Switzerland

Bittere Pille auf dem neuen Weg zur Kirche

Dieses Jahr soll für Muri ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen. Ab März will der Kanton auf der Thunstrasse den unübersichtlichen Engpass im Bereich von Kirche und Schloss beseitigen, dafür die marode Stützmauer abbrechen und sie leicht zurückversetzt neu aufbauen. Die Gemeinde ergreift ihrerseits die Gelegenheit beim Schopf – und schafft hinter der neuen Mauer den seit Jahren geforderten direkten Weg vom Dorfzentrum zur Kirche.

Sofern das Parlament zuvor noch eine bittere Pille schluckt. Weil die Arbeiten viel teurer werden als noch vor Jahresfrist angenommen, muss es nächsten Dienstag zwei Nachkredite sprechen. Statt der knapp 980000 Franken, die die Politikerinnen und Politiker 2019 in zwei Schritten genehmigt haben, wird das Vorhaben die Gemeindekasse nun mit gut 1,7 Millionen ­Franken belasten. Das entspricht beinahe einer Verdoppelung.

Viel aufwendiger

In seinem Antrag macht der Gemeinderat keinen Hehl daraus, dass er an dieser Entwicklung keine Freude hat. Er weist das Parlament sogar ausdrücklich darauf hin, dass es nun die Wahl habe, «ob unter Inkaufnahme der Mehrkosten am Zeitplan fest­gehalten – oder ob das Projekt gestoppt und zu einem noch nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt neu aufgegleist werden soll».

Er selber möchte allerdings am Projekt in seiner aktuellen Form festhalten. Das macht der Gemeinderat ohne Wenn und Aber klar, auch wenn er die Verteuerung als «unbestrittenermassen stossend» bezeichnet. Zu sehr liegt ihm daran, dass die Arbeiten nun im Sommer über die Bühne gehen können – weil so eben der direkte Weg zur Kirche endlich Realität wird. Aber auch, weil andere Projekte wie die noch viel grössere Korrektion des angrenzenden Teils der Thunstrasse in Richtung Bern davon abhängig sind.

Für die so viel höheren Kosten führt der Gemeinderat zwei Hauptgründe an: Zum einen drängt der Kanton darauf, dass die Autos während der Bauphase nicht wie geplant im Einbahnverkehr, sondern weiterhin in beiden Richtungen rollen. Das mache «ein aufwendigeres Gegenverkehrssystem mit Lichtsignalanlagen» nötig. Zum andern ist seit der Arbeitsvergabe klar, dass die von der Denkmalpflege geforderte Sandsteinverkleidung für die neue Mauer sechsmal teurer wird.

Laut Gemeinderat warten auch auf den Kanton «erhebliche Mehrkosten». Ursprünglich sollten die Arbeiten insgesamt rund 2,5 Millionen Franken kosten.