit diesen Vorüberlegungen können Sie neue Regeln im Dialog mit Ihrem Sohn besprechen. Vereinbaren Sie auch miteinander, was getan werden soll, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Das vereinfacht deren Durchsetzung ungemein.

Schliesslich möchte ich Ihnen noch einen besonders schönen Weg vorstellen, Ihren Sohn zu einem erwünschten Verhalten zu bewegen, ohne zusätzliche Regeln einzuführen: Machen Sie Ihrem Sohn Komplimente! Bestimmt gibt es Momente, in denen er sich in Bezug auf das Gamen so verhält, wie Sie sich das wünschen. Wenn Sie so etwas wahrnehmen, dann sagen Sie ihm beim nächsten Mal einfach: «Wow. Das hat mich jetzt sehr beeindruckt, dass du heute…» Ein solches Kompliment wird Ihren Jungen dazu motivieren, dessen würdig zu sein und diese Leistung beizubehalten. Aber natürlich nur, wenn es ernst gemeint ist.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem Sohn.
Daniela

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