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Börsen sacken ab, Euro-Frankenkurs auf Dreijahres-Tief

Auf der Verkaufsliste standen Aktien, gefragt waren dagegen als sicher geltende Anleihen oder Gold. «An den weltweiten Aktienmärkten war nach den jüngsten Kursgewinnen seit Anfang Oktober das Risiko einer Korrektur hoch, und das Coronavirus war jetzt der Auslöser», sagte Rupert Thompson, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung Kingswood.

Aus Furcht vor einem Rückgang der wichtigen Nachfrage in China ziehen sich Anleger bei europäischen Anbietern von Luxusgütern zurück. Der Branchenindex büsste 2,5 Prozent ein. Zu den grössten Verlierern zählten hier die Modefirmen Hugo Boss, Hermes und Burberry mit Kursverlusten von bis zu 4,7 Prozent. Seit Ausbruch des neuen Erregers verloren Europas grosse Luxusfirmen damit fast 50 Milliarden Dollar Kapitalwert. «Am Aktienmarkt kommt langsam an, dass der Virus signifikante wirtschaftliche Auswirkungen hat, weil inzwischen 56 Millionen Menschen von den Quarantänebestimmungen betroffen sind», sagte Peter Garnry, Chefstratege bei der Saxo Bank.

Die Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus machten auch die Eigner von Luftfahrt- und Touristikwerten nervös. Der europäische Branchenindex verlor 2,9 Prozent und steuerte damit auf den grössten Tagesverlust seit einem halben Jahr zu. Mit einem Minus von mehr als vier Prozent gehörte hier die Lufthansa zu den grössten Verlierern.

Der EuroStoxx50 sackte am Montag um 2,1 Prozent ab auf 3669 Zähler. Auch in den USA signalisierten die Futures einen deutlich schwächeren Handelsauftakt.

Börsianer fürchten, dass der Ausbruch der Lungenkrankheit der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft einen Dämpfer versetzt. Mittlerweile sind mehr als 2740 Menschen in China mit dem Erreger infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg am Wochenende auf 81.

Hohe Volatilität

Die Behörden verlängerten die Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest um drei Tage, um die Ausbreitung des neuen Erregers einzudämmen. Üblicherweise sind die Neujahrstage eine Hauptreisezeit in China. «Dieses Jahr dürften viele Chinesen auf Reisen innerhalb des Landes verzichten, worunter der gesamte Dienstleistungssektor leiden sollte», sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus AxiTrader.

Die Volatilität schnellte nach oben, der entsprechende Index stieg um fast 30 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit drei Wochen. Anleger flüchteten in «sichere Häfen» wie Gold, dessen Preis mit 1586,43 Dollar je Feinunze so hoch wie zuletzt während der USA/Iran-Krise vor drei Wochen war.

Euro-Frankenkurs sinkt unter 1.07

Auch die Schweizer Währung war gefragt. Dies drückte den Kurs des Euro auf 1,0681 Franken und damit auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Anleihe-Renditen gaben nach. Bei aller Sorge rechnen die Analysten der Commerzbank aber nicht damit, dass die unmittelbaren ökonomischen Folgen auf Chinas Wirtschaftskraft durchschlagen werden.